Kreis Miltenberg: „Eure Krankheit tut uns gut“ – weitere Absenkung der Krankenhausversorgung durch privaten Betreiber

mb

Es ist nicht immer gut, wenn man schlussendlich mal wieder Recht behält. Denn in diesem Fall heißt es, dass wir von kommunal vorhergesehen haben (was aber nicht wirklich schwierig war), dass die Privatisierung der Krankenhäuser im Kreis Miltenberg schon kurzfristig zu Verschlechterungen führen musste und weiter führen wird. Zuerst gingen die Kliniken an den Rhön-Konzern, dann verkaufte dieser an Helios. Zuerst wurden die Beschwerden des Personals und der Patientinnen und Patienten größer, nun wird das Krankenhaus in Miltenberg faktisch dicht gemacht und nur das in Erlenbach bleibt bestehen.

Schon 2011 konnte, wer wollte, in kommunal lesen: „Wir halten fest: Privatisierung bedeutet Ausstieg aus tariflichen Leistungen, also Lohnsenkung, Gewinn an jedem Patienten, Absenkung der Leistungen für die kranken Menschen und enormer zusätzlicher Druck auf das (reduzierte) Personal.
Wir halten weiter fest: Wenn Gewinne an Aktionäre ausgeschüttet werden sollen, dann kann logischerweise nicht mehr jeder Euro bei den Patienten ankommen, das ist schlicht unmöglich. Dann müssen die Beschäftigten unter Druck gesetzt werden, dann wird Personal reduziert, dann wird an Leistungen gespart, dann kann auch schon mal das Essen schlechter werden, dann gibt es – wie oben zu sehen – für manche Patienten eben überhaupt keine Essensaufnahme mehr.
Und wir halten abschließend fest: Wenn die Aktionäre und leitenden Funktionsträger der privaten Kliniken ehrlich sein würden, dann stünde an den Eingängen zu ihren Anstalten der Satz „Eure Krankheit tut uns gut“. Aber eben auch nur den Aktionären und den Spitzenverdienern in den Kliniken. Für alle anderen ist die Privatisierung im Gesundheitswesen eine völlig kranke Angelegenheit. Basisversorgung – und dazu gehört ganz wesentlich auch das Gesundheitswesen – gehört als soziale Infrastruktur in die Hände der Allgemeinheit. Wie aber ein anderes Gesundheitssystem konkret aussehen könnte, das kann hier nicht behandelt werden. Nur so viel: Die Privatisierungen sind immer das sich als Lösung ausgebende Problem.“ (Ganzer Text HIER)

Nun lesen wir im Main-Echo/Bote vom Untermain (22.10.14): „Die grundlegende Veränderung, den Standort Miltenberg in eine geriatrische Rehaklinik mit drei Belegabteilungen umzuwandeln und Erlenbach als einziges Akutkrankenhaus im Kreis zu führen, hatten Jäger [Anm.: das ist der Klinikengeschäftsführer] und der ärztliche Direktor der Klinken, Siegfried Beller, bereits am Donnerstag bekanntgegeben. Dem Kreistag lieferte der Geschäftsführer dazu noch weitere Details, die alle das Krankenhaus Miltenberg treffen und zum Jahreswechsel in Kraft treten sollen:
• Schließung der Notaufnahme (komplette Notfallversorgung künftig in Erlenbach)
• Schließung der Endoskopie
• Schließung der Funktionsdiagnostik
• Schließung der Intensivbetten
• Schließung der Hals-Nasen-Ohren-Belegabteilung (HNO) mit drei Belegbetten
• Kürzung der Belegarztbetten in der Chirurgie um fünf Planbetten
Begleitet wird die Strukturveränderung durch einen Stellenabbau.“
Die Möglichkeiten der Politik, dagegen vorzugehen? Fehlanzeige: „Mit dem Verkauf der beiden Kreiskrankenhäuser im Jahre 2005 an die Rhön Klinikum AG habe der Landkreis seine Handlungsmöglichkeiten aufgegeben, stellte Landrat Jens Marco Scherf (…) klar.“

Privatisierung bedeutet Profitorientierung, bedeutet Kapitalismus. Und „der Kapitalismus, der alte Schlawiner, ist uns lang genug auf der Tasche gelegen“ meinte schon Peter Licht. Recht hat er.


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