Miltenberg: Das ist ein Skandal!

Redaktion kommunal

Wir werden hier (vor allem in den Kommentaren zu diesem Beitrag) Material sammeln, das sich mit der Situation der alten Synagoge in Miltenberg beschäftigt, die als zweitälteste noch erhaltene in Deutschland und evtl. sogar in Europa angesehen werden muss. Der Skandal besteht darin, dass alle Beteiligten das Gebäude renovieren wollen, dies jedoch an völlig überzogenen Geldforderungen eines Besitzers scheitert.

Das Gedenken an die einstige jüdische Gemeinde Miltenbergs wird an diesem geschichtsträchtigen Ort damit unmöglich gemacht. Zwar nicht absichtlich, aber dennoch rein faktisch wird damit das Geschäft derer betrieben, die möglichst wenig Erinnerung an unsere ermordeten jüdischen Mitmenschen und ihre Kultur wollen.

Darüber hinaus ist dieses Gebäude auch stadtgeschichtlich von größtem Interesse und zudem ein Baudenkmal mit einer Bedeutung, die weit über unsere Region hinausreicht.


11 Antworten auf “Miltenberg: Das ist ein Skandal!”


  1. 1 Erinnerung 09. August 2014 um 20:06 Uhr

    http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region/deutschland-aelteste-synagoge-miltenbergs-verstecktes-baudenkmal-1884690.html

    Deutschlands älteste Synagoge wird nicht zugänglich aus purem – und noch dazu auch unter kapitalistischen Verhältnissen überzogenem – Profitinteresse! Denn keine Illusion: Der Schätzwert ist der Wert für ein fast abbruchreifes Objekt; das müsste noch mit Hunderttausenden an Euro renoviert werden.

  2. 2 Ergänzung 10. August 2014 um 9:10 Uhr

    Die mittelalterliche Synagoge in Miltenberg
    aus: http://www.alemannia-judaica.de/miltenberg_synagoge.htm#Die%20neue%20%28dritte%29%20Synagoge%C2%A0%281904%20-%201938%29

    Die mittelalterliche Synagoge ist noch erhalten. Ihrem Stil nach wurde sie zwischen 1290 und 1300 erbaut. Ihre Ausmaße zeigen, dass die Gemeinde nur klein war. Die Synagoge befindet sich am Nordabhang des Schlossberges auf dem heutigen Areal der Brauerei Kaltloch. Zur Synagoge gehörte auch eine Frauensynagoge, ein Hof, ein Keller, ein Gang, ein Garten und ein Brunnen. Im Haus neben ihr, dem „Kleppershaus“ wohnte der „Schulklopfer“. Um 1400 wurde die Synagoge vermutlich wieder von den jüdischen Familien benutzt. 1461 verlieh der Mainzer Erzbischof Diether von Isenburg das Gebäude dem Priester der Muttergotteskapelle in Miltenberg. Sie wurde damals – wahrscheinlich seit 1429 – anscheinend nicht mehr als jüdisches Gotteshaus benützt.
    Erst am 10. Januar 1755 konnte die in Miltenberg wieder entstandene jüdische Gemeinde die alte Synagoge für 310 Gulden zurückkaufen. Bis 1851 war das Gebäude wieder gottesdienstliches Zentrum der Gemeinde. 1877 wurde das Gebäude von der jüdischen Gemeinde wieder verkauft.

    Standort: Hauptstraße 199/201 (im Hinterhof)

    Hinweis zum rituellen Bad: In den vergangenen Jahren wurde das mittelalterliche Bad in der Löwengasse 1 im Miltenberger Schwarzviertel freigelegt. Das Tauchbecken der Mikwe ist 1,05 m breit und 1,30 m hoch. Nach den Bauakten baute man 1910 in der (neuen) Synagoge (s.u.) eine Mikwe ein. Wann das Haus in der Löwengasse das Bad erhielt, ist noch unklar. Es liegt 12 Stufen tief unter dem 1480 errichteten Fachwerkhaus.

    Beschreibung der mittelalterlichen Synagoge von Richard Krautheimer (1927):

    Die Synagoge in Miltenberg ist die kleinste unter den aus dem Mittelalter erhaltenen; sie misst im Lichten nur 9,20 : 6,20 m, außen 11 : 8 m. Zwei fünfteilige Kreuzrippengewölbe decken den Bau, ihre Scheitelhöhe beträgt etwa 8 m. Zentrale Tendenzen kommen schon in der Verwendung der fünften Rippe zum Ausdruck: die vier Seiten des Baues werden annähernd gleich stark betont; wie an den längeren Seiten die Gurten, senkrecht auf die Wand treffend, die Mitte bezeichnen, so tun es an den kürzeren Seiten etwa diese fünften Rippen. Der Ablauf der Joche, ihre Hintereinanderschaltung kann nicht wirksam werden, die Kraftströme werden nach der Mitte des Raumes zurückgeworfen. Verstärkt wird die Zentraltendenz durch das Verhältnis der Raummaße: das ohnehin geringe Übergewicht der Länge über die Breite wird durch die annähernde Gleichsetzung von Höhe und Länge noch mehr geschwächt: je höher ein Raum im Verhältnis zu den Maßen seines Grundrisses ist, desto mehr scheint er in sich geschlossen und zentriert. Heute ist dies Verhältnis durch das Einziehen eines Zwischenbodens in halber Höhe vernichtet.
    Die Nordmauer des Baues ist fensterlos, an den anderen Seiten sitzen je zwei schmale spitzbogige Fenster mit steilem Gewände und eingelegtem Nasenbogen. Im Osten sitzt noch ein Rundfenster über den beiden spitzbogigen; es betont, gegensätzlich zu der sonst im Raum herrschenden Zentraltendenz, die Richtung nach Osten, auf den Aron. Es ist auffällig, dass man im Süden, wo der Felsen auf annähernd 2 m an den Bau herantritt, Fenster eingebrochen hat, während sie im Norden fehlen. Der Eingang ist im Westen, unterhalb des nördlichen der beiden Fenster; die jetzige Tür ist verändert worden, vielleicht 1603: damals legte man im Westen einen kleinen Raum vor – sein Tür ist 1603 datiert.
    Rippen und Gurte haben das gleiche Profil – ein kräftiger Birnstab, von Kehlen und Wulsten begleitet. Die Schlusssteine zeigen eine sechsblättrige, der rosa mystica ähnliche Rosette. Reste des Aron, der früher in der Mitte der Ostwand unter dem Oculus (= rundes Fenster wie ein Auge) stand, befinden sich jetzt (sc. 1927, mittlerweile im Museum Miltenberg) in der neuen Synagoge. Der spitze Giebel ist mit einer Blende mit Nasen ausgelegt, innerhalb des obersten Bogens sitzt eine Rosette. In ihr liegen sieben fünfblättrige Rosen, in der Kehle der Giebelschenkel dichtgedrängt Weinlaub; auf der Deckfläche dieser Schenkel kriechen Ahornblätter. Dieses Laubwerk wie die Form der Gewölbeglieder weisen den Bau ins letzte Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts“.

  3. 3 Ergänzung 10. August 2014 um 9:13 Uhr

    Die alte Synagoge in Miltenberg stammt aus dem 13. Jahrhundert und ist in dieser Form bundesweit einzigartig. Die Stadt will das ehemalige Gotteshaus wieder öffentlich zugänglich machen – doch ein Eigentümer stellt sich quer.

    Ganzer Beitrag beim Bayerischen Rundfunk:
    http://www.br.de/radio/bayern1/sendungen/mittags-in-franken/miltenberg-synagoge-deutschland-100~_node-a587fcfb-4752-4fcb-ab4c-e157ece0c198_-93d5607360facbfd4b184a0c455840a362f103e2.html

  4. 4 Ergänzung 10. August 2014 um 9:15 Uhr

    In Miltenberg befindet sich eine der ältesten, noch im originalen Mauerwerk erhaltenen Synagogen Deutschlands und Europas.

    Beitrag bei Synagogenprojekt.de:
    http://www.synagogenprojekt.de/index.php?option=com_content&view=article&id=64:miltenberg&catid=50:gemeinden-in-schlaglichtern&Itemid=56

  5. 5 Ergänzung 10. August 2014 um 9:17 Uhr
  6. 6 Ergänzung 10. August 2014 um 9:18 Uhr
  7. 7 Es gibt zwei Synagogen 10. August 2014 um 15:53 Uhr

    Bei der Gelegenheit soll nicht vergessen werden, dass es – neben einer behelfsmäßigen Synagoge in der Riesengasse – auch noch die zweite, die neue Synagoge in Miltenberg gab. Sie befindet sich in der Mainstraße und ist nicht mehr als solche erkennbar. Hier wäre zumindest eine Gedenktafel sinnvoll. Dies sollte als sinnvolle Forderung nicht vergessen werden.

  8. 8 Drafi Deutscher 11. August 2014 um 19:08 Uhr

    Das muss man sich mal reinziehen: Jahrhundertelang wird den Jüdinnen und Juden vorgeworfen, sie seien geldgeil, immer auf Superprofit bedacht und stets extrem geschäftstüchtig. Und jetzt kommt ein Deutscher (quasi ein „Arier“) und macht genau das, was den Juden fälschlich vorgeworfen wird. Damit verhindert er zudem das umfassende Gedenken an die jüdische Gemeinde Miltenbergs. Und: Er hofft auf diesen Superprofit, weil er um die jüngste Geschichte weiß, weil er die einmalige Bedeutung „seiner“ Synagoge kennt, die eben nur möglich ist, weil die Nazis alle anderen Synagogen vernichtet hatten. Ein später Profiteur des „Dritten Reiches“! Zynischer geht es nicht.

  1. 1 Kommentar zum Miltenberger Synagogen-Skandal « kommunal – Geschichte, Kultur und Politik Pingback am 17. August 2014 um 16:46 Uhr
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