Archiv für Juli 2014

Die Getöteten des 1. Weltkrieges aus Miltenberg

mb

Heute vor 100 Jahren begann, wie sich erst in den darauffolgenden Monaten feststellen sollte, der erste Weltkrieg mit der Kriegserklärung Österreichs an Serbien. Noch hätte alles abgewendet werden können, was dann kam; aber im mit Österreich verbündeten kaiserlich-imperialistischen Deutschland sah die Generalität die Zeit reif und günstig für einen kurzen militärischen Schlag, der dann zum Weltkrieg wurde. Die SPD stimmte 1914 für die Kriegskredite (und damit für die Kriegsfinanzierung), und so war auch ein politisches Abwenden der Katastrophe nicht mehr möglich.

Wir veröffentlichen aus diesem Anlass die Gefallenenliste der Stadt Miltenberg (also die Liste jener, die für den Ruhm des Herrscherhauses und den Umsatz der Schwerindustrie jämmerlich krepiert sind). Wir veröffentlichen sie nicht etwa, weil wir diese Männer für Helden halten (sie hätten es werden können, wenn sie desertiert wären und sich damit gegen den vorherrschenden Wahnsinn gestellt hätten); nicht, weil wir vermuten, diese Namen (viel weniger als im Zweiten Weltkrieg) würden das Schrecken des Krieges irgendwie genügend ausdrücken; lediglich, weil wir wissen, dass diese Männer nicht absehen konnten, was aus ihnen werden würde und zu was an Grausamkeiten sie selbst fähig sein würden. Selbstverständlich sind sie alle Täter gewesen. Selbstverständlich aber waren sie auch Opfer des deutsch-imperialistischen Größenwahns, der später noch ganz andere Opfer und ganz andere Taten hervorbringen sollte. Täter und Opfer – dies ist die Dialektik des Krieges.

Die Getöteten des 1. Weltkrieges aus Miltenberg und ihre Sterbedaten

(Die militärisch-beamtendeutsche Unart, den Familiennamen selbst bei Verstorbenenlisten zuerst zu nennen und damit den wirklichen Namen genau umzudrehen, wurde bewusst beibehalten.)

AULENBACH
Josef
17.07.1915

AULL
August
12.08.1914

BAUM
Friedrich
09.04.1917
(mehr…)

Ringheim: Eierwürfe auf Asylsuchende

Polizei Unterfranken / primavera24

Im Großostheimer Ortsteil Ringheim haben Unbekannte am späten Dienstagabend aus einem PKW heraus Eier in die Richtung von mehreren Asylbewerbern geworfen (…) Demnach saßen am Dienstagabend gegen 22:30 Uhr fünf pakistanische Asylbewerber auf Stühlen vor einer an der Hasselstraße gelegenen Pension, in der ca. 40 Asylsuchende untergebracht sind. Die Männer berichteten davon, dass ein dunkler, unbeleuchteter Klein-Pkw vorbeifuhr und dabei drei bis vier rohe Eier in ihre Richtung geworfen wurden. Dieses immer noch unbeleuchtete Fahrzeug kam dann etwa zehn Minuten später aus der Gegenrichtung, wobei erneut einige Eier in Richtung der Asylbewerber flogen. Allerdings verfehlten alle Wurfgeschosse Ihre Ziele. Bei den Ermittlungen stellte sich dann heraus, dass weitere 45 Minuten später auch gegen eine Hausfassade in der etwa drei Kilometer entfernten Kantstraße in Großostheim ein rohes Ei geworfen wurde. Auch hier gab es keine Verletzten und auch keinen Sachschaden.
(Textquelle: Polizei, zitiert nach primavera24)
http://primavera24.de/nachrichten/unbekannte-werfen-eier-auf-asylbewerber/82140

Und immer wieder Israel

Redaktion kommunal

Die Lage im Nahen Osten spitzt sich zu und die Welle der antisemitischen Aktionen scheint nicht abzubrechen. Islamisten, angebliche Israel-Kritiker, offene Neonazis und Friedensfreunde organisieren oder beteiligen sich in ganz Deutschland an Demonstrationen und auch Aschaffenburg scheint nicht länger verschont zu bleiben.

„Demonstration gegen Israel“ (also diesmal ganz offen nicht nur gegen eine bestimmte israelische Politik!) postet der User „Ich bin Moslem.Elhamdulillah“; und auch die Facebookseiten „IGMG Ayasofya Cami-i Aschaffenburg“ sowie „Was obama Lan, wir haben Erdogan“ mobilisiert seit dem 13. Juli zu einer lokalen Aktion.

