Gratulation, Aschaffenburg

Update 2: Gut drei Stunden waren NPD-Parteichef Apfel und zwölf weitere Anhänger in Gewahrsam der Polizei Unterfranken. Nach der Wahlkampfveranstaltung in Aschaffenburg haben einige von ihnen mit Feuerlöschern Passanten besprüht. Die Beamten ermitteln wegen gefährlicher Körperverletzung. Berichte HIER und HIER. (Danke für die Zusendung der Links.)

Update: siehe Nachtrag im Kommentar zu dieser Nachricht

**********

Soeben berichtet das Main-Echo: „Ein Häuflein NPDler zieht erneut ein braune Spur durch unsere Region. Nach Würzburg am Vormittag, waren die Nazis bis gegen 16 Uhr in Aschaffenburg. Etwa 400 Gegendemonstranten machten gegen den NPD-Chef Apfel und seine Anhänger Lärm. Viel Lärm.“ Weiter: „Ganz vorn bei den Protestlern dabei: Aschaffenburgs OB Herzog, der Aschaffenburger Kabarettist Urban Priol, etliche Stadträte, Abgeordnete und Landtag- sowie Bundestagskandidaten. Die nahe Kirche hat mit ihren Glocken ebenfalls gegen die NPD-Reden geläutet – war fast nicht nötig, denn die Demonstranten sind laut genug.“ Da war der ehemlige Miltenberger Pfarrer Boom wohl Vorbild!


10 Antworten auf “Gratulation, Aschaffenburg”


  1. 1 Nachtrag 12. September 2013 um 7:46 Uhr

    Rede von Reinhard Frankl auf dem Stiftsplatz, 11.09.2013, Kundgebung gegen die NPD
    -> Herzlichen Dank für die Erlaubnis, den Text zu veröffentlichen.

