Zur Geschichte der Zeitschrift ASYL AM UNTERMAIN – 1987 bis 2002

Der nachstehende Beitrag erschien zuerst im Caritas-Jahrbuch 2000, danach unverändert als Beilage zu ASYL AM UNTERMAIN Nr. 23, März 2000. Vom Autor wurde er überarbeitet, ergänzt und für kommunal.tk zur Verfügung gestellt.

Das Heft Asyl am bayerischen Untermain war ursprünglich der Versuch, für den vom Caritasverband Aschaffenburg betreuten Raum eine Informationsmöglichkeit für alles zu schaffen, was mit dem Thema Asyl zu tun hat. Im Juli 1987 erschien die erste Ausgabe dieses mit „Mitteilungsblatt für Asylbewerber und interessierte Mitmenschen“ untertitelten Heftes, das bis 2002 mit 27 Ausgaben (und einem Infoblatt als Auflösungserklärung) sowie einigen Sondernummern herauskam.
In diesem Beitrag soll versucht werden, diesen in seiner spezifischen Form vermutlich einmaligen Versuch einer zielgerichteten Information für Flüchtlinge, Ehrenamtliche in der Asylarbeit und interessierte Mitbürger/innen in seinem Werdegang zu beschreiben. Auch die Verbreitung und Wirkung, soweit feststellbar, soll einer Würdigung unterzogen werden.

Entstehung

Am Anfang stand der Wunsch des damaligen Flüchtlingsberaters beim Caritasverband in Aschaffenburg, Ehrenamtliche für die Arbeit im Flüchtlingsbereich zu gewinnen bzw. die Vereinzelung der vorhandenen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer zu überwinden. Dazu stand kein geeignetes Medium zur Verfügung, und so entschloss sich der Sozialpädagoge Peter Winkler (heute Jugendamtsleiter in Miltenberg), einen Informationsdienst ins Leben zu rufen. Mit acht Seiten im Format DIN A 5 und einer Auflage von 200 Exemplaren ging Asyl am bayerischen Untermain an den Start. Wenn Peter Winkler später zurückblickte, so konnte er feststellen, dass sich seine Erwartungen für mehrere Jahre weitgehend erfüllt hatten.

Erweiterungen und Probleme

Schon ab der vierten Ausgabe im September 1989 verbesserte sich die anfänglich sehr spärliche Aufmachung des Informationsdienstes, der Umfang stieg auf 20 Seiten, der Titel wurde wegen der besseren Lesbarkeit in Asyl am Untermain verkürzt und der Miltenberger Caritasverband trat als Mitherausgeber auf den Plan.
Bereits mit Nummer fünf trennte man sich vom eher für Schülerzeitungen üblichen A5-Format und publizierte fortan im Format A4, das einem Informationsdienst eher angemessen ist. Die Auflage stieg beständig an und umfasste zum Schluss 1.150 Exemplare bei durchschnittlich 24 Seiten Umfang. Mehrfach wurde zudem das Layout geändert und den jeweils neuesten Möglichkeiten angepasst.
1991 hielt erstmals der Satz am PC Einzug, 1996 kam der Sozialdienst der damaligen Aufnahmeinrichtung für Asylbewerber in Aschaffenburg und 1997 die Flüchtlingsberatung des Diakonischen Werkes in Wertheim als Mitherausgeber dazu. Der anfängliche Informationsdienst entwickelte sich dabei immer mehr zu einer kleinen regionalen Fachzeitschrift für Themen rund um Flucht, Asyl, Ausländerpolitik, Rechtsextremismus und Rassismus. Das Blatt wurde dann auch nicht mehr im Eigendruck fabriziert, sondern in einer Druckerei fertiggestellt, wobei im Format A3 gedruckt und auf A4 gefaltet wurde. Die Kosten konnten dadurch gering gehalten werden, dass der Druck nur schwarz auf weißem bzw. bei Titel und Beilage auf farbigem Papier erfolgte.
Mehrfach wechselte die redaktionelle Verantwortung, die stets bei einer Person lag, die von anderen festen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Beiträgen versorgt wurde.
Welche Probleme mit der redaktionellen Arbeit an dem meist jeweils im Frühjahr und im Herbst erscheinenden Periodikum verbunden waren, schilderte der Autor dieser Zeilen in Nummer 14 (November 1995): „Veränderungen beim Caritasverband in Miltenberg führten zu einer arbeitsmäßigen Belastung, die für die Redaktions- und Lay-Out-Arbeiten an diesem Informationsdienst keine Zeit mehr lassen.“ Ein Mitarbeiter des Sozialdienstes der Aufnahmeeinrichtung in Aschaffenburg sprang ein und ermöglichte somit das Weiterbestehen von Asyl am Untermain. Dadurch gab es danach nie mehr die Situation von 1988/89, als arbeitsbedingt mehr als eineinhalb Jahre keine Ausgabe erschien. Dennoch war stets das Problem der Macher/innen von Asyl am Untermain, dass das Heft „nebenbei“ geschrieben, gestaltet und verbreitet werden musste, da die vielfältigen sonstigen Aufgaben der Beteiligten selbstverständlich weiterliefen.