Hinter dem Posting der Seite „IGMG Ayasofya Cami-i Aschaffenburg“ steckt eine Gruppe von „Millî Görüş (häufig auch Milli Görüş geschrieben; deutsch: Nationale Sicht)“ (Quelle: Wikipedia), in deren Reihen der Anmelder der für den 20. Juli geplanten Aktion vermutet wird. Auch wenn Milli Görüş auf den ersten Blick ein Sammelbecken der unterschiedlichsten Personen und Ideologien ist und sich die Führung der IGMG öffentlich von Antisemitismus distanziert, befördern Teile der Bewegung eben jene Weltanschauung. In Deutschland wie der Türkei werden der Organisation demokratiefeindliche Bestrebungen vorgeworfen und auch der deutsche Verfassungsschutz weiß über Milli Görüş zu berichten. Ihr Ziel sei es, „die westliche Ordnung zu überwinden und durch ein islamisches Gemeinwesen zu ersetzen.“

Fußball, Politik und Ekel

mb

Ach, was war das eine Freude! Tolles und vor allem spannendes Endspiel. Für Fußballbegeisterte einfach gut. In meiner kleinen Wohnung im Kreis MIL sitze ich mit meiner Liebsten und genieße das.

Und dann: Der Oberpfaffe des neuen deutschen Reiches, dieser Bundespräsidentendarsteller, jauchzt vor Freude, obwohl kein Mensch eine auch nur irgendwie geartete Ahnung von Fußball bei ihm vermutet hätte. Die Kanzlerin grinst infantil in die Kameras und die Spieler huldigen ihr. Es ist zum Kotzen! Alle Freude weg. Durch die Städte am Untermain fahren hupende schwarz-rot-goldene Kolonnen.

Später wird es noch besser. Beim Empfang zurück in der „Heimat“ (wir dürfen das nun in Kenntnis der Sache als nationalistischen Heimatbegriff ansehen) machen die Spieler folgendes:

Nein, das ist nicht „geschmacklos“ (Tagesspiegel), das ist keine „Schnapsidee“ (Die Welt), das war nicht „respektlos im Siegesrausch“ (taz), das ist leider ganz einfach Rassismus, der andere ob ihrer Zuordnung (Gauchos = iberisch-stämmige und indigene Viehhirte) herabwürdigt. Kein besonders auffälliger Rassismus, nur eben der ekelhafte Rassismus der Mitte. Den es in Aschaffenburg gibt und in Alzenau, in Miltenberg und in Obernburg – und eben auch bei jenen Sportlern, die offenbar viel in den Waden, aber wenig im Kopf haben.

Die Alternative wäre die Unterstützung lokaler Fußballvereine – wenn wir dort nicht genau diesen Rassismus auch vermuten müssten. Es bleiben also nur die linken und alternativen Clubs, die es aber hier nicht gibt, in der Ödnis des Untermains.

Aschaffenburg am Kriegsende 1945

Dokument aus Youtube

Dokument: Sieg der deutschen Nationalmannschaft Fußball Männer – Straßenauflauf in Miltenberg

Dokument, Quelle: Youtube

… und dann noch dieses kuriose Video, in ähnlicher Sache:

Graffiti und Stadtfest – weil sonst nix los ist

mb

Nix los derzeit? Terminhinweise gehen auch keine ein. Da bringe ich halt mal ein Bild von einem netten Graffiti, das beim Miltenberger Stadtfest auf Stellwände (!) gemalt wurde, damit nur ja keine Wand beschmiert wird, wo sich doch angesichts der Örtlichkeit – der Sparkassen-Innenhof – auch anderes Bemalen angeboten hätte.

Und sonst beim Stadtfest? Die Ausstellung der Künstlergruppe FarbMagie war sehr durchwachsen, aber teils wirklich gut. Am Engelplatz gab es Lahmacun und Ayran zu deutscher Blasmusik – also absolut die doppelte Dröhnung, international gestartet und national gelandet – das musst du erstmal aushalten. (Da gibt es verstörende Drogenerlebnisse, die sind deutlich weniger gefährlich.)

Ich habe es überstanden. Allzu oft muss ich das aber nicht haben.

Solidarität mit BLOGSPORT!

blogsport.de

Die Veröffentlichung von Aufnahmen, auf denen der stellvertretende Vorsitzende der islamfeindlichen Partei „Pro NRW“, Kevin Hauer, den rechten Arm emporreckt und mit einem Hitler-Bild posiert, löste eine Anzeige sowie Ermittlungen der Staatsanwaltschaft aus. Nun verklagt der auch als Ratsherr von Gelsenkirchen tätige Hauer einen kleinen, alternativen Blog-Provider [blogsport.de] und fordert von ihm Geld für immaterielle Schäden.
(mehr…)