Die polit-esoterischen Weisheiten des Main-Echo

Manchmal sind Schlussfolgerungen des Main-Echo offenbar von dem Interesse an einer bestimmten Interpretation der Dinge geleitet. So schreibt die Zeitung heute auf Seite zwei, dass „die NPD beim Urnengang im Freistaat nicht genügend Stimmen bekam, um Geld aus der staatlichen Wahlkampfkostenerstattung einzustreichen“. Im Bund und in Hessen war dies anders. „Schätzungen zufolge kann die NPD allein aus der Bundeskasse mit einer halben Million Euro an Steuergeld rechnen, mindestens aber 70 Cent pro Zweitstimme: knapp 400 000 Euro.“ Die daraus gezogene Schlussfolgerung scheint aber mit esoterischem Wissen angereichert: „Somit zahlt sich die Provokation, die die NPD im Wahlkampf zum Prinzip erhob, im Wortsinn aus.“ Kein Geld in Bayern, nur 1,3 % im Bund, nur je 1,2 % im Kreis Miltenberg oder in Aschaffenburg, somit hier sogar nochmal ein kleiner Stimmenrückgang – das alles soll eine Wirkung des provokativen Wahlkampfes sein? Kurz danach erfahren wir auch, was so provokativ war: „Doch egal, ob in Würzburg, Aschaffenburg oder Hanau: Zumindest in der Region brüllten jeweils mehrere Hundert Gegendemonstranten die Auftritte des NPD-Vorsitzenden Apfel im September nieder. Auch die kleineren NPD-Kundgebungen in Miltenberg, Obernburg und Alzenau waren begleitet von Protest.“ Also der Protest macht die Provokation erst rund. Und diese Protestler „brüllten“ die NPD „nieder“ – ein Sprachgebrauch, wie er bei der Beschreibung der Taten historischer Nazis gerne verwendet wird. Was sollen wir uns dabei denken?

Allerdings kommt die Zeitung nicht umhin, die Berechtigung des Gegenprotestes zu bestätigen: „»Dass war gut so«, urteilt der Berliner Rechtsextremismus-Experte Hajo Funke gegenüber unserer Zeitung. Der Politologie-Professor sagt: »Die Zivilgesellschaft vor Ort muss den Alltagsterror eindämmen.«“ Recht hat er, der Professor. Die NPD will vor allem eines: als ganz normale Partei wahrgenommen werden, die einfach wie jede andere ungestört ihre Kundgebungen durchziehen kann. Das wäre die Voraussetzung für Seriosität und wirklichen Erfolg außerhalb der knallrechten Prügelszene. Und das sollte der NPD versaut werden, damit wir nicht Zustände bekommen wie in Teilen des Ostens der BRD.

Uns aber bleibt schleierhaft, wie von einem Erfolg der NPD gesprochen werden kann, nachdem sie flächendeckend einen Stimmenrückgang zu verzeichnen hatte; und nachdem sie das offenbar recht große knallrechte Wählerpotential nur zu einem Bruchteil erreichen konnte. Viel erfolgreicher war die Alternative für Deutschland, die auch das erheblich größere Problem darstellt.


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