Workshop im JUZ Miltenberg: Jüdische Schicksale in der Kreisstadt

Medien-Information der Caritas MIL

Sehr schnell erreichte uns heute diese Medien-Info. Wir danken dem netten Zeitgenossen, der immer daran denkt, auch kommunal solche Infos zu senden, wenn sie für uns interessant sein könnten. Wir machen darauf aufmerksam, dass wir von Initiativen und Gruppen (bitte keine Parteien) gerne Medien-Infos veröffentlichen, wenn diese zu unserem Selbstverständnis passen (regional, antifaschistisch und anti-antisemitisch, emanzipatorisch, sozial etc.).
Redaktion kommunal

Gabriele Bassarab (ganz links) und Georg Bassarab (zweiter von links) mit einem Teil der Beteiligten am Workshop zu jüdischen Schicksalen in Miltenberg

Das Schicksal der Jüdinnen und Juden in Deutschland insbesondere im „3. Reich“ war Inhalt eines Workshops, der am vergangenen Donnerstag im Jugendzentrum ThirTeen in Miltenberg stattfand. Gabriele und Georg Bassarab leiteten die Veranstaltung mit großem Sachwissen und waren erfreut über die sehr rege Beteiligung von interessierten jungen Menschen.

Inge Richter, zuständig für das von der Caritas betriebene Jugendzentrum, begrüßte das Ehepaar Bassarab und bedankte sich für die Bereitschaft, für diese Veranstaltung zur Verfügung zu stehen. Georg Bassarab ging danach auf die Geschichte des Judentums ein. Seit 70 nach Christus, als der Tempel in Jerusalem das zweite Mal zerstört wurde, sind Jüdinnen und Juden aus ihrem ursprünglichen Gebiet in weite Teile der Welt ausgewandert. Schon sehr bald hatten sie unter Benachteiligungen und Pogromen zu leiden. So blieb ihnen im Mittelalter nur der äußerst negativ bewertete Geldverleih als Broterwerb, da ihnen alle anderen Berufe verboten wurden. Dies führte dazu, dass antisemitische Pogrome auch dazu dienten, die Geldverleiher zu ermorden, damit die christlichen Gläubiger das Geliehene nie mehr zurückzahlen mussten.

In Miltenberg beginnt die Geschichte der jüdischen Gemeinde mit der Stadtgründung. Schon vor rund 780 Jahren sind jüdische Bürger nachweisbar. 1429 wurden sie enteignet und vertrieben und konnten erst um 1800 wieder legal eine Gemeinde gründen. Erst 1869 folgte die rechtliche Gleichstellung. Die Gemeinde wuchs auf über 100 Mitglieder an.

Am 31. März 1933, zwei Monate nach der Machtübertragung an Adolf Hitler und die NSDAP, gab es einen ersten Aufruf zum Boykott jüdischer Geschäfte im „Boten vom Untermain“. Im gleichen Jahr wurde Juden zum Beispiel verboten, auf der Michaelismesse zu verkaufen. Vier Jahre später durften sie das Johannes-Butzbach-Gymnasium nicht mehr besuchen. Es kam zu Schikanen wie jener, dass ohne Erlaubnis kein Jude aus Kleinheubach nach Miltenberg gehen durfte. In Aschaffenburg wurden zudem die Habseligkeiten Miltenberger Juden, die eigentlich zur Ausreise nach z.B. den USA bereitgestellt waren, an die „Volksgemeinschaft“ versteigert. Ein gefundenes Fressen für Schnäppchenjäger. Schließlich kam es im September 1942 zur letzten Deportation Miltenberger Jüdinnen und Juden. Die Kreisstadt meldete sich danach „judenrein“. Rund 50 Prozent der Mitglieder der jüdischen Gemeinde Miltenbergs wurden während des Nazi-Regimes ermordet. Lediglich eine der überlebenden Deportierten kam noch einmal kurz nach dem Krieg zurück.

Bei den fundierten und mit zahlreichen Bildern untermauerten Aussagen von Georg Bassarab kam es bereits zu zahlreichen Zwischenfragen, Anmerkungen und lebhaften Diskussionen. Dies setzte sich fort, als Gabriele Bassarab die Datenbank zum Landjudentum in Unterfranken vorstellte und ganz praktisch aufzeigte, wie damit umgegangen werden kann und welche Möglichkeiten eine solche Datensammlung bietet. Unter www.landjudentum-unterfranken.de können Lebensdaten, Bilder und Dokumente aufgerufen werden. Über eine Funktion, die den Stammbaum aufzeigt, werden Familienbeziehungen sichtbar. Das alles erläuterte Gabriele Bassarab eindrucksvoll am Beispiel der Jüdin Mira Marx, in deren Haus im Schwarzviertel die meisten der letzten Jüdinnen und Juden Miltenbergs zwangsweise untergebracht waren. Für die interessierten jungen Leute hatte die Referentin Listen mitgebracht, die insbesondere die Schicksale jüdischer Kinder und Jugendlicher aufzeigten bzw. einen Stadtrundgang zu den einst jüdischen Wohnhäusern ermöglichen.

Auch künftig wollen die engagierten jungen Besucherinnen und Besucher des Jugendzentrums und die Verantwortlichen der Caritas dafür sorgen, dass die Beschäftigung mit der jüdischen Geschichte weiter geht. Die Wanderausstellung zum Landjudentum in Unterfranken, die derzeit im Museum der Stadt Miltenberg zu sehen ist, bietet dazu eine weitere Möglichkeit, die die jungen Leute nicht ungenutzt lassen wollen.