Inteview mit Snowflakecakebite/rapblokk – dem Blog für Rap in der Region

Interview: Red. kommunal

Hallo!

Hallo kommunal-Redaktion!

Wer bist du und was machst du, wenn du nicht für „Snowflakecakebite“ schreibst oder auf Facebook postest?

Mh, sind wir mal ehrlich, wenn ich nicht gerade für „Snowflakecakebite“ schreibe, dann lebe ich gerne in den Tag hinein und faulenze. Zumindest im Winter. Im Sommer kommt noch in der Sonne sitzen und dort nichts tun dazu, jedoch hat das bald ein Ende. Im September werde ich eine Ausbildung beginnen und dafür nach Stuttgart umziehen, wo ich mir neben der Arbeit neue Inputs erhoffe was Veranstaltungen angeht, die Sampler, die ich zusammenstelle etc.

Dein Blog und deine Facebookseite beschäftigen sich mit Hiphop und Rap. Was genau treibst du da, was ist deine Motivation und wie kommst du auf „Snowflakecakebite“?

Ich habe vor vier Jahren glaube ich angefangen mit dem Bloggen, hier jedoch ohne Konzept oder besonderem Grund. Irgendwann kam der Gedanke, das doch ein bisschen besser aufzuziehen, sprich hübschere Seite, Beiträge, die Sinn ergeben. Da es in der Miltenberger Umgebung bis dato kein wirkliches Medium im Netz gab, das sich mit Hiphop-Musik beschäftigt, wollte ich eben diese Lücke schließen, da ich in meiner Freizeit eben auch gerne Hiphop höre. Außerdem wollte ich schon immer einmal Musik selber machen, jedoch habe ich durch diverse Versuche bemerkt, dass ich das nicht kann und ja, darum fixiere ich mich mehr auf das Schreiben.
Was ich auf meiner Seite so treibe? Bei „Snowflakecakebite“ poste ich hauptsächlich neue Infos, was die Szene hier anbelangt und Interviews sowie Veröffentlichungen neuer CDs, außerdem bringe ich hier meine Samplerreihe „Klassentreffen“ heraus und etc. Auf Facebook poste ich eher neue Videos oder neue Beiträge auf meinem Blog. Auf den Namen „Snowflakecakebite“ kam ich, als ich eben diese Umstellung vom alten Blog auf den neuen machte, es war im Winter, ich hab Kuchen gegessen und so kam’s. Muss sagen, der Name nervt mich mittlerweile hochgradig und im Sommer sind hier auch Veränderungen geplant.

Was bedeutet Hiphop für dich?

Hiphop ist für mich einfach nur ein Zeitvertreib, eben ein liebes Hobby.

Dein musikalischer Schwerpunkt ist regional. Was gibt es denn da? Locations, Künstlerinnen und Künstler etc.?

In Miltenberg ist die Szene doch eher überschaubar. Gibt ein paar, bei denen sicherlich 12Karat die bekanntesten sind. Dann hätten wir da noch den Bellcio, der auch auf „Klassentreffen Vol. 1“ zu hören ist, genauso wie 12Karat. Weiterhin gibt’s da noch Poca, Miltenberg Untergrund, Gary Washington, sowie noch ein paar „unbekanntere“ Hobby-Rapper. An Locations haben wir hier das Beavers in Miltenberg, das Jugendzentrum „13“ in Miltenberg, und was mir hier leider sehr fehlt ist das Big Mama, dann das Jugendzentrum in Erlenbach. Ansonsten geht es in Aschaffenburg mit dem dortigen Jukuz oder ColosSaal weiter. Oder eben Würzburg.

Würdest du das schon als eine Subkultur mit regionaler Szene bezeichnen?

Generell sehe Hiphop nicht mehr als Subkultur an. Ich denke, in den letzten Jahren hat sich sehr viel getan und deutscher Rap ist mehr und mehr im Mainstream angekommen, Kay One im ZDF Fernsehgarten, Cro, Marteria im Radio etc. Das wäre vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Zurück zur Frage. Auf unsere Region bezogen würde ich jedoch sagen, dass Hiphop hier den Status einer Subkultur innehält, da hier leider noch andere Musikrichtungen den Ton angeben, weswegen auch die Szene hier eher klein ausfällt. Die Jugendlichen hier organisieren sich lieber in mäßigguten Coverrockbands oder in Blaskapellen anstatt in Hiphop-Crews.

Wann fängt eine Subkultur an, eine zu sein, und wo hört sie deiner Meinung nach wieder auf?

Nach meiner Auffassung fängt eine musikalische Subkultur zum Beispiel da an, wenn sich im Untergrund, abseits der allgemein vorherrschenden Stilrichtung etwas Neues bildet. So wie das beim Hiphop in den 70iger Jahren war, als sich aus Funk und Soul eben Hiphop herausbildete. Eine Subkultur hört dann auf, wenn sie, wie jetzt beim deutschen Rap, anfängt im Radio zulaufen.

Gibt es eine widerständige Haltung wie im Hardcore oder Punk?

Das Widerständige ist, glaube ich, verloren gegangen mit der Zeit, wenn es überhaupt mal eine richtige widerständige Haltung gab, wie man sie beispielsweise aus den genannten Richtungen kennt. Klar, viele Künstler machen auf Missstände aufmerksam in ihren Texten, rappen über dieses Problem oder jenes. Jedoch das einzige Widerständige, was es gab, was ich kenne, war, wenn man damals zu den Aggro Berlin Zeiten Baggys getragen hat und Musik mit einer erhöhten Anzahl an Schimpfwörtern hörte bei sich zuhause. Zumindest war das bei mir so, jedoch ohne Baggy.

Welche Rolle spielt Politik?

Gute Frage. Viele Rapper wollen ja politisch aktiv sein. Der Staatsfeind Nummer 1 – Bushido – wollte seine eigene Partei gründen und machte ein Praktikum im deutschen Bundestag. Die CDU in München rappte letztens, was sogar gar nicht mal so schlecht war. Jedoch spielt Politik keine große Rolle mehr nach meiner Auffassung. In den 90ern bei Brothers Keepers oder drüben in den Staaten sah das schon ganz anders aus.

Homophobie, Sexismus, Behindertenfeindlichkeit und Nationalismus gehören für einem großen Teil der Rapperinnen und Rapper scheinbar zur Normalität, was sich auch in den Texten widerspiegelt. Nur ein großer Spaß? Gibt es Gegenentwürfe?

Nunja ich denke mal die Wörter die du gerade nennst, behaften das Ganze ein wenig negativ. Es liegt ja in der Natur eines Rappers, dass er prinzipiell der Stärkste ist, sowieso der Geilste und erst recht der, der alle fickt, der in sein Viertel kommt und Faxen macht, also zumindest die Rapper, die in das Profil der Schlagworte von dir passen. Beziehen wir das mal auf Battle Rap wäre es doch langweilig, wenn Rapper A sich darüber lustig macht, wenn Rapper B ein weißes T-Shirt anhat und ihn dann deswegen fertig macht. Das mit dem „Nationalismus“ kommt ja auch nicht von irgendwoher – als das mit dem Rap anfing in den Staaten, gab es Battles zwischen Vierteln oder Crews, die auch mal in einer Schießerei endeten. Als das bei uns Anfing mit dem Hiphop, ist dieses Phänomen zu uns mit herüber geschwappt. Man sollte das eh alles nicht so Ernst nehmen – das ganze Beleidigen, sich selbst feiern, die Fahne für das Viertel hochhalten, das passiert ja alles nur auf sportlicher Ebene. Aber sind wir mal ehrlich, was wäre denn zum Beispiel eine Punkband ohne ihren Bassisten – nichts. Der Bass gehört dazu ,dass es sich rund anhört. So ist das mit dem Beleidigen und dem Dissen beim Rap.
Da fällt mir auch gerade was dazu ein: Als am letzten Sonntag der neue Til-Schweiger-Tatort bei ARD lief, entbrannte bereits wenige Minuten danach die Diskussion über eine im Film vorgekommene Rapline des Rappers Haftbefehl – „Investiere in Schnuff, um mein Flus (Geld) zu vermehren – Und ticke Kokain an die Juden von der Börse“. Kurz darauf wurde der Künstler von der Bild und vom Zentralrat der Juden, wenn ich mich nicht irre, als Antisemit und Nazi beschimpft. Das Statement, was er auf Facebook dazu veröffentlichte, sagt eigentlich alles dazu aus was du mich gerade gefragt hast. Zitat von seiner Künstlerseite: „Ich bin kein Antisemit. Darüber hinaus beurteile ich keinen Menschen aufgrund seiner Religion, Ethnie oder Hautfarbe. Bei uns existiert so was nicht und jeder, der sich die Mühe macht, sich mit mir und meinem Umfeld zu beschäftigen, wird dies erkennen und verstehen. Wir sind Kanaken, Balkans, Kartoffeln, Schwarze, Zigeuner, Ölaugen und Juden. Wir sind Brüder und Schwestern. Wir schätzen und lieben uns. Wir machen und hören Rap Musik. Unsere Umgangssprache ist wie sie ist und macht vor keiner ethnischen Gruppe `halt´. Respekt und Humor ist die Basis meiner multikulturellen Realität in Deutschland. Meine Kunstform ist eine Mischung aus genau dieser Realität und Fiktion. Gebt Euch bitte einen Tick mehr Mühe dies zu verstehen, bevor Ihr mit der Antisemiten Keule um die Ecke kommt. Zu der Textzeile, die aus mir einen Antisemiten machen soll, möchte ich folgendes ergänzen: Als ich noch als Jugendlicher am Frankfurter Banken und Bahnhofsviertel Drogen verkaufte, hatten einige meiner ‚Stammkunden‘ jüdische Wurzeln. Hätte ich Gummibärchen an Eskimos verkauft, wäre die Textzeile anders ausgefallen.“

Dein aktueller Ohrwurm?

Mir schwirrt so einiges im Kopf rum aber in letzter Zeit vor allem „Kindergeld“ von Karate Andi oder von SSIO „Nuttööö“ oder die Büdchen Tape Vinyl von Veedel Kaztro.

Danke für das Interview.

Ich hab zu danken! Und vergesst nicht regelmäßig auf SFCB vorbei zuschauen und addet uns auf Facebook – Link gibt’s auf der Homepage.

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Snowflakecakebite wurde inzwischen ersetzt durch rapblokk.com


1 Antwort auf “Inteview mit Snowflakecakebite/rapblokk – dem Blog für Rap in der Region”


  1. 1 Einige Anmerkungen zum Problem, Hiphop letztendlich gut zu finden « kommunal – Geschichte, Kultur und Politik Pingback am 03. August 2014 um 10:55 Uhr
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