Kunst und Kirche: Frauenfeindlich?

Redaktion kommunal

In der Redaktion kommunal sowie deren Umfeld gibt es Menschen, die sich gerne in Museen herumtreiben. Gerade sie waren es, die die Einrichtung des Kunst-Museums auf der Miltenberger Burg sehr begrüßten. Bei mehreren Unterhaltungen über diesen Ort für (vor allem – aber nicht nur) spirituelle Kunst musste allerdings festgestellt werden, dass der Anteil der dort berücksichtigten Künstlerinnen gegenüber den Künstlern extrem niedrig ist. Geschätzt wurde der Frauenanteil auf weniger als zehn Prozent. Eine genaue Bestimmung ist nicht möglich, da kein Verzeichnis der Werke abrufbar ist. Also mussten sich weitere Nachforschungen auf das in ähnlicher Konzeption gestaltete Museum am Dom in Würzburg – dessen Nebenmuseum das auf der Miltenberger Burg ist – konzentrieren. Hier liegt ein Web-Katalog vor, der von kommunal ausgewertet wurde.

Erstaunlich und unverständlich: Von 128 dort aufgeführten Kunstschaffenden sind 119 Männer und nur 9 Frauen! Nicht berücksichtigt wurden bei dieser Auszählung die 57 Werke, die mit „Anonymus“ bezeichnet sind und aus dem 11. bis 18. Jahrhundert stammen; sie sind mit Sicherheit alle ebenfalls von Männern gemacht worden, Frauen kamen damals in der Kunst so gut wie nicht vor.

Gehen wir von der Zahl der Kunstschaffen weg zur Anzahl der Exponate des Werk-Verzeichnisses, so wird es noch düsterer: Alleine von einem einzigen Mann – Thomas Lange – werden 64 Werke verzeichnet, von allen neun Frauen zusammen gerade mal 18 Exponate! Ohne die Qualität der Werke von Lange in irgendeiner Weise in Frage stellen zu wollen: So viele Stücke nur eines einzigen Kunstschaffenden bringen es zwangsläufig mit sich, dass sehr viele andere interessante Künstler(innen!) nicht berücksichtigt werden können.

Wir fragen uns nun: Warum ist dies so? Kann die katholische Kirche – die Träger des Museums am Dom ist – Frauen nicht einmal in der Kunst einen nennenswerten Raum lassen? Will irgendjemand vermeiden, dass durch zu viel Weiblichkeit der Verdacht der Homosexualität auf die Verantwortlichen des Museums fällt? Zeigt sich hier schlicht Frauenfeindlichkeit? Und warum ist auch im Miltenberg Burg-Museum, wo die Privatsammlung von Domkapitular Lenssen das Herzstück der Ausstellung bildet, der Künstlerinnen-Anteil so sträflich gering?

Um es ganz klar festzuhalten: Wir empfehlen ausdrücklich, diese beiden Museen zu besuchen. Sie zeigen Werke von hoher Qualität und bieten jeweils sehr durchdachten Konzeptionen. Wir stellen aber auch fest, dass beide Museen einen sehr großen blinden Fleck aufweisen: die Kunst von Frauen. Dass aber auch viele Frauen hervorragende (spirituelle) Kunst schaffen, dass sie dies auch in Unterfranken, ja sogar im Kreis Miltenberg tun, das kann doch Dr. Lenssen und den anderen Verantwortlichen nicht entgangen sein! Es bleibt also die Frage: Warum sind so wenige Frauen in den genannten Museen berücksichtigt?


1 Antwort auf “Kunst und Kirche: Frauenfeindlich?”


  1. 1 Neue Links « kommunal – Geschichte, Kultur und Politik Pingback am 15. Januar 2014 um 13:58 Uhr

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