Aschaffenburg: Gedenkstätten des Nazi-Terrors nicht mehr unter Denkmalschutz!

Johannes Büttner, Stadtrat der Kommunalen Initiative (KI)

Es ist ein Skandal: Die obere Denkmalschutzbehörde in Bayern hat zwei Gebäude in der Aschaffenburger Innenstadt aus der Denkmalliste gestrichen, die an die Greuel des Nazi-Terrors erinnern! Das ist fast eine Abrissgenehmigung!

Es handelt sich
- um das spätklassizistische Geschäftshaus von 1869, Herstallstraße 5, an dessen Werbeanlage der Leutnant Friedel Heymann kurz vor der Befreiung der Stadt durch US-Truppen am 28. März 1945 von Naziverbrechern aufgehängt wurde, weil er angeblich nicht für den „Endsieg“ kämpfen wollte,
- und um das ehemalige Bankhaus Wolfsthal von 1909, Herstallstraße 39, in dessen Räumen das jüdische Ehepaar Wolfsthal und fünf weitere jüdische Mitbürger aus Aschaffenburg sich in der Nacht vor ihrer beschlossenen Deportation am 6. September 1942 das Leben nahmen. Stolpersteine erinnern an diese Schicksale. Vor diesen Gebäuden finden regelmäßig Gedenkveranstaltungen gegen alte und neue Nazis statt.

Zuständig für diese „Nachqualifizierung“ der Denkmalliste Aschaffenburg ist das Referat Z1 für Bau- und Kunstdenkmäler in Oberfranken/Unterfranken. Diese Entscheidungen wurden lediglich nach Aktenlage und nach Rückfrage bei den Hauseigentümern gefällt. Die Untere Denkmalschutzbehörde und das Stadtplanungsamt Aschaffenburg wurden nicht einbezogen. Weitere Gebäude aus der historischen Innenstadt Aschaffenburgs wurde ebenfalls Opfer dieser Streichaktion.

Der Begriff „Nachqualifizierung“ signalisiert zwar Qualität, bei diesen Entscheidungen scheinen aber vor allem Dummheit und Oberflächlichkeit eine Rolle gespielt zu haben. Nach der Vorstellung dieser Streichungen im Stadtrat von Aschaffenburg am 7. März 2012 durch den zuständigen Referatsleiter der Behörde wurde diese Entscheidung trotz Kritik aus dem Stadtrat bereits am nächsten Tag umgesetzt. (Die bereinigte Denkmalliste ist im Internet unter www.blfd.bayern.de einsehbar). Die örtliche NPD-Truppe – die noch 1996 mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt von der Zwickauer Terrorzelle gemeinsam in Aschaffenburg demonstrierte – darf sich freuen! Zukünftige Investoren, für die Beton wichtiger ist als Kultur, können sich ebenfalls freuen. In der historischen Hauptgeschäftsstraße ist mit noch mehr Quadratmeter plus diesem Baurecht noch mehr Kohle zu machen.


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