Krankenhäuser in MIL – Es geht weiter!

Wir wollen nicht von Hellseherei sprechen. Aber dass kommunal.tk am 22. Juli einen Beitrag ins Netz stellte, der sich mit den Verwerfungen in den Krankenanstalten im Landkreis Miltenberg beschäftigte, das ist zumindest weitsichtig. Wir geben aber zu: Unsere Informanten hatten uns schon damals gemeldet, dass alles noch schlimmer kommen wird mit den zum Rhön-Kliniken-Konzern gehörenden Krankenhäusern in Miltenberg und Erlenbach. Nun ist es raus: „Bereits dreieinhalb Jahre nach der Einweihung des neuen Miltenberger Krankenhauses hält der Rhön-Klinik-Konzern offenbar ein `Zukunftskonzept Miltenberg´ für notwendig. So sieht es zumindest Geschäftsführer Guido Paterna, dem ein `internistisch-geriatrisches Zentrum´ als neuer strategischer Schwerpunkt vorschwebt. Paternas Plan hat die neun niedergelassenen Belegärzte der vier Fachabteilungen aufgeschreckt. Sie sehen darin einen `verkappten Rauswurf´ und den ersten Schritt zur Umwandlung eines Grundversorgungskrankenhauses in ein `besseres Altenheim´, so der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) Dr. Armin Steck. … Die heftige Kritik der niedergelassenen Fachärzte hat ihren Grund in der dramatischen Kürzung ihrer Belegbetten. Statt bisher 36 sollen sie künftig nur noch zehn Betten zur Verfügung haben. `Ein Bett, ein Patient pro Arzt, das ist weder rechnerisch noch wirtschaftlich eine Grundlage´, klagt der Urologe Dr. Achim Luther. … Von den Ärzten der Portalklinik sind nur die Mediziner der internistischen Hauptabteilung beim Rhönklinikum angestellt. Das medizinische Angebot wird erweitert durch vier Fachabteilungen: Gynäkologie, Chirurgie, Urologie und HNO-Abteilung werden von niedergelassenen Ärzten betreut. Ohne diese Belegabteilungen hätte die Kreisstadt nicht mehr das `vollwertige Krankenhaus´, das Landrat, Kreistagsmehrheit und privater Klinikbetreiber bei der Übernahme versprochen hatten.“ (Bote vom Untermain/Main-Echo, 03.08.11) Und: „Die verärgerten Miltenberger Fachärzte glauben, dass bei der Neuausrichtung des Miltenberger Hauses vor allem wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen.“ (ebd.) Welche denn sonst? Das Rhön-Klinikum ist doch nicht die Caritas! Da geht es um die Bedienung der Ansprüche der Aktionäre. Und Klinik-Chef Paterna ist auch kein Sozialpfarrer, sondern einfach nur Geschäftsmann, der das macht, was mehr bringt: „Er verlässt Ende August den Klinikkonzern und wechselt zur Unternehmensberatung Roland Berger.“ (ebd.)


4 Antworten auf “Krankenhäuser in MIL – Es geht weiter!”


  1. 1 Lesender Arbeiter aus dem Krankenhaus 09. August 2011 um 11:22 Uhr

    Als DOKUMENT der komplette Zeitungsbeitrag:

    Neuer Streit zwischen Ärzten und Rhön-Klinik
    Gesundheit: Konzernkritiker sehen Ängste bestätigt
    Miltenberg/Erlenbach Ein »Zukunftskonzept Miltenberg« sorgt unter den Ärzten im Landkreis Miltenberg für Unruhe. Geschäftsführer Guido Paterna plant die vor dreieinhalb Jahren eingeweihte Miltenberger Portalklinik zu einem »Internistisch-geriatrischem Zentrum« zu machen. Dazu will er die geriatrische Rehaabteilung des Krankenhauses Erlenbach nach Miltenberg verlegen und den vier Belegabteilungen die Betten drastisch kürzen.
    Betroffen wären neun niedergelassene Ärzte der Fachabteilungen Urologie, Gynäkologie, Chirurgie und Hals-Nasen-Ohren (HNO). Die sehen in Paternas Plan einen »verkappten Rauswurf« und den ersten Schritt zur Umwandlung des Miltenberger Krankenhauses in ein »besseres Altenheim«.
    »Alles was wir beim Verkauf der Kreiskrankenhäuser befürchtet haben, tritt jetzt ein«, kommentiert auch Ute Hascher, Sprecherin des Miltenberger Patienten-Stammtischs die geplante Neuausrichtung. 2006 hatte der Landkreis seine beiden Kliniken in Miltenberg und Erlenbach an den Rhön-Klinikum-Konzern in Bad Neustadt verkauft. Nach Ansicht von Ärztevertretern verfolgt der Konzern eine aggressive Strategie zur Übernahme der ambulanten Versorgung. Diese Befürchtungen erhielten durch die aktuellen Pläne neue Nahrung. kü

