Inhalt und Form – zum neuen Brunnen in Miltenberg

Max A. Franke (Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des Autors und der Initiative 12M26)

Man stelle sich mal vor: Die Bewohnerinnen und Bewohner einer Stadt werden von den umliegenden Ortschaften verhöhnt. Wie zum Beispiel die Miltenberger als „Staffelbrunser“. Weil, wie die historisch bestreitbare Behauptung es will, die Bürgerinnen und Bürger der Kreisstadt weit überdurchschnittlich oft von den Stufen (= Staffeln) vor den Häusern – oder auch an diese, wie eine andere Lesart behauptet – uriniert haben sollen. Nun würde in jeder einigermaßen als intelligent gelten wollenden Stadt so etwas mit dem Blick der Verachtung gestraft werden. Man würde sich ganz einfach nicht zu diesem Dünnpfiff der Nachbarn äußern. Nicht so in Miltenberg am Main. Hier ist der gemeine Mann und die ebenso gemeine Frau sogar stolz auf diesen urinösen Namen, der ihnen einst zum Zwecke des höhnischen Spotts verliehen worden war. Nicht nur das: Sie nehmen echtes Geld in die Hand und lassen sich ein Staffelbrunser-Denkmal setzen: Drei Jungs, die in hohem Bogen urinieren. Das Ganze als Brunnen in Bronze gegossen.

Was wir vorfinden ist mehr oder weniger verstecktes obszönes Darstellen (Sigmund Freud lässt grüßen), ein in Bronze gegossener Herrenwitz von den drei Pissbuben. Altbacken zudem, denn die Ausführung ist gestriges Bronzehandwerk, das schon in den fünfziger Jahren nicht mehr auf der Höhe der Zeit gewesen wäre. Dem Künstler kann nur zugute gehalten werden, dass er von seiner Arbeit leben muss und daher das geliefert hat, was gewünscht wurde.

Genau so etwas, das scheint auch die Absicht der den Brunnen stiftenden Werbegemeinschaft gewesen zu sein, bleibt bei den Touristen in Erinnerung. Mit obszön-kindischer Freude fotografieren sie sich vor den Staffelbrunsern die Finger wund. So ist besagter Brunnen schon heute das meist fotografierte Motiv der Kleinstadt. Und so bleibt, wenn die Touristenmassen sich wieder Richtung Heimat bewegen, eines unvergessen: Pissbuben. Dass es hier eine schöne Landschaft, alte Gassen, historische Häuser, ein hervorragendes Kunstmuseum, ein beachtliches historisches Museum gibt … vergessen. Nur: Die Pissbuben, die bleiben. Miltenberg wird zur Kleinstadt der Pisser. Eine Provinzposse.

Da sollten die Verantwortlichen wenigsten konsequent sein und statt Wasser echten Urin durch die Rohre des Denkmalbrunnens laufen lassen! Die Bürgerinnen und Bürger würden sicherlich gerne ihre Urinspenden für den Staffelbrunser-Brunnen im Rathaus abgeben.

Die Frage aber, ob das Kunst ist, dieser Brunnen mit den drei Pissnelken: ja, selbstverständlich. Was soll es denn sonst sein? Nur eben keine gute Kunst.


2 Antworten auf “Inhalt und Form – zum neuen Brunnen in Miltenberg”


  1. 1 gaähn 17. September 2017 um 18:37 Uhr

    . oh . und schon wieder ist ein sack reis umgefallen.

  2. 2 mmk 18. September 2017 um 8:00 Uhr

    Sorry. Wir bringen künftig selbstverständlich nur noch eine Nachricht, wenn der IS in Aschaffenburg das Schloss wegsprengt. Alles andere ist ja auch wirklich zu „gähn“.

    Was aber wirklich „gähn“ ist, das sind die im Internet so üblichen „schon wieder ein Sack Reis umgefallen“-Nörgeleien.

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