    Wir sind hier heute zusammengekommen, nicht weil wir alle die gleiche
    Weltanschauung hätten. Nicht, weil wir alle die gleiche Fahne schwingen.
    Nein, hier ist eine bunte Gesellschaft zusammen gekommen. Und das ist
    gut so. Unsere Buntheit ist zunächst einmal eine Lehre aus der Zeit, als
    ideologische Abgrenzungen dem Faschismus zum Sieg verhalfen. Und was zu
    dieser Buntheit gehört, ist unser entschiedenes
    NEIN zu Fremdenfeindlichkeit,
    NEIN zu jeglichem Rassismus.
    NEIN zur selbst ernannten Nazi-Hexe Ragna, zu Frau Schüssler und ihrer
    NPD in unserer Stadt!
    Zu unserer Buntheit gehört auch die Toleranz. So steht es im Aufruf der
    Stadtratsfraktionen und des OB für heute. Ja, Toleranz steht jedem
    Chauvinismus entgegen. Egal, ob es sich um National, Sozial- oder
    Sexualchauvinismus handelt.
    Aber ich möchte mit keinem geringeren als Johann Wolfgang von Goethe zu
    Bedenken geben: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende
    Gesinnung sein: Sie muss zur Anerkennung führen.“ Tolerare heißt
    bekanntlich dulden, und Goethe sagt weiter „ Dulden heißt beleidigen.“
    Nein, die Buntheit, die unsere Heimat vom Farbenspektrum der Welt
    abbekommt, sollten wir als Bereicherung anerkennen und akzeptieren,
    nicht einfach nur dulden. Die Hetze der NPD-Plakate gegen Asylbewerber
    sogar in der Straße unserer Gemeinschaftsunterkünfte ist für mich
    unerträglich.
    Frau Schüssler wurde in den Jahren 2004 bis 2007 als Jungunternehmerin
    von den wirtschaftsgläubigen Medien am Untermain hofiert. Am 30.09.2007
    durfte die gelernte Schauspielerin im PRIMA SONNTAG mit ihrer kleinen
    Tochter auf dem Arm als sozial eingestellte Frau posieren. Und sie
    durfte dort in einem Interview fordern, dass angesichts sozialer
    Missstände endlich „was geschehen“ müsse. Als Trittbrettfahrer der
    sozialen Frage sind die geistigen und politischen Vorfahren von Frau
    Schüßler von Anfang an aufgetreten. Ihre Vorstellungen von „es muss was
    geschehen“ hat die deutsche Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung
    spätestens am 2. Mai 1933 bitter und blutig erfahren müssen. Wer heute
    Faschismus hört, denkt wahrscheinlich zuerst an die Judenverfolgung und
    den Holocaust. Klar, denn die industrielle Vernichtung des europäischen
    Judentums war und ist einzigartig.
    „Wer aber vom Kapitalismus nicht reden will, sollte auch vom Faschismus
    schweigen“, forderte der Sozialphilosoph Max Horkheimer.
    Wir sollten nicht vergessen, dass die ersten Opfer in Hitlers
    Konzentrationslagern gerade die entschiedensten und fähigsten Kräfte der
    Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung im Kampf gegen die ausbeuterischen
    Auswirkungen des kapitalistischen Systems waren.
    Wie gesagt, auch die neuen die Nazis versuchen, eigentlich wie ihre
    Altvorderen von den ersten Tagen an, an linken Formen und Argumenten
    anzudocken. Ja, inzwischen sprechen auch NPD und ihre freien
    Kameradschaften vom Kapitalismus. Mit Parolen wie „den Kapitalismus
    täglich bekämpfen“ versuchen sie davon abzulenken, dass die ersten
    Aktionen ihrer geistigen Vorväter an der Macht Lohnsenkungen waren,
    Abschaffung der damals neu erkämpften Betriebsverfassung, Zerschlagung
    der Betriebsräte und ihre Ersetzung durch den Chef als natürlichem
    Führer der Betriebsgemeinschaft. Nein, wir lassen uns da nichts
    vormachen. Der Faschismus diente der brutalst möglichen Durchsetzung von
    Kapitalinteressen z. B. der Familie Quandt, der Deutschen Bank, des
    Krupp- und des Thyssen-Konzerns oder der IG Farben.
    Und auch die neuen Nazis hoffen darauf, dass sie eines Tages wieder zu
    ähnlichem gebraucht werden. Kein Zufall, dass sie Kontakte pflegen z.B.
    zur faschistischen Mörgenröte in Griechenland, die mehr oder weniger
    ungestraft nicht nur MigrantInnen, sondern auch Gewerkschafter und
    andere demokratische Aktivisten jagen und schlagen darf. Unter den Augen
    der Troika-Administration.
    „Wehret den Anfängen!“, hieß es seit den 50er Jahren immer und immer
    wieder.
    Doch schon der erste Bundeskanzler der BRD berief den Mitverfasser und
    Kommentator der Nürnberger Rassegesetze zu seinem engsten Berater. Leute
    wie Globke, Gehlen & Co. bauten die bundesdeutschen Geheimdienste so
    auf, dass nicht zuletzt mit ihrer Hilfe eine NPD so agieren kann, wie
    sie es heute tut. Die braunen Netze konnten unter dem Verfassungsschutz
    bis heute eng geknüpft werden. Dessen Feind steht bis heute links. Und
    dieses Feindbild ist der beste Nährboden für Nazis.
    Auch wenn es wieder solche Anfänge – oder sollte ich besser sagen:
    solche Kontinuität – gibt, auch wenn eine von der Amadeu Antonio
    Stiftung erstellte Liste im Zeitraum von 1990 bis 2011 184 Todesopfer
    anführt, auch wenn sogar wieder ein „Nationalsozialistischer Untergrund“
    eine Blutspur durchs Land ziehen konnte – für die Verhinderung einer
    weiteren faschistishen Katastrophe ist es m.E. nicht zu spät.
    Lasst uns die Lehren aus der Weimarer Republik ziehen.
    Stellen wir unsere sonstigen Widersprüche für diesen Punkt hintan:
    Das braune Pack darf nicht mehr durchkommen!
    No pasaran!

  2. 2 Regionales frisch auf den Teller 13. September 2013 um 15:59 Uhr
  3. 3 Pille 14. September 2013 um 10:01 Uhr

    Das bunte „multikulturelle“ Aschaffenburg (CSU, Freie Wähler), „Colos-Saale Lästereien“ (von Claus Berninger, ist das nicht der Typ der so gerne die netten Jungs von Freiwild bucht?), ein Blac-Bloc-Spiel und herbeihalluzinierte Erfolge gegen die NPD.

    Aburg bleibt scheisze.

  4. 4 anonym 14. September 2013 um 14:58 Uhr

    hm. Ein Teil der „Kritik“ leuchtet mir noch ein. Aber wo der Erfolg herbeihalluziniert ist, ist mir nicht klar.

    Kommt drauf an wo du einen Erfolg ansetzt. War es das Ziel die NPD Kundgebung untergehn zu lassen, so war es ein Erfolg.

    Unter welchen Bedingungen das erfolgreich war, steht noch mal auf einem andern Blatt.

    Aber erfolgreich für das gesteckte Ziel war es in jedem Fall.

