9. November 2013: 75 Jahre Pogrom von 1938 – Gedenken im Kreis Miltenberg

Zusammenstellung: Redaktion kommunal

Elsenfeld: Veranstaltung mit Klezmusica

„Wo gab es früher Synagogen zwischen Aschaffenburg und Miltenberg? Wo gibt es heute noch jüdische Friedhöfe in unserer Gegend? Antworten auf diese Fragen erhalten Interessierte am Abend des 9. November. An diesem Tag jähren sich die von den Nationalsozialisten im Deutschen Reich veranlassten Judenpogrome zum 75. Mal.
Die Religionslehrer der Realschule Elsenfeld und des Julius-Echter-Gymnasiums, Rosemarie Becker und Bertram Söller laden um 20 Uhr zusammen mit ihren Schülern zu einer Gedenkstunde in die Aula des Schulzentrums ein. Das musikalische Rahmenprogramm gestaltet die Musikgruppe Klezmusica Denn: Juden haben eine große Affinität zu Musik und Tanz, da Musik verbindet und das Gemüt erhellt. Musik erleichtert zudem den unbeschwerten Umgang miteinander und überwindet Grenzen.
Der Abend bietet Zeit, das jüdische Leben damals und heute ein wenig besser kennen zu lernen, Zeit zum Innehalten und Nachdenken, Zeit sich zu erinnern.“ (Main-Echo, 08.11.13)

Klingenberg: Gedenkfeier und jüdisches Totengebet

„In einer Feier haben etwa 60 Bürger am Freitagabend in der Altstadt der Novemberpogrome vor 75 Jahren gedacht. Zu diesem Treffen am Platz der ehemaligen Synagoge, seit rund zehn Jahren jährlich von Mitgliedern der Grünen organisiert, hatte heuer erstmals offiziell die Stadt eingeladen. (…) Bürgermeister Ralf Reichwein beschrieb die damaligen politischen Verhältnisse und die Vorgänge in Klingenberg in den Nächten vom 8. auf 9. und 9. auf 10. November 1938 bis in den folgenden Tag hinein: Organisierte SA-Horden zogen durch die Stadt, setzten die Synagoge in Brand, zerstörten die Thorarolle, verwüsteten Wohnungen jüdischer Bürger und schikanierten diese. Für die Schäden am Gotteshaus musste die jüdische Gemeinde selbst aufkommen und es später für 20 Reichsmark verkaufen.
Stadtrat Willi Stritzinger berichtete über das tragische Schicksal der anerkannten und beliebten Klingenberger Familie Lindheimer/Mischliburski und deren vier Kinder.
Anja Stritzinger las 13 Namen der in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem eingetragenen, umgekommenen Klingenberger Juden vor. Für jeden wurde eine Kerze entzündet und ein Erinnerungsstein auf der Mauer abgelegt. Stadtrat und Geschichtslehrer Harald Fischmann warnte in deutlichen Worten vor dem Treiben der Neonazis, deren Kundgebungen und Liedern, in denen die einstigen Naziverbrecher als Hoffnungsträger glorifiziert werden. Es gelte auch in dieser Stadt, »genau hinzuschauen, die Anfänge von Diskriminierung und Gewalt ernst zu nehmen«.
Die Ereignisse, die sich niemals wiederholen dürfen, müssten eine Mahnung zur Verantwortung in einer an Werten orientierten Gesellschaft sein, in der man mit gegenseitigem Respekt zusammenlebt. (…) Der katholische Pfarrer Reinhold Ball und sein evangelischer Amtskollege Hannes Wagner sprachen den Aaronitischen Segen, den ältesten überlieferten Segensspruch der Bibel (…) Ein starkes und ergreifendes Zeichen der Versöhnung setzte der seit neun Jahren im Stadtteil Trennfurt lebende jüdische Mitbürger Udi Nahary, der sich auf die öffentliche Einladung zur Gedenkfeier hin erstmals gemeldet hatte: Er sprach das jüdische Totengebet in hebräischer Sprache.“ (Main-Echo, 11.11.13)

Miltenberg: Ökumenischer Gottesdienst und Aktion „Die Welt ist bunt. Gott sei Dank!“

„Ein ökumenischer Gottesdienst, in dem der Gräuel der Reichskristallnacht gedacht werden, findet am Samstag, 9. November, um 17 Uhr in der katholischen Stadtpfarrkirche St. Jakobus statt. Wichtig ist dem Veranstalter, der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen, dass nicht nur dem Gedenken Raum gegeben wird, sondern auch der Bitte um Frieden. Eröffnet wird der Bittgottesdienst mit einem fünfminütigen Glocken läuten.
Anschließend wird mit einem Text der Reichskristallnacht gedacht. Psalmen, Gebete und Lieder sollen den Besuchern ein Wegweiser sein, für den Frieden in der Welt einzutreten. Musikalisch umrahmt wird die Veranstaltung von Orgel und Flöte.“ (Bote vom Untermain, 08.11.13)

„Am Sonntag, 10. November, von 16 bis 20 Uhr veranstaltet die Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit Miltenberg und die evangelische Jugend Untermain die Aktion „Die Welt ist bunt. Gott sei Dank!“ Gemeinsam mit der ACK Miltenberg, dem Evangelischen Bildungswerk Untermain und Vertretern der Jugendorganisationen von FDP; Grünen und CSU soll zu Toleranz, Demokratie und Frieden aufgerufen werden. Die kirchlichen Jugendarbeit möchte nicht eine „Gegen“ Veranstaltung gegen irgendetwas veranstalten, sondern für das Umsetzen christlicher Grundwerte im Alltag, das Einüben von Streitkultur, friedvollen Umgang miteinander und Toleranz im Umgang mit Andersdenkenden, -handelnden oder -aussehenden werben. An diesem Nachmittag geht es darum diese Werte in Workshops und Diskussionsrunden einzuüben. Den Abschluss bildet eine Aktion im öffentlichen Raum auf dem Rathausplatz der Stadt Miltenberg. Alle Interessierten ab 15 Jahre können sich an dieser Veranstaltung beteiligen. Kurze Rückmeldung unter info@regiomiltenberg. de erbeten. Es dürfen aber auch alle Interessierten am Sonntag noch spontan dazukommen.“ (www.untermain.de, 28.10.13)