Bürgerversammlung mit Nazibeteiligung in Aschaffenburg

Dokumente aus: Indymedia linksunten
Ergänzungen und Stellungnahmen sind ausdrücklich erwünscht.

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Aschaffenburg: Schlappe für die NPD bei Bürgerversammlung
Verfasst von: no nazis. Verfasst am: 03.09.2015

Anlässlich der Einrichtung einer Notunterkunft für Geflüchtete, in der Erbighalle im Aschaffenburger Stadtteil Schweinheim, fand am 02.09. eine Bürgerinformationsveranstaltung statt. Kurzfristig sollen dort bis zu 200 Geflüchtete untergebracht werden.

Mehrere hundert Menschen nahmen an der Versammlung in der Schweinheimer TV-Halle teil. Unter ihnen mindestens sechs Nazis der NPD und deren Umfeld. Es waren zum Teil die selben Köpfe die am 06.07. bereits durch die Störung einer Infoveranstaltung in Goldbach (bei AB) in Erscheinung traten. Anwesend war auch wieder der lokale NPD Kreisvorsitzende Falko S., der in Goldbach vor laufender Kamera auf einen NPD-Gegner einschlug. Infos dazu hier: https://linksunten.indymedia.org/de/node/147667

Nachdem bekannt wurde das sich auch in Schweinheim wieder Nazis unter die Besucher gemischt hatten, wurde kurzfristig in verschiedenen Aschaffenburger Spektren zur Halle mobilisiert. So fanden sich ca. 80 NPD Gegner_innen spontan vor der Halle ein um die Nazis nach Ende der Veranstaltung gebührend zu empfangen und deutlichen zu machen, dass erneute Übergriffe nicht einfach hingenommen werden.

Relativ schnell erschienen auch mehrere Streifenwagen und einige Cops riegelten mit einer Kette den Eingang zur überfüllten Halle ab. Es war nur noch einzelnen Personen gestattet diese zu betreten.

Nachdem die Veranstaltung beendet war, zogen die Cops einen kleinen Korridor, durch den die Besucher den Heimweg antreten konnten. Als sich die Halle recht zügig geleert hatte, war von den NDPlern nichts mehr zu sehen. Doch die Polizeikette blieb und so wurde schnell klar, dass sich die Nazis weiterhin in der Halle befanden und im sichtgeschützten Bereich des Eingangs darauf warteten, bis die anwesenden Antifaschist_innen abzogen. Von Seiten der Polizei gab es keinerlei Beanstandungen die Nazis der Halle zu verweisen oder unter Begleitschutz deren Abreise zu sichern.

Nachdem sich herumsprach, dass es die Nazis weiterhin vorzogen unter Polizeischutz in einer abgedunkelten Ecke auszuharren, entschied man sich nach einer guten Stunde den Ort des Geschehens geschlossen zu verlassen. Zum Abschied gab es noch die verbale Ansage Richtung Nazis, dass sie unerwünscht sind und wir, wenn nötig, wieder auf der Matte stehen werden.

War es der NPD bei der Infoveranstaltung in Goldbach noch möglich eine Veranstaltung zu stören, Gegner*innen anzugreifen und unbeschadet den Ort zu verlassen, wurde gestern deutlich das sie mit Gegenwind rechnen müssen.

Nazis sollten sich lieber zweimal überlegen, ob sie auch weiterhin an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen wollen um diese für ihre rechte und rassistische Hetze zu nutzen. Denn falls sie wieder auftauchen sollten, werden sich nach dem gestrigen Mobilisierungserfolg sicher erneut viele Gegner*innen zusammenfinden und spontan reagieren.

Das sich die Atmosphäre bei der Bürgerversammlung, wider Erwarten, als äußerst „flüchtlingsfreundlich“ beschreiben lässt und es statt kritischer Stimmen fast nur Fragen zu vorhandenen Hilfsmöglichkeiten gab, ist obendrein eine positive Situation die uns optimistisch stimmt. Sorgen wir dafür dass das so bleibt!

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/152051

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[AB] Bürgerversammlung mit Nazibeteiligung in Schweinheim
Verfasst von: Antifaschist_innen aus AB. Verfasst am: 03.09.2015

Gestern luden die Stadtoberen im aschaffenburger Stadtteil Schweinheim zu einer Informationsveranstaltung in der Halle des TV Schweinheim, um die Bürger_innen über eine geplante Notunterkunft für über 200 Geflüchtete zu informieren. Die Redner (alle männlich), Oberbürgermeister Herzog, Bullenpräsident Bozem und Stadtteilbürgermeister Herzing, informierten Interressent_innen über das Vorhaben: Die Erbighalle soll vorrübergehend als Notunterkunft genutzt werden, bis von der Stadt zwei ehemalige Kasernen für Geflüchtete bereitgestellt werden. Soviel vorne weg: Die Reaktionen der Bürger_innen vielen zum größten Teil positiv aus.

Leider ließen es sich auch einige Nazis nicht, nehmen der Veranstaltung beizuwohnen. Verifiziert ist die Teilnahme von Nazischläger und NPD Funktionär Falko Schüßler, sowie NPD Wahlkampfhelfer und kahlgründer Hinterwäldler Phillip „Rusty“ Rust (Wohnhaft in Westerngrund, Landkreis Aschaffenburg). Schüßler, seit jahrzehnten Szenegänger und Aktivist verschiedenster Nazi-Organisationen, ist schon bei ähnlichen Veranstaltungen durch sein gewalttätiges Verhalten auffällig geworden. Zum Glück kam es diesmal nicht zu Übergriffen, wie in Goldbach im Landkreis Aschaffenburg. Dort hatten Schüßler und seine Entourage eine Veranstaltung von Claudia Roth gestört und Schüßler verletzte eine Person mit einem gezielten Faustschlag ins Gesicht, als sie und andere die Nazis aus der Halle drängen wollten. Dies und die Tatsache das sich die Faschos den ganzen Abend zurück hielten, wurde mit Sicherheit auch durch die Präsenz von zahlreichen AntifaschistInnen, AntirassistInnen und NazigegnerInnen verhindert. So warteten vor der Halle circa 60 Menschen um den Nazischweinen eine unbequeme Abreise zu bescheren und ihr Erscheinen nicht unkommentiert zu lassen. Als die Veranstaltung beendet war schirmte die Polizei, darunter die Staatsschutzbullen Reis und Höfer samt Anhang, und Security-Kräfte den Eingangsbereich ab, bis nur noch die Nazis in dem Gebäude verblieben. Vermutlich sollten diese Sicherheitskräfte ein Aufeinandertreffen der Nazis mit der Gruppen die vor der Halle wartete verhindern, jedoch fand diese nicht statt, da die Faschos in der Halle sich offensichtlich weigerten die Halle zu verlassen. Die Nazis riefen stattdessen nach mehr Polizeikräften, da sie Aufgrund der Menschen vor der Halle wohl um ihre sichere Abreise fürchteten. Da sich laut Informationen noch andere Nasen in der Stadt aufhielten verließen die AntifaschistInnen unter Parolen wie „Nazis raus!“, oder „Wir kriegen euch Alle!“ den Ort, um diese zu konfrontieren. Nachdem eine Gruppe Antifas drei Nazis aus der Würzburger Straße vertrieb wurde noch eine Zeit Präsenz in der Innenstadt gezeigt.

Fazit: Sehr positiv zu bewerten ist, dass sich kurzfristig so viele Menschen sammelten, um den Nazis entgegen zu treten, sowie die spontane Koordination vor Ort. Genauso positiv ist zu bewerten, dass sich die Gruppe sehr heterogen zusammen setzte und nicht nur Menschen aus der „Antifa Szene“ anwesend waren. Dadurch konnten weitere Nazi-Aktivitäten im Umfeld und nach der Veranstaltung verhindert werden.

Negativ zu betrachten ist allerdings die Entsolidarisierung einzelner Personen, die die Präsenz vor der Halle bereits als Erfolg verbuchten, obwohl sicherlich noch mehr möglich gewesen wäre. Um die weitere Vorgehensweise zu beraten wurde ein Plenum einberufen, jedoch wurde dieses durch lautes und dominantes Auftreten der oben genannten Menschen torperdiert und eine Entscheidungsfindung verhindert. Dies führte dazu, dass sich kleinere Gruppen von der Halle entfernten bevor überhaupt alle Meinungen gehört und ausdiskutiert wurden. Der verbliebene Großteil der Gruppe entschied sich jedoch, den Abend hier noch nicht zu beenden.

Zwar haben wir durch unsere Anwesenheit den Nazis den Abend vermiest, selbstkritisch müssen wir allerdings betrachten, dass es durch fehlende Präsenz unsererseits in Goldbach zum genannten Übergriff kommen konnte. Dies zeigt, dass es in Aschaffenburg und Umgebung aktive und gewaltbereite Nazistrukturen gibt, auch wenn diese nur sporadisch und anlassbezogen in Erscheinung treten.

Es müssen handlungsfähige Strukturen gestärkt, vernetzt und ausgebaut werden, um weiterhin, auch abseits von Spontanität, Handlungsfähigkeit zu entwickeln.

Alerta Antifascista!

Die subjektive Einschätzung einiger Beteiligten.

Quelle: https://linksunten.indymedia.org/de/node/152053


1 Antwort auf “Bürgerversammlung mit Nazibeteiligung in Aschaffenburg”


  1. 1 Leserbrief 04. September 2015 um 15:11 Uhr

    Ja, die Informationsveranstaltung zur Notunterbringung von Geflüchteten in der Schweinheimer Turnhalle verlief sehr positiv. Das Bündnis gegen Rechts Aschaffenburg-Miltenberg begrüßt die Art und Weise, wie Bevölkerung und Verwaltung auf die neue Situation reagieren.
    Nach den Vorträgen gab es aus dem Publikum überraschend wenige Fragen.
    Eine Frage bewegt das Bündnis gegen Rechts nun aber doch noch:
    Wie kann es sein, dass der seit Jahrzehnten aktive Nazi-Kader und NPD-Kreisvorsitzende mit fünf bis sechs Kumpanen seiner Schlägertruppe in teils nicht zu übersehendem Szeneoutfit von den ausreichend vorhandenen Ordnungskräften Einlass erhielt? Wäre sein gewalttätiger Auftritt in Goldbach, bekannt durch Presse, Internet und Fernsehen, nicht Grund genug für die Anwendung des Hausrechts gewesen? Wie kann es sein, dass weder die Türsperren des Sicherheitsdienstes noch uniformierte Ordnungsbeamte von der Anwesenheit des Nazihäuptlings wussten, angeblich noch nicht einmal sein Gesicht kannten? Was soll ein Ordnungsdienst, der nicht entsprechend gebrieft wird und nicht weiß,auf wen er achten muss? Allein der polizeiliche Einsatzleiter versicherte uns vor Ort, genau Bescheid zu wissen! Wäre ein Informations-Einsatz beim Security-Service vorher nicht sicherer gewesen als das Risko einzugehen, mit einem Einsatz inmitten von 500 Menschen eine Schlägerei auflösen zu müssen? Oder sind Veranstaltungs- und Einsatzleitung dieses Risiko bewusst eingegangen?
    Das Bündnis gegen Rechts heißt die erwarteten Neuankömmlinge in Schweinheim herzlich willkommen und hofft, dass ihr Schutz in der Notunterkunft weniger risikofreudig verläuft.

    für das Bündnis gegen Rechts
    Aschaffenburg-Miltenberg
    RF

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