CSD in Aschaffenburg ein voller Erfolg – Geringe Gegenaktion – Fragwürdige Parteibeteiligung

mb

Der erste Christopher Street Day in Aschaffenburg ist nun bereits Geschichte. Und er war erfolgreicher, als die Veranstalter/innen erwartet hatten. Nur eine Gegenaktion wurde bisher bekannt: Vor dem Jugend- und Kulturzentrum (JUKUZ) – in dem die Party nach dem CSD stattfand – sprühten Unbekannte den Schriftzug „Christus Rex“ (Christus König), drei Kreuze und „No Homo“ auf den Asphalt. Es hätte schlimmer kommen können, zeugt aber davon, dass sich auch jetzt noch Widerstand gegen den CSD regt – wenn auch in diesem Fall nur aus vermutlich extremen christlichen Kreisen. Die Katholische Jugend war immerhin am CSD beteiligt!

Auch mit dabei beim ersten CSD in Aschaffenburg: Die Liberalen Schwulen und Lesben (LiSL) der FDP. Ob es generell sinnvoll ist, dass Parteigruppierungen das Recht bekommen, als solche offen bei einem CSD aufzutreten, das sei mal dahingestellt. Aber was ist nun diese LiSL? Auf ihrer Homepage finden wir den Jubelgesang auf eine Diskussion zum Thema „Wirtschaftsfaktor Schwule und Lesben“ mit dem LiSL-Bundesvorsitzenden und früheren FDP-Bundestagsabgeordneten Michael Kauch und anderen. In diesem Beitrag findet sich die Bemerkung, ein positiver Umgang mit Homosexualität sei eine „Notwendigkeit im Fachkräftemangel“ und „die gezielte Ansprache der Lebenssituation von Lesben und Schwulen rechne sich wirtschaftlich“.

Diese Veranstaltung sei übrigens der liberale Beitrag zu den Hirschfeld-Tagen. Der arme Magnus Hirschfeld, der zu so etwas wie dem staatsoffiziellen historischen Vorzeige-Schwulen gemacht wurde (Magnus-Hirschfeld-Bundesstiftung), er würde sich wohl im Grabe umdrehen – wenn er dies noch könnte – ob dieser kapitalistischen Nützlichkeitserwägungen, die bei LiSL pro Schwule und Lesben angeführt werden. Es gibt tausend gute Gründe für die Gleichstellung der Lebens- und Liebesformen; dass der Kapitalismus dadurch besser läuft, das ist einfach ein ekliges Nützlichkeitsdenken und sollte sich als Argument immer verbieten. Denn die Betonung der wirtschaftlichen Verwertbarkeit ist im höchsten Grade technokratisch und inhuman; und: Was wäre, wenn es tatsächlich mal wirtschaftlichen Schaden brächte? Ist dann die ganze bisher erreichte Gleichberechtigung wieder zurück zu nehmen?

Prompt bekam die LiSL im wirtschafts-lobbyistischen und schmieren-journalistischen Anzeigenblatt Prima Sonntag ein Foto mit ihrem Gruppen-Banner, was in dieser Form keiner anderen Gruppe gelang. Die Leute vom Aschaffenburger CSD sollten sich vielleicht mal überlegen, mit wem sie im nächsten Jahr laufen wollen – und mit wem besser nicht.

Immerhin ist eines schon geschafft: Deutschland hat mehr Schwule und Lesben als FDP-Wähler. Das lässt hoffen!


3 Antworten auf “CSD in Aschaffenburg ein voller Erfolg – Geringe Gegenaktion – Fragwürdige Parteibeteiligung”


  1. 1 Victor-Hugo 22. Juni 2014 um 17:13 Uhr

    Die LiSL-FDP-Werbung ist auch in der Epaper-Ausgabe der Prima Sonntag auf Seite 9 gut zu sehen:
    http://epaper.primasonntag.de/Main.php?MagID=5&MagNo=183

  2. 2 Administrator 23. Juni 2014 um 8:47 Uhr

    „Bis zu 1000 Menschen“ seien es beim CSD in Aschaffenburg gewesen, schreibt heute das Main-Echo. Alle Achtung!

  3. 3 rAinBows 08. Januar 2015 um 15:26 Uhr

    Hallo,

    zu diesem Artikel möchten wir kurz Stellung nehmen. Die Teilnahme der FDP war uns nicht bekannt. Diese hatte sich einfach am ROB in Aschaffenburg zu uns gereiht.

    Auf dem Gelände des Jukuz ist es Parteien untersagt, Werbung für sich zu machen. Deshalb gab es auch im vorderen Bereich des Jukuz nur Stände von Gruppierungen wie z.B. Caritas Würzburg, LAMBDA, Wanderjugend Spessartbund etc. Im Innenhof hatten Künstler aus Aschaffenburg die Möglichkeit uns mit Ihrem können zu unterstützen.

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