Eschau: Keine Stolpersteine und auch kein echtes Gedenken

mb / Quelle: Main-Echo, 10.12.14

In allen Ortsteilen Eschaus hatte es jüdische Bewohner gegeben, bis sie Opfer Nazi-Deutschlands wurden. Um an sie zu erinnern, wurde bereits 2011 beantragt, Stolpersteine in Eschau zu verlegen. Diesen Montag entschied der Gemeinderat und schloss sich der Auffassung von Bürgermeister Michael Günther an. Auf die selbst unter jüdischen Repräsentanten umstrittenen Stolpersteine wird nun verzichtet. Es wird stattdessen an der Außenwand des historischen Rathauses eine Kopie der bereits im Innenraum bestehenden Gedenktafel angebracht. Der Text: „Der Markt Eschau widmet diese Gedenktafel seinen durch nationalsozialistische Gewaltherrschaft vertriebenen jüdischen Mitbürgern und ihren verfallenen Kultstätten in den Ortsteilen …“ (dann werden vier Adressen in Eschau, Hobbach und Sommerau aufgezählt).

Die lobenswerte Idee des Gedenkens an gut sichtbarer Stelle wird relativiert durch drei Aussagen: Die „nationalsozialistische Gewaltherrschaft“ impliziert etwas Fremdes, nicht zu Eschau Gehörendes. Es waren aber auch und gerade die Menschen aus der direkten dörflichen Umfeld, die an der Vertreibung und Ermordung mitwirkten. Und da haben wir das zweite Problem: Die Vertreibung kommt zwar vor, die Ermordung (das Ziel des Vertreibung) wird aber schamhaft verschwiegen, der Nazi-Terror also auf die Stufe leider oft vorkommender Gräuel (Vertreibung) herabgesetzt. Drittens sind da die „verfallenen Kultstätten“, die aber in Wahrheit nicht verfallen sind, sondern zerstört oder „arisiert“ (geraubt) wurden.

Eschau bleibt trotz öffentlichen Gedenkens ein Beispiel, wie es nicht gemacht werden darf!


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