Main-Echo: Werbung für die AfD

Ein Kommentar von mmk

Welches Ereignis kann wichtig genug sein, um mit vier Spalten und zwei Portrait-Fotos auf die Titelseite der Main-Echo-Gesamtausgabe zu kommen? Putin erklärt den Krieg? Obama erklärt den Krieg? In Biblis ist ein Atomkraftwerk durchgebrannt? Der Bundesverband der Deutschen Industrie löst sich auf und sieht die Untauglichkeit des Kapitalismus ein? Weit gefehlt. Das so wichtige Thema ist der Umstand, dass sich die nationalliberal-rassistisch-asoziale AfD in Unterfranken sammelt. Ein gedämpfter Lobartikel, der in der Ausgabe vom 11.09.14 zu finden ist, wird in der gleichen Ausgabe auf Seite drei mit einem zweispaltigen Kommentar in Höhe einer halben Seite noch ergänzt. Darin absolut gemäßigte Kritik an der AfD, eine Kritik, die diesen Namen kaum verdient, aber dafür z.B. der lobende Hinweis auf die „erfolgreiche neue Partei“, die „zu einem ernsthaften Konkurrenten für die Etablierten auch im Mainviereck“ geworden sei.

Mit der selbstgewählten Berichterstattungspflicht, mit der sich Zeitungen gerne herausreden, wenn sie unsäglichen Gruppen eine Plattform geben, hat das nicht das geringste zu tun. Da wäre auch ein deutlich kleinerer Beitrag im Innenteil ausreichend gewesen. Nein, wir müssen annehmen, dass weniger die Redaktion als vielmehr der Verlag an einem Aufblühen der AfD nicht uninteressiert ist. Diese nationalliberalen Deutschländer würden schließlich dafür sorgen, dass der Preis der Ware Arbeitskraft weiter sinkt – zum Wohle des Standortes, also dem, was einmal Volksgemeinschaft genannt wurde. Und wenn Redakteure, Drucker, Auslieferer etc. weniger bekommen, dann bleibt halt mehr im Säckel des Verlages. Dafür aber kann schon mal eine Redaktion aufgefordert werden, die neue Kraft am liberal-knallrechten Parteienhimmel zu fördern. AfD heißt ja schließlich Armut für Deutschland, oder?