Atomausstieg – Chancen lokal nutzen!

zugesandter Bericht von Johannes Büttner – mit einer Ergänzung zur Freiheit der Presse von einigen Friedenstrommlern

Atomausstieg – Chancen lokal nutzen!
Konkrete Schritte für Aschaffenburg diskutiert!

Rund 80 Zuhörer nutzten im vollbesetzten Saal K2 in der Stadthalle die Chance um mit Sebastian Schönauer, dem stellvertretenden Vorsitzenden des BN Bayern und Dieter Gerlach, Geschäftsführer der AVG über den Atomausstieg und die lokalen Schritte für die Stadt Aschaffenburg zu diskutieren.
Peter Diekmann moderierte die Diskussion zwischen den zwei Referenten und den kritischen Zuhörern. Dieter Gerlach betonte die historische Bedeutung dieses Atomausstieges und der Möglichkeit die Energiewelt zu erneuern. Die internationale Bedeutung für den Frieden in der Welt zeigte er auf indem er auf die 4 Grundprobleme hinwies, die zu erheblichen Auseinandersetzungen international führen könnten: der Nahrungsproblematik, dem Wassermangel, der Ernährung und Gesundheit und schließlich der Energie. Die Rohstoffressourcen gingen kurz oder lang zu Ende. Jetzt müsse diese Chance genutzt werden. Dass dies jetzt eher möglich ist, zeige lokal vor allem das hohe Interesse von Bürgermeistern aus der Region an Windkraftanlagen. Ziel sei es für ihn, alle Register zu ziehen, um „vor Ort alles zu ermöglichen, was sinnvoll, richtig und regional uns weiterbringt.“ Wobei Gerlach davon ausgeht, dass der Atomausstieg nicht sofort erfolgen könne, da bisher keine Speicherkapazitäten für Strom zur Verfügung stünden. Wir bräuchten bis zum endgültigen Ausstieg Kapazitätskraftwerke die fossil betrieben werden mit Gas und Kohle. Das Energiethema sei kein reines Stromthema, sonder beinhalte auch Wärme und Mobilität. Da sei die AVG gefragt um nicht nur allein sondern z.B. mit Genossenschaften und Bürgerbeteiligung neue Energieproduktion vor Ort aufzubauen. Was die Stromlieferung mit Atomstrom angeht, so sagte Gerlach, dass die AVG auf die Wünsche der Kunden einginge und dort ein Teil eben auf den Preis schaut und der andere die Nachhaltigkeit will. Die AVG sei keine Diktatur und bietet für jeden Wunsch Strom an – auch Strom mit Atomstomanteil. Dies war dann auch der größte Widerspruch zwischen Schönauer und Gerlach sowie Stimmen aus der Zuhörerschaft. Schönauer wies daraufhin, dass ein sofortiger Ausstieg möglich sei und deshalb keine Glühbirne ausginge. Die Investitionen in neue Kohlekraftwerke lehnte er deshalb ab. Es sei ein Teufelskreis permanent zu fragen: Was bauen wir für Kapazitätskraftwerke wenn es nicht reicht? Obwohl es reicht! Kohle sei zusätzlich nicht nur umweltpolitisch abzulehnen sondern dafür würden in Kolumbien die Menschen brutal ausgebeutet. Trotz der Unterschiede im Weg waren sich sowohl Gerlach wie Schönauer im Ziel einig. Vor 2021 lägen noch 3 Bundestagswahlen und die Gefahr des Rückfalls in die Atomenergie sei noch nicht gebannt. Beide plädierten für den Ausbau der Windenergie und setzten auf die Umwandlung von Strom in Methangas. Schönauer forderte Gesetze für die Methanisierung. Am Schluss zeigte Gerlach die Perspektiven für die Region Aschaffenburg auf. 15 neue Windkraftwerke wolle die AVG errichten, die Photovoltaik verzehnfachen, ein neuen großes Blockheizkraftwerk mit Erdgas und Biomethan soll errichtet werden, bei kleineren Blockheizkraftwerken sollen gewerblich 100 und privat 1000 neue installiert werden. Kritisch sein Hinweis, dass zum Lückenschluss der Anteil in Brunsbüttel drin bleibt. Für die nächsten 10 Jahre seien 140 Millionen Euro im Ausbauprogramm geplant. 30 Millionen davon seien schon ausgegeben. Eine Zielverkürzung des Verzichts auf Atomstrom auf 2017 wie vom Stadtrat beschlossen sei möglich, wenn es realistisch umzusetzen sei bei einem AKW-Anteil in Bayern bei 60 Prozent. Einig waren Gerlach und Schönauer bei der Forderung, dass die politische Steuerung nicht delegiert werden kann, wie es z.B. der Landkreis mit der Zentec vorhat. Sie sei wichtig um die Energiewende in der Industrie umzusetzen – die politischen Vorgaben müssen aber von der Politik kommen. Die Bürger müssen mit einbezogen werden.

NACHTRAG

Trotz Einladung und Bitte um die Entsendung eines Journalisten/in an das Main-Echo erschien niemand. Deshalb verfasste Hans einen Korrespondentenbericht (siehe oben) und stellte ihn dem Main-Echo zur Verfügung. Es kam nichts. Beim Gespräch mit Frau Fleckenstein (Leiterin der Lokalredaktion) meinte sie, dass sie die Veranstaltung nicht so wichtig erachtete und deshalb niemand schickte. Auch der zugesandte sehr ausgewogene Bericht fruchtete nicht. Dass der Saal voll besetzt  und das Interesse groß war, spielte keine Rolle. Auch eine Kurzmitteilung sei nicht wichtig. Das Thema käme ja jetzt öfters und sei deshalb nicht so spannend.
Wir meinen:
Das Main-Echo erfüllt nicht seine hohe gesellschaftliche Aufgabe, in seiner schon fast monopolartigen Stellung hier in unserer Heimat fair und ausgewogen zu berichten. Insbesondere auch deshalb sind wir verärgert, weil der weltweit beachtete Energieumstieg  in Deutschland nach Aussagen aller gerade bei den Menschen, in den Kommunen und Landkreisen, beginnen soll und umgesetzt werden muss. Wo denn sonst. Diese Veranstaltung mit kommunalem Bezug hat gerade dieser allseitigen Forderung Rechnung getragen.
Die höchst kompetenten Diskussionsredner Sebastian Schönauer, stellvertr. BN-Vorsitzender und Attacmitglied und Dieter Gerlach, Umweltingenieur und Geschäftsführer der AVG (Aschaffenburger Versorgungsgesellschaft) bekommt man nicht immer an einen Tisch.
Schon vor der Veranstaltung den Diskussionsabend mit Nichtachtung zu bestrafen, ohne zu wissen, wie er inhaltlich eigentlich abläuft, kommt einer Art politischer Zensur gleich.

www.friedenstrommler.de


1 Antwort auf “Atomausstieg – Chancen lokal nutzen!”


  1. 1 Max Morlock 03. Oktober 2011 um 12:07 Uhr

    Das Main-Echo hat ein Monopol, da die Anzeigenblätter keinen wirklichen Journalismus bringen und Privat-TV bzw. -Rundfunk keine echten Infos, sondern Infotainment bringen. Weder im Print- noch im Nichtprint-Bereich der Medien gibt es also Konkurrenz.
    Gleichzeitig wird das ME aber auch immer unwichtiger. Die Auflage geht zurück und Top Shop oder andere recht inhaltslose und völlig unspannende Nebenblätter sind schon die Antwort auf einen auflagenbedingten Rückgang der Werbeeinnahmen.
    Zumindest im wichtiger werdenden Internet braucht es eine freie Alternative. Die sollte in AB schnellstens mal mit breiter Beteiligung angegangen werden.

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