Mömlingen: Das Problem heißt scheinbar Extremismus

Zugesandter Gastbeitrag von T. Tessler

Am Abend des 28. Oktober fand die Eröffnung der Ausstellung „Neofaschismus in Deutschland“ im Mömlinger Rathaus statt. Gut 50 Leute folgten der Einladung von „Odenwald gegen Rechts“, was die Veranstalter durchaus zufrieden stellen dürfte. Es gab Redebeiträge von Vertretern des Bündnisses, die ihre Arbeit vorstellten und über die Ausstellung informierten. Ein Musiker-Duett lieferte zwischendurch musikalische Beiträge und Grünen-Landrat Scherf hielt einen kurzen Redebeitrag. Störungen der Veranstaltung seitens Neonazis gab es keine.

Negativ hervorzuheben ist die Rede des Bürgermeisters der seinen Beitrag mit einem Zitat Helmut Kohls eröffnete: „Die allermeisten Deutschen wissen, dass politischer Extremismus immer nur Leid und Unglück über die Menschen gebracht hat.“ Was dann folgte war kein Beitrag zur Ausstellung oder deren Anlass, sondern ein Ritt quer durch die sogenannte Extremismusdoktrin. Es wurde alles verwurstet, was in den Augen des CSU-Politikers extremistisch ist. So wurde ausgiebig aus Verfassungsschutzberichten zitiert, Straftaten von Rechts- wie Linksextremisten genannt, auf die Gefährlichkeit von Kommunisten und Autonomen verwiesen, um dann in einem relativierenden Redeschwall Nationalsozialismus, die Weimarer Republik, Stalinismus, China und DDR in einen Topf zu schmeißen.

Am Ende des Beitrags verwies der Bürgermeister noch auf seine Recherchen, dass es in Mömlingen in den letzten 10 Jahren keine rechtsextremistische Straftat gab. Alles gut also in der heilen Welt der CSU. In der Einladung zur Ausstellung ist zu lesen: „Gerade in Mömlingen wurden in der Vergangenheit neofaschistische Tendenzen eher verschwiegen, anstatt sich diesen in den Weg zu stellen.“ Leider hatte die Eröffnungsveranstaltung hier ihren blinden Fleck und ging auf die konkrete Situation der rechten Problematik in Mömlingen mit fast keinem Wort ein. Dass es keine Wiederworte auf die Rede des Bürgermeisters gab, mag den lokalen und provinziellen Verhältnissen geschuldet sein, in denen man sich Bündnispartner nicht immer aussuchen kann. Aber für eine Informationsveranstaltung gegen RECHTS war der Beitrag des Bürgermeisters, der mit Applaus bedacht wurde, eine einzige Zumutung, die man sich bei zukünftigen Aktionen lieber sparen sollte. Im Kampf gegen Rechts kann die CSU, die im Geiste rechts neben sich keine demokratisch legitimierte Partei will, kein Bündnispartner sein. Der Abend in Mömlingen hat das anschaulich gezeigt.

Nachbemerkung:
Die durchaus sehenswerte Veranstaltung ist noch bis 15. November im Mömlinger Rathaus zu sehen. Mehr Infos hier.


4 Antworten auf “Mömlingen: Das Problem heißt scheinbar Extremismus”


  1. 1 antifa 29. Oktober 2014 um 15:58 Uhr
  2. 2 rf 29. Oktober 2014 um 16:26 Uhr

    Ich war da, konnte aber an der Stelle auch bei größter Würdigung der Bündnislage nicht klatschen. Hatte alle Hände voll zu tun, um das Würgen im Hals zu unterdrücken.
    Eine Ausstellung des VVN-BDA, von der/dem man weiß, in welche Richtung die Weltanschauung der Mitglieder geht, mit einem Zitat des Dicken zu eröffnen, da gehört schon eine Portion Chuzpe dazu. Doch Kommunisten mit den faschistischen Tätern gleich zu setzen, bedeutet für mich bei aller Kritik an der Entartung der Sowjetunion: die Millionen kommunistischen Opfer des Faschismus sind somit aufs Schändlichste herabgewürdigt worden.
    Und: Faschismus kommt eben nicht von den extremen Rändern, sondern aus der Mitte der bürgerlichen Gesellschaft. Das wissen wir von den Historikern. Spätestens seit Heitmeyers GMF-Forschung und den entsprechenden Umfrageergebnissen der Friedrich-Ebert-Stiftung müsste sich die immer wieder neu sprudelnde gesellschaftliche Quelle von Rassismen auch unter Bürgermeistern herum gesprochen haben.

  3. 3 Ernesto 30. Oktober 2014 um 20:59 Uhr

    Hat dem Bürgermeister jemand mal zudem gesteckt, dass sich in seinem Kaff ncoh immer ne gut organisierte Faschoszene incl. Tattoostudio befindet?! Vll. sollte da mal ein offener Brief folgen?

  4. 4 Wie Neofaschisten ticken 31. Oktober 2014 um 9:46 Uhr

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