Wahnsinn, Kapitalismus und Stadtentwicklung

In mehreren Teilen beschäftigte sich in den letzten Jahren die nhz – linke Zeitschrift für die Region (erscheint in Hanau) mit den Auswirkungen der kapitalistischen Stadtentwicklungspolitik, hier konkret am Beispiel der Umgestaltung von Hanaus Innenstadt.
Interessant: Die Notwendigkeit der Umgestaltung wird auch mit der „Abwanderung von Kaufkraft ins Umland oder in `konkurrierende´ Städte (hier: Aschaffenburg, Fulda, Offenbach, Frankfurt)“ begründet.

Während also Hanau wegen z.B. Aschaffenburg ein gigantischen Einkaufszentrum in die Innenstadt setzen will, ist es gerade Aschaffenburg, das am Hauptbahnhof und nochmal jenseits der Gleise ebenfalls neue und großzügige Verkaufs- und Serviceflächen ansiedelt. Wer soll diese ganzen Angebote mit seiner Kaufkraft befriedigen? Werden die einheimischen Millionäre jetzt täglich zehn Brote pro Person essen, zwanzig Deo-Sprays verbrauchen, zwölft Zeitungen und dreißig Bücher lesen, stündlich zum Friseur und täglich zehnmal zu McDonalds gehen? Oder bekommen die Arbeitslosengeld-II-Empfänger jetzt grenzenlos Kredit ohne Rückzahlung, damit sie einkaufen, einkaufen und einkaufen können? – Wir sehen: Dem stetig unter dem Konkurrenzdruck der Städte ausgeweiteten Angebot stehen keinerlei realen Konsummöglichkeiten gegenüber.

Zuerst wird es wohl die kleineren Städte treffen, die bereits mangels innerstädtischer Einkaufsmöglichkeiten veröden; dies wird sich unter dem Konkurrenzdruck von Hanau, Aschaffenburg etc. fortsetzen und verschärfen. Dann sind auch diese größeren Städte selbst dran, die langfristig mit großem Leerstand ihrer Einkaufstempel rechnen müssen.

Die Beiträge aus der nhz stellen wir hier online zur Verfügung, da wir die darin gemachten Aussagen und Erkenntnisse für wichtig und übertragbar halten. Wir danken der Redaktion nhz für die Erlaubnis, die Texte bringen zu dürfen.

Teil 1: Umbau der Innenstadt durch private Investoren
Teil 2: Zwänge und Abwege kommunaler Strukturpolitik
Teil 3: Stadtentwicklung jenseits der Vernunftgrenze


0 Antworten auf “Wahnsinn, Kapitalismus und Stadtentwicklung”


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


× acht = achtundvierzig