Prima Sonntag: Papier für die Tonne

Manfred M. Krug

Schon mehrfach musste sich kommunal mit dem Ekelblatt Prima Sonntag (PS) beschäftigen. Und noch öfter hätten wir es tun können; Gründe bietet diese Mischung aus gespielter Naivität, vorgeblichen Skandalen und Sensationen, sexistischen Anspielungen, versteckten politisch knallrechten Aussagen und purem Unfug in jeder Ausgabe. Wir meinen: Wer BILD noch an Rotzfrechheit und Sensationsschinderei überbieten will, der geht in die Provinz und nennt sich z.B. Prima Sonntag. Das ist in diesem Land völlig legal. Selbst dann, wenn das Blatt bis zu 90 Prozent nur aus Werbeanzeigen und entsprechenden Beilagen besteht. Dabei gilt: Ein Prospekt eines Discounters, der Prima Sonntag beiliegt, hat mehr Informationsgehalt als die ganze redaktionelle Arbeit.

In der gestrigen Nummer zeigte das in Aschaffenburg verbrochene Blatt mal wieder, zu was es fähig ist. „Bettel-Banden belagern unsere Region“ titelt das Blatt. „Belagern“ – klar, einige Arme aus Rumänien, Bulgarien oder anderen Hungerleiderregionen der EU „belagern“ unsere Städte wie einst die Wehrmacht Stalingrad. Eine fast schon kriminelle Wortwahl, die PS da betreibt.

Zugegeben: Es ist störend, wenn man immer wieder mit der Armut konfrontiert wird, die es direkt bei uns und um Deutschland herum gibt. Das nervt, das dient nicht dem Wohlbefinden. Wo wir doch so schön der Meinung sind, durch das deutsche, die EU beherrschende Wesen würde nun die ganze EU Friede, Freude und Eierkuchen – in jedem Fall aber Glück und Seligkeit finden. Und dann kommen diese Bettelpersonen daher und sagen uns: Stimmt nicht, wir sind so arm, dass wir es für sinnvoll halten, bei euch den Deppen zu spielen, so arm und perspektivlos, dass wir uns erniedrigen, von euch Almosen zu erbetteln, damit ihr beim Geben ein gutes Gewissen haben könnt und nichts ändern müsst an den miserablen europäischen Strukturen.

Für PS ist das kein soziales Problem, sondern immer und ausschließlich ein polizeiliches. Und das ist kein Zufall. Hier werden nicht nur Vorurteile in der Leserschaft bedient, hier wird Politik gemacht. Polizei und Sicherheit, Bettler und Ausländer … welche Parteien sollen hier unterstützt werden, so kurz vor der Bundestagswahl?

Gleichzeitig bedient PS aber immer auch die Bedürfnisse der notgeilen Leserschaft, der verklemmten Provinzmachos oder anderer sexistischer Knalltüten. Mit „Diana steht auf dicke Dinger“ wird, da die sexy bekleide Frau vor einem großen Kraftfahrzeug steht, vordergründig eine ganz harmlose Aussage getroffen, die allerdings einen ganz offensichtlichen und für den dümmsten der notgeilen Leser erkennbaren sexistischen Hintergrund enthält. Verklemmte Flacherotik für Minderbemittelte.

Was dürfen wir bis zur Bundestagswahl noch erwarten? „Ausländer schlagen deutschen Schäferhund“? „Polizei machtlos: Kaugummidiebe aus Rumänien auch am Untermain“? „Sozialschmarotzer kassieren ab: Arbeitsloser kauft sich Herrenparfüm“? Oder was? Und dazu die immens wichtigen Meldungen: „Tatjana liebt es sieben Mal am Tag (zu putzen)“, „Clara steht auf dicke Eier (zu Ostern)“ oder „Elvira mag es derb und heftig (zu singen)“?

Prima Sonntag ist ein Gräuel. Für die Umwelt (Vernichtung von lebendem Holz zugunsten von schädlichst bedrucktem Papier), für die Intelligenz und für die Mitmenschlichkeit.


0 Antworten auf “Prima Sonntag: Papier für die Tonne”


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


× eins = acht