  5. 5 Hans Kalb 14. September 2013 um 15:42 Uhr

    Stimmt. Bin auch der Meinung, dass es ein Erfolg war. Und eine Blamage für die Bürgermeister von Miltenberg und Obernburg! Bei aller Kritik, die in Aschaffenburg allemal angebracht ist: Klaus Herzog hat wenigstens eine Vergangenheit, in der er deutlich gegen die Nazis aufgetreten ist. (Siehe dazu auch die entsprechenden Ausführungen in der Ansprache zu 20 Jahre Bündnis gegen rechts: http://mapec.blogsport.de/2013/07/09/erfolgreiche-arbeit-20-jahre-buendnis-gegen-rechts-ab-mil/) Und eine solche Gegenwart. Die Bürgermeister in Miltenberg und Obernburg dagegen wollten nur, was die NPD auch will: Ruhe im Land!

    P.S.: Auch nach der Kommunalwahl 2014 wird sich daran nix ändern! Dreckskäffer!!!

  6. 6 Pille 15. September 2013 um 11:05 Uhr

    Eine NPD Kundgebung mithilfe der CSU untergehen laszen ist ein Erfolg? Für wen? Eine radikale Linke wohl nicht. Da wäre Ausschlafen vermutlich sinnvoller gewesen.

  7. 7 Hans Kalb 15. September 2013 um 16:21 Uhr

    Wie bitte sollte die Antifa in AB alleine 400 Leute auf die Beine bringen, um die NPD untergehen zu lassen? Was träumst Du nachts wenn Du am Tag schon solche Allmachtsphantasien hast?
    Oder wäre es besser, wenn die Nazis nur zusammen mit der Nachrüstungs-Berufsverbote-HartzIV-Atomkraft-Kriegs-Partei SPD und der HartzIV-Kriegs-Partei Die Grünen gestoppt werden könnte? Sicher nicht.
    Und: Es ist doch absolut sinnvoll, wenn die bürgerlichen Gruppen sich um die Faschos kümmern! Das war doch immer die Forderung der radikalen Linke: Sorgt dafür, dass wenigstens die Nazis von euch Bürgerlichen in Schach gehalten werden.
    Ist doch eine zivilisatorische Errungenschaft, deren Fehlen katastrophal wäre. Und gelegentlich auch katastrophal ist.

  8. 8 Pille 17. September 2013 um 18:10 Uhr

    Allmachtsfantasie. Und wozu geht man als Antifa noch da hin wenn doch schon die Rassisten von der CSU die NPD „untergehn lassen“. Wenn man am Ende noch von solchen Krauts wie Claus Berninger und anwesende „Extremismus-Gegnern“ angepisst wird. Eine Kritik an dieser Gesellschaft dringt nicht durch, die Nazis reisen unbeschadet ab (Ha, nein, sie verletzen auch noch (vermeindliche?) Aktivistinnen), aber erst nachdem sie ihre komplette Kundgebung abgehalten haben, SPD backt sich zusammen mit der CSU nen Keks. Ich kann keinen Fortschritt erkennen, keinen Erfolg. Nur blankes Geheuchel und ignorieren des deutschen Normalzustands der erst mit Hellersdorf (gibt noch mehr aktuelle Beispiele zb. Duisburg, München) wieder durch die Medien gegeistert ist. Nicht das es nicht wichtig wäre, was gegen NPD Aktionen zu unternehmen, aber als radikale Linke sollte man fähig sein da doch ein bisschen zu reflektieren. Denke ich.

  9. 9 Mapec 18. September 2013 um 8:18 Uhr

    Hallo Pille, es ist doch einfach nur wichtig, was Du damit willst. Wenn es darum geht, der NPD einen schlechten Tag zu machen und ihre Propaganda ins Leere laufen zu lassen, dann war das ein Erfolgt. Punktum. Zu mehr halte ich persönlich die Linke am Untermain derzeit auch nicht für fähig. So einfach ist das in der Praxis. Die Alternative wäre sektiererische Militanz und danach ein Prozess wegen Sachbeschädigung und/oder Kröperverletzung; oder das einsame Studium von Adornos Schriften und die ewige Ich-weiss-es-besser-Pose, die alleine durch Adorno-Studien nicht einmal berechtigt ist.
    In Miltenberg wären die wenigen Aktiven schon froh gewesen, es hätte bei den beiden NPD-Kundgebungen wenigstens einen Teil der bürgerlichen Kräfte gegeben, die in Aschaffenburg dagegen protestiert haben.

  1. 1 Antifa und Kommunalpolitik « ENDE DER AUSBAUSTRECKE Pingback am 14. September 2013 um 15:55 Uhr

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


− sieben = null