Erst ausbeuten, dann feuern

Jessica Reisner / Junge Welt

Im H & M-Lager Großostheim bei Aschaffenburg arbeiten 344 Beschäftigte im Zweischichtsystem. Doch das Management hat am 29. August angekündigt, die Arbeit am Standort zum 30. Juni nächsten Jahres einzustellen. Es dürfte sich vorgeblich um eine Vergeltungsmaßnahme und die Entsorgung einer gut organisierten Belegschaft sowie ihres konfliktbereiten Betriebsrats handeln.
Dieser hatte im Januar in einer Einigungsstelle eine neue Betriebsvereinbarung verhindert, die unter anderem vorsah, Dienstpläne noch flexibler zu gestalten. Der bisherige Planungszeitraum von 14 Tagen sollte weiter verkürzt werden. Die Belegschaft sollte an Samstag zu noch mehr Arbeit auf Abruf verpflichtet werden.
Der Betriebsrat wehrte sich gegen diese weitere Verschlechterung der Arbeitsverhältnisse. Die Beschäftigten des Lagers litten ohnehin schon unter den enormen Anforderungen und der Arbeitsverdichtung. Die Kommissionierer, meist Frauen, die die Bestellungen einzelner H & M Stores zusammenstellen, mussten jeden Tag dicke Stapel von Listen abzuarbeiten. Um das Pensum zu schaffen und unangenehme Einzelgespräche mit Vorgesetzten zu vermeiden, hatten sie sogar auf Pausen und Toilettengänge verzichtet. 150 Beschäftigte des Lagers Großostheim sind über 50 Jahre alt.
Die Auftragslage änderte sich, als die Belegschaft sich zwischen Mai und August an Streiks im Rahmen der Entgelttarifrunde Einzelhandel beteiligte. Das H & M-Management unter Deutschlandchef Thorsten Mindermann verlegte die Abwicklung vieler Aufträge in H & M-Lager in Hamburg und Österreich, damit der Betriebsablauf während des Streiks nicht gestört wurde. In der Folge belieferte das Lager in Großostheim nur noch 60 umsatzschwache Stores in Ostdeutschland und Osteuropa. Vor dem Streik waren es 140 Filialen gewesen.
Im polnischen Grodzisk Mazowiecki war Anfang des Jahres Spatenstich für ein neues H & M-Lager, das bereits im Herbst 2017 fertig werden soll. (…)
Am 13. Oktober ruft die »Aktion Arbeitsunrecht« zu Protesten gegen miese Jobs und Behinderung der Gewerkschaftsarbeit bei H & M auf. (…)
Die »Aktion Arbeitsunrecht« ruft an jedem »Schwarzen Freitag« zu einem Widerstandstag der arbeitenden Bevölkerung gegen Horrorjobs und Union Buster auf. H & M setzte sich in einer Onlineabstimmung gegen das Deutsche Rote Kreuz und den Mercedes-Zulieferer Rotec durch. Am 13. Oktober findet der Schwarze Freitag zum fünften Mal statt.

Den ganzen Beitrag gibt es hier bei der Jungen Welt.


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