    »Besseres Altenheim« statt Klinik?
    Gesundheit: Fachärzte kritisieren die Neuausrichtung des Miltenberger Krankenhauses als »verkappten Rauswurf«
    Miltenberg/Erlenbach Bereits dreieinhalb Jahre nach der Einweihung des neuen Miltenberger Krankenhauses hält der Rhön-Klinik-Konzern offenbar ein »Zukunftskonzept Miltenberg« für notwendig. So sieht es zumindest Geschäftsführer Guido Paterna, dem ein »internistisch-geriatrisches Zentrum« als neuer strategischer Schwerpunkt vorschwebt.
    Paternas Plan hat die neun niedergelassenen Belegärzte der vier Fachabteilungen aufgeschreckt. Sie sehen darin einen »verkappten Rauswurf« und den ersten Schritt zur Umwandlung eines Grundversorgungskrankenhauses in ein »besseres Altenheim«, so der Hals-Nasen-Ohren-Arzt (HNO) Dr. Armin Steck.
    Aus Erlenbach soll die geriatrische Rehastation nach Miltenberg verlegt werden. In ihr werden ältere Patienten nach abgeschlossener Behandlung oder Operation besonders betreut und auf ihre Entlassung vorbereitet.
    Die heftige Kritik der niedergelassenen Fachärzte hat ihren Grund in der dramatischen Kürzung ihrer Belegbetten. Statt bisher 36 sollen sie künftig nur noch zehn Betten zur Verfügung haben. »Ein Bett, ein Patient pro Arzt, das ist weder rechnerisch noch wirtschaftlich eine Grundlage«, klagt der Urologe Dr. Achim Luther.
    Ein Bruch zwischen zwischen dem Krankenhaus und den niedergelassenen Ärzten droht, der gravierende Auswirkungen auf das Leistungsspektrum des Miltenberger Krankenhauses haben könnte. Von den Ärzten der Portalklinik sind nur die Mediziner der internistischen Hauptabteilung beim Rhönklinikum angestellt. Das medizinische Angebot wird erweitert durch vier Fachabteilungen: Gynäkologie, Chirurgie, Urologie und HNO-Abteilung werden von niedergelassenen Ärzten betreut. Ohne diese Belegabteilungen hätte die Kreisstadt nicht mehr das »vollwertige Krankenhaus«, das Landrat, Kreistagsmehrheit und privater Klinikbetreiber bei der Übernahme versprochen hatten.
    Die zusätzliche medizinische Kompetenz der Fachärzte kommt nicht nur deren Patienten zugute. Sie ist auch für die Hauptabteilung, aber noch mehr für die Notfallversorgung wichtig. 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr ist die Notaufnahme geöffnet, und der leitende Arzt des Krankenhauses, Dr. Peter Zecha, ist froh darüber, den Rat der Fachärzte einholen zu können. »Wir haben viele Grenzfälle; Patienten die nicht nur ein internistisches Problem, sondern auch noch beispielsweise ein urologisches haben.«
    Doch in den Unternehmenszielen der Klinken Miltenberg-Erlenbach GmbH ist die Patientenversorgung nur eines unter weiteren: Um zukunftsfähig zu bleiben, heißt es da, »werden ständig innovative medizinische, pflegerische und wirtschaftliche Konzepte entwickelt und umgesetzt.« Die verärgerten Miltenberger Fachärzte glauben, dass bei der Neuausrichtung des Miltenberger Hauses vor allem wirtschaftliche Interessen eine Rolle spielen: »Selbstständige Ärzte passen nicht ins Konzernsystem«, formuliert es Achim Luther.
    Eine Behauptung, der Guido Paterna widerspricht. Es gebe im Rhön-Konzern viele Beispiele, wo die Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Belegabteilungen gut funktioniere. Aber den hohe wirtschaftliche Druck im Gesundheitssystem zwinge die Krankenhäuser, effizient zu wirtschaften und ständig neue, innovative Lösungen zu suchen.
    Die Belegung in Miltenberg sei mit 67 Prozent deutlich niedriger als in Erlenbach, wo sie bei 95 Prozent liegt. Dass Belegärzte ihre Stationen nie so auslasten können wie Klinikabteilungen, geben Steck und seine Kollegen zu. Das liege in der Natur der Sache, weil der Schwerpunkt ihrer Arbeit in der ambulanten Behandlung in ihren Praxen liegt. Die Kürzung der Belegbetten entspricht aber nicht der tatsächlichen Auslastung. Die lag im Jahr 2010 bei 22,8 Betten, hat der Chirurg Dr. Florian Hermann ausgerechnet. Mindestens 24 Betten bräuchten die vier Fachabteilungen also, um weiter ihre Operationstätigkeit und damit ihre Beteiligung am Notdienst aufrecht erhalten zu können.
    Zudem habe die Klinikverwaltung im vergangenen Herbst die Operationszeiten für die Belegärzte drastisch gekürzt. Die Urologen Achim Luther und Paul Hengsbach haben deshalb binnen drei Monaten 52 ihrer Patienten nicht selbst operieren können, sondern an andere Krankenhäuser überwiesen. Auch hat der Geschäftsführer die Belegärzte aufgefordert, vor den Wochenenden ihre Station durch Entlassungen »herunterzufahren«, um das Pflegepersonal der Klinik zu entlasten.
    Unter der Zielsetzung Wirtschaftlichkeit ist Paternas Plan nachvollziehbar. Die Rehabilitation älterer Patienten gilt als lukrativ. Zudem braucht der Kliniken-Geschäftsführer in Erlenbach Platz, weil dort mit der Lungenheilkunde (Pneumologie) eine neue Abteilung entstanden ist. Weitere Betten werden für ein Schlaflabor benötigt, das gerade im Aufbau ist. Die Behandlung von Schnarchern gilt im komplizierten Abrechnungssystem der Krankenhäuser ebenfalls als einträglich.
    Die Patienten der Belegärzte bringen dem Krankhauskonzern dagegen weit weniger ein. Steck und Kollegen rechnen die Behandlung mit den Kassen ab und zahlen an das Krankenhaus nur für Benutzung der OP-Säle und für die Pflege auf der Station. Überdies sind die Fallpauschalen für Belegarztbehandlungen um 20 bis 30 Prozent niedriger als für die gleichen Leistungen in einer Hauptabteilung. Deshalb schätzen die Krankenkassen das Belegarztsystem als kostengünstigste Art der stationären Behandlung.
    Paternas Plan und vor allem die Art, wie er ihn den Miltenberger Ärzten präsentierte, hat das alte Misstrauen der niedergelassenen Mediziner gegenüber dem Klinikkonzern wieder aufflammen lassen. Sie sehen darin den Teil einer langfristig angelegten Strategie: »Man verändert die Rahmenbedingungen so, dass wir frustriert das Handtuch werfen«, unterstellt Achim Luther. Dann könne Rhön die Fachabteilungen mit eigenen Ärzten besetzen. Selbst kündigen kann der Konzern den Belegern nicht, denn dann werden die Fachabteilungen aus dem Krankenhausbedarfsplan gestrichen. Das wäre dann wirklich der erste Schritt hin zum »besseren Altenheim«. Unter den jetzt von Paterna vorgegebenen Bedingungen sehen alle neun Belegärzte keine Möglichkeit zur weiteren Zusammenarbeit. Sie haben sich hilfesuchend an den Krankenhausbeirat und an die Kassen gewandt.
    Am kommenden Dienstag hat Guido Paterna alle Beteiligen zu einer Aussprache geladen. Er hoffe auf »konstruktive Gespräche und einen tragfähigen Kompromiss«, sagt der Geschäftsführer. Um die Umsetzung seines »Zukunftskonzeptes« wird sich Paterna nicht mehr selbst kümmern. Er verlässt Ende August den Klinikkonzern und wechselt zur Unternehmensberatung Roland Berger.

  2. 2 Sozialer Mensch 09. August 2011 um 15:57 Uhr

    Leserbrief vom 09.08.11 im Main-Echo:

    Gewinne auf Kosten der Patienten

    Ich habe bereits in der Vergangenheit die Erlenbacher Klinik scharf kritisiert. Es hat sich bisher nichts geändert. Fachkräfte und Fachärzte verlassen die Klinik, weil sie den Druck des Konzerns nicht mehr aushalten. Ein Professor ist gegangen, weil er die Vorgaben der Konzernleitung nicht mehr mit seinem Gewissen vereinbaren konnte. Er konnte es nicht verantworten, pro Monat 26 Prozent mehr gewinnbringende Kathederuntersuchungen ohne Notwendigkeit durchzuführen. Es kommen ausländische Ärzte, die für weniger Gehalt arbeiten, aber der deutschen Sprache nicht mächtig sind. Übersetzen müssen dann die schon total überlasteten Schwestern.
    Hier steht, wie bereits Herr Kümmel angekündigt hat, der Profit im Vordergrund. Das Rhön-Klinikum und die Aktionäre machen riesen Gewinne auf Kosten der hilfslosen Patienten. Der Kreistag und die verantwortlichen Politiker haben mit dem Verkauf der Krankenhäuser an einen privaten Träger der Bevölkerung am Untermain einen »Bärendienst« erwiesen. Sie sind vom Betreiber getäuscht worden.
    Horst-Werner Schmidt, Wörth

  3. 3 mb 13. August 2011 um 9:51 Uhr

    Inzwischen haben sich die Belegärzte mit der Rhön-Klinikum AG geeinigt: 20 Betten stehen zur Verfügung. Die Umwandlung in ein geriatrisches Krankenhaus, weg von der Vollversorgung, ist damit noch nicht vom Tisch.

  4. 4 nashman 17. Januar 2014 um 1:01 Uhr

    Das Miltenberger Krankenhaus war mal gut.
    Rhön lässt es absichtlich sterben um Erlenbach zu retten! !
    Schweinerei.
    Wir gehen wie viele andere, entweder nach Miltenberg oder hardheim und buchen.
    Scheiss rhön!!

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