Kreis MIL: Protest gegen Fracking und TTIP

Quelle: Main-Echo, 29.01.15 / mb

„Über 150 Besucher füllten am Dienstagabend die Zehntscheune in Kleinwallstadt. Die Themen Fracking und Freihandelsabkommen standen auf der Agenda des Infoabends. Wie sich herauskristallisierte, sehen Redner und Diskussionsteilnehmer Fracking im Zusammenhang mit dem Freihandelsabkommen TTIP, flankiert von CETA, TISA und anderen Vertragswerken zur Liberalisierung des globalen Markts. Sie fürchten einen Ausbau der Vormachtstellung industrieller Großkonzerne, verbunden mit Streben nach Gewinnmaximierung und Vernachlässigung ökologischer Risiken.“ So berichtet heute das Main-Echo. Weiter heißt es: „Der Begriff »Nachhaltigkeit« zig sich als roter Faden durch die Stellungnahmen des Bund-Naturschutz-Wasserexperten Sebastian Schönauer und des Landrats Jens Marco Scherf. Zuvor hatte das Organisationsteam Ferdinand Kern (Obernburg), Hans Schlowak (Laudenbach) und Reinhold Spall (Wörth) einen 20-minütigen Film über Fracking gezeigt. Als Veranstalter traten die Umweltverbände Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz sowie die Parteien Bündnis 90/Die Grünen, Freie Wähler, ÖDP und SPD auf. Kleinwallstadts Bürgermeister Thomas Köhler betonte in seinem Grußwort, die Daseinsvorsorge, vor allem die Trinkwasserversorgung, müsse in kommunaler Verantwortung bleiben dürfe und nicht zum Spielball wirtschaftlicher Interessen werden.“

Der Verdacht: Es geht nicht gegen TTIP etc. allgemein, sondern gegen die damit vermutete „Gewinnmaximierung“ (was sonst macht jeder kapitalistische Betrieb?) sowie den befürchteten „Ausbau der Vormachtstellung industrieller Großkonzerne“ (ist das nicht genau das, was unweigerlich herauskommt, wenn der Kapitalismus seine Blüten treibt – und wären Kleinbetriebe mit ihren noch schlechteren Arbeitsbedingungen wirklich besser?); und bei den öffentlichen Gütern geht es vor allem um das Trinkwasser statt dass wenigstens eine Ausweitung der Commons oder Allmende gefordert wird.

So schön es ist, wenn sich 150 Leute mal gemeinsam im Kreis Miltenberg über „die große Politik“ aufregen: Eine Kritik, die nicht an die Grundlagen des Wahnsinns geht, wird immer verkürzt und damit leider auch zahnlos bleiben müssen.