Jesiden demonstrieren in Aschaffenburg gegen „Islamischen Staat“

Zitate aus Main-Echo, 15.08.14

Die religiöse Minderheit der Jesiden (…) ist im Nordirak gemeinsam mit Christen Opfer der brutalen Terrororganisation Islamischer Staat (IS) geworden. Die kurdische Glaubensgemeinschaft fordert mit vielen Demonstrationen die internationale Staatengemeinschaft zum Beistand auf. Eine Kundgebung ist am Samstag auch in Aschaffenburg. Von 14 bis 16 Uhr will das Aschaffenburger »Demokratisch-Kurdische Gemeinschaftszentrum« am Schöntal-Eingang der City-Galerie gegen den »Völkermord im Irak« demonstrieren. (…) Von den weltweit schätzungsweise 800 000 Jesiden leben nach Angaben ihres deutschen Zentralrats 60 000 in der Bundesrepublik. Einige von ihnen treffen wir auf Vermittlung des kurdischen Gemeinschaftszentrums vor der Asylbewerber-Sammelunterkunft in Aschaffenburg. »Wir wollen nur Sicherheit und Frieden«, sagt Jan (20), der aus einem Vorort des nordirakischen Mossul kommt; dort leben viele Jesiden. Von diesem Frieden sind die Jesiden derzeit weit entfernt, wenn man dem 32-jährigen Ali zuhört. Er berichtet von Landraub, weiß von Kindern, die von den Islamisten brutal ermordet wurden. Die Gegner verleumdeten die Jesiden als »Verbündete Israels«. Die Männer vor der Aschaffenburger Asylunterkunft berichten auch davon, dass Islamisten jesidische Frauen in großer Zahl vergewaltigten und verkauften. (…)


1 Antwort auf “Jesiden demonstrieren in Aschaffenburg gegen „Islamischen Staat“”


  1. 1 Dokument 18. August 2014 um 9:46 Uhr

    Main-Echo Aschaffenburg von heute:

    »Alle Minderheiten im Nordirak sind gefährdet«

    »Die meisten hier wissen zu wenig über die Lage im Nordirak und unterschätzen deshalb die Gefahr«, glaubt Sarigül Dinc. Am Samstagnachmittag hat die junge Frau gemeinsam mit nach Polizeischätzung gut 50 Mitstreitern auf die Gräueltaten der brutalen Terrororganisation Islamischer Staat (IS) aufmerksam gemacht.

    Sie warben auch um Beistand durch die internationale Staatengemeinschaft. Im Schöntal, am Eingang zur City-Galerie, standen die Frauen und Männer, die auf Initiative des »Demokratisch-Kurdischen Gemeinschaftszentrums« zur Kundgebung gekommen waren.

    Sie trugen Transparente, verteilten Flugblätter und zeigten erschreckende Bilder, auf denen die Brutalität der IS deutlich wird. »Alle Minderheiten, die nicht dem extremen Islamismus angehören, sind gefährdet«, meinte Ali Ercan, einer der Sprecher des Gemeinschaftszentrums. Um Vereinssprecher Hüseyin Varisli scharten sich fünf junge Männer, die in der Aschaffenburger Asylbewerberunterkunft leben.

    Mit ernsten Gesichtern schilderten sie, was sie über die irakischen Medien, aus Telefonaten mit Familienangehörigen und Freunden im Nordirak über die Lage der Jesiden erfahren haben: Zahlreiche Kinder und alte Menschen seien an Schwäche und Hunger gestorben, Hunderte Frauen verschleppt, vergewaltigt, verkauft worden. »Andersdenkende Menschen sind für die Terrorgruppe nur eine Ware«, sagte Varisli. Waffenlieferungen an die Kurden halten er und die meisten Demonstranten nicht für sinnvoll. »Die Menschen brauchen jetzt ärztliche Hilfe, Essen und Wasser.«

    Die Staaten, die die IS unterstützten, sollten verurteilt werden. Das seien zum Beispiel die Türkei, Jordanien und Katar.

    Dass sich an der Kundgebung, die nach anderthalb Stunden von einem Regenschauer jäh beendet wurde, beispielsweise auch katholische Christen aus Obernau sowie Vertreter politischer Parteien beteiligten, freute Varisli. Allerdings hätte die Anteilnahme der vorbeieilenden Passanten größer sein können: Sie nahmen zwar die ausgeteilten Flugblätter mit. Aber das direkte Gespräch habe keiner gesucht, bedauerten die Veranstalter.
    Auch Michael Sellmer, Einsatzleiter der Aschaffenburger Polizei, sprach vom »üblichen Desinteresse«. Absolut problemlos sei die Kundgebung verlaufen, es habe keine Anfeindungen gegeben.

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