Miltenberg/Eschau/Erlenbach: Ausstellung zum Landjudentum in Unterfranken

Dokument aus Bote vom Untermain/Main-Echo vom 04.04.15 (gekürzt)

900 Jahre lang waren Juden Teil der Gesellschaft in Unterfranken – so weit reichen die Spuren zurück. Doch durch den Holocaust ist das jüdische Kulturgut, das auch Ortschaften wie Miltenberg, Wörth und Eschau geprägt hat, unwiederbringlich verloren. Eine Ausstellung soll die Erinnerung an das Volk und dessen Leben in der Region wachhalten.

Elf Tafeln und eine Audiostation dokumentieren das Leben der Juden in Unterfranken. Museumsleiter Hermann Neubert hat sie um einige Exponate aus Miltenberg ergänzt: eine Kippa, die traditionelle Kopfbedeckung, einen Torazeiger, Gebetsriemen, Weidenringe für einen Feststrauß und eine Mesusa, eine Kapsel mit Texten aus dem fünften Buch Mose. Auch eine Arbeit aus Miltenberg hat Eingang in die Schau gefunden: Ein paar Seiten geben Einblick in die in die Informationen, die Gabriele und Georg Bassarab aus Mainbullau für die Datenbank »Landjudentum in Unterfranken zusammengetragen haben.

Der Holocaust steht ganz bewusst nicht im Zentrum der Ausstellung. Rotraud Ries, die Leiterin des Johanna-Stahl-Zentrums für jüdische Geschichte und Kultur in Unterfranken, erklärte bei der Eröffnung am Donnerstag, die Projektgruppe habe sich bemüht, die Geschichte gleichmäßig zu zeigen. Der Holocaust sei nicht alles. Besonders verwies Ries auf die Bedeutung der Miltenberger Synagoge in den Gebäuden der Kaltloch-Brauerei. »Es wäre schön, wenn sie eines Tages wieder begehbar wäre«, sagte sie.

Museumsleiter Hermann Neubert betonte: »Wir müssen uns darüber bewusst sein, dass wir verantwortlich sind für den Untergang dieser Kultur. Es schmerzt sehr, was unsere Vorfahren angerichtet haben.« Deswegen sei es wichtig, die Erinnerung zu pflegen und wachzuhalten.

Die Ausstellung »Mitten unter uns. Landjuden in Unterfranken vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert« ist bis Sonntag, 24. Mai, im Stadtmuseum in Miltenberg zu sehen. Anschließend gastiert sie in zwei weiteren Orten des Landkreises. Vom 28. Mai bis 10. Juni ist sie im historischen Rathaus in Eschau zu sehen. Eröffnet wird sie dort am Donnerstag, 28. Mai, um 19 Uhr. Vom 15. bis zum 28. Juni steht die Schau in Erlenbach in der Aula des Hermann-Staudinger-Gymnasiums. Die Eröffnung dort ist am Montag, 15. Juni, um 18 Uhr.
Seit Oktober 2013 ist die Ausstellung durch den Bezirk Unterfranken unterwegs. In dieser Zeit ist sie bereits in 14 Orten gezeigt worden, darunter Hösbach im Landkreis Aschaffenburg und Gemünden im Main-Spessart-Kreis.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.landjudentum-unterfranken.de.


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