Besoffen sein hat nichts mit Alkohol zu tun!

Besoffen sein hat nichts mit Alkohol zu tun! So oder ähnlich ist die Denkweise mancher Vertriebenenfunktionäre, bei denen plötzlich die Vertreibung gar nichts mit Adolf Hitler zu tun hat! Da jüngst auch am bayerischen Untermain so ein Geschichtsneuerfinder am Werk war, zitieren wir hier den neuesten Beitrag aus der Rubrik RECHTS (siehe Button →).

18.09.: Beim „Tag der Heimat 2011“ des Bundes der Vertriebenen Kreisverband Miltenberg in Obernburg-Eisenbach spricht Rudi Pawelka, pensionierter Polizeidirektor, langjähriger CDU-Funktionär, Anfang der 1970er Jahre zweiter Bundesvorsitzender der damaligen weit rechts stehenden CSU-Freundeskreise und heute Bundesvorsitzende der Landsmannschaft Schlesien. Seine Aussage „`Es ist noch sehr weit bis zum Einvernehmen´ (gemeint: mit Ländern wie Polen oder Tschechien)“ (alle Zitate: Main-Echo) kann getrost so übersetzt werden: Wir werden Polen und Tschechien nie verzeihen, dass wir den Weltkrieg verloren haben!
„Voller Empörung wies er den Satz vom `Tag der Befreiung´ zurück, den der damalige Bundespräsident Weizsäcker am 8. Mai 1985 über das Kriegsende formuliert hatte, und nannte deutsche Politiker `Gralshüter der deutschen Schuld´, die damit `deutsche Opfer verhöhnen´. Die Ostpolitik Willy Brandts wurde bei ihm zur Verzichtspolitik und zum Verrat.“ Dass er den 8. Mai 1945 als „Tag der Befreiung“ ablehnt (und dieser für ihn damit ein Tag der Niederlage ist, was eine Sympathie für das unterlegene Nazi-Regime bedingt) ist angesichts der sonstigen Aussagen auch nicht mehr sonderlich überraschend.
Nochmal Pawelka: „Er betonte, `dass Vertreibung mit Hitler nichts zu tun hat – das sind nur Vorwände.´“ Fast ist es müßig, auf diese Behauptung einzugehen, zu sehr ist sie im Wahngebäude von Schuldabwehr und Projektion der als dem Eigenen (der eigenen Nation oder den Schlesiern) zugeordneten Verbrechen auf andere behaftet. Daher nur in aller Kürze: Zwar war es Hitler nicht alleine, er brauchte schon Millionen von Deutschen in SA, SS, Gestapo, Verwaltung, Industrie und vor allem Wehrmacht, um Terror und Vernichtung durchzuziehen. Aber ohne genau dies – Krieg, Terror, KZ-System etc. – hätte es niemals die Möglichkeit und die Notwendigkeit der Vertreibung gegeben! Ohne den Nazi-Terror, den die später Vertriebenen massenhaft (und offensichtlich absolut mehrheitlich) unterstützt hatten, hätten die vertreibenden Staaten niemals die Rechtfertigung gesehen und niemals vor der Weltöffentlichkeit und den anderen Nationen mit Zustimmung rechnen können.
Und was sagten dazu die Anwesenden bei Pawelkas 50minütiger Rede in Obernburg? Offensichtlich nichts. Aber immerhin: „Einige Zuhörer, auch solche, die selbst aus einer Vertriebenenfamilie stammen, reagierten bei der Rede spürbar zurückhaltend oder skeptisch, und am Ende wirkte der Beifall nach der langen Ansprache in der Eisenbacher Halle eher reserviert.“ (Quelle: alle Zitate aus Main-Echo, 20.09.11)


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