Themen

Von Anfang an stand die Lebenssituation der Flüchtlinge in Deutschland als eines der ganz wichtigen Themen im Zentrum der Berichterstattung. Ebenfalls ab der ersten Nummer wurde versucht, auch in anderen als der deutschen Sprache Beiträge für Flüchtlinge zu bringen. Neben Englisch und Französisch waren dies bis heute Albanisch, Bosnisch und Kroatisch; Notizen gab es zudem in Farsi-Persisch und Arabisch.
Auch Flüchtlinge selbst wurden zunehmend Autoren bei Asyl am Untermain und machten – neben der Situation in Deutschland – meist die im Herkunftsland zum Thema. Wie am Anfang geplant, kamen auch immer wieder Ehrenamtliche und Gruppen zu Wort, die sich mit Menschenrechten und Flüchtlings-Solidarität beschäftigen.
Wert wurde stets darauf gelegt, auch insbesondere die Situation vor Ort zu beleuchten, schließlich betont der Titel des Heftes die regionale Bindung: am Untermain. Daher war gerade die Arbeit der herausgebenden Flüchtingsberatungsstellen immer wieder Gegenstand der Berichte; ebenso die Schicksale von Flüchtlingen, die in der Region bayerischer Untermain und dem angrenzenden badischen Gebiet leben, oder regionale Aktivitäten von Neo-Nazis.
Klar war allerdings von vornherein, dass die konkrete Situation vor Ort niemals ohne Berücksichtigung der überregionalen und internationalen Bedingungen und Veränderungen in Politik, Gesetzgebung, Rechtsprechung etc. gesehen und verstanden werden konnte. Die Rubrik Länderberichte mit Informationen aus der Heimat der Flüchtlinge wurde daher ebenso zur Dauereinrichtung wie Beiträge zu Fragen des Asylrechts, der Abschiebehaft und des Ausländerrechts oder zur Eine-Welt-Thematik. Ein dreiteiliger Beitrag widmete sich dem Internet und den darin aufzufindenden Informationen für den Bereich Flüchtlingsarbeit/Asyl.
Gedichte, Karikaturen, Buch- oder Videobesprechungen rundeten den Nachrichten- und Berichtsteil stets ab.
Zu besonderen Themen erschienen in kleiner Auflage auch Sondernummern, so zur Öffentlichkeitsarbeit für soziale und Flüchtlings-Initiativen, zur Information über rechte Umtriebe („Intoleranz, Rassismus und mehr – Rechtsextremismus am bayerischen Untermain“, Chronik für 1999) oder zum Bleiberecht für bosnische Flüchtlinge. Damit wurde jeweils ein bestimmtes, meist besonders informiertes Publikum angesprochen. (Siehe dazu auch Punkt 5 im Anhang zu diesem Beitrag.)

Verbreitung

Neben den bereits angesprochenen Ehrenamtlichen ergaben sich ab der ersten Nummer zwei weitere Zielgruppen: die Flüchtlinge selbst und interessierte Mitmenschen, die möglichst als Multiplikatoren die Einsichten der Caritas (und später auch der Diakonie) im Flüchtlingsbereich verbreiten helfen sollten. Ziel war hierbei, das öffentliche Klima gegenüber dem Klientenkreis der Asylsuchenden zu verbessern.
Bestimmt durch diese Zielgruppendefinition ergaben sich von Anfang an zwei Verbreitungswege: die direkte Zusendung (anfänglich nur an Ehrenamtliche und ausgewählte Pfarreien) und die Auslage (zuerst lediglich in den Flüchtlingsunterkünften und in kirchlichen Einrichtungen). Im Laufe der Zeit wurden beide Verbreitungswege verbessert und ausgeweitet. Direkte Zusendung geschah gezielt an Personen, die im Zusammenhang mit der Flüchtlingsberatung für wichtig erachtet wurden (Mitarbeiter von anderen Beratungsstellen, von Ausländerämtern oder Ausländervereinen etc.) oder besonderes Interesse bekundet hatten. Die Auslagestellen wurden ganz erheblich erweitert. Neben katholischen und evangelischen Gemeinden und Einrichtungen gehörten auch Cafe´s und Gaststätten, Beratungsstellen, Ämter, Geschäfte, Schulen und Jugendtreffs zu den Örtlichkeiten, an denen Asyl am Untermain mitgenommen werden konnte. Größere Stückzahlen gingen auch an regionale Organisationen wie amnesty international oder die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die diese intern weitergaben. Schließlich wurden bei Veranstaltungen – z.B. an Schulen – auch immer wieder Exemplare des Informationsdienstes an das interessierte Publikum verteilt.
Der finanzielle Aufwand für den Druck hielt sich mit wenigen hundert D-Mark pro Ausgabe und Herausgeber in vertretbaren Grenzen.

Reaktionen und Wirkung

„Die Erwartungen wurden großteils erfüllt.“ So formulierte es Peter Winkler in einem Interview über die Gründung und die ersten Ausgaben von Asyl am Untermain. Der Kontakt unter den Ehrenamtlichen und zwischen dem Caritasverband und diesen Helferinnen und Helfern konnte durch den Informationsdienst verbessert werden.
In Nummer 14 wurde stolz und selbstbewusst vermerkt, dass „Asyl am Untermain zwischenzeitlich ein inhaltliches Niveau erreicht hat, das zu hervorragendem Lob durch die Bundesarbeitsgemeinschaft PRO ASYL und viele Aktive in der Flüchtlingssolidarität führte. So wird unser Info-Dienst nicht nur am bayerischen Untermain gelesen. Exemplare gingen und gehen auch nach Darmstadt, Gießen, Göttingen, München, Berlin …“
Auch danach waren die Reaktionen ganz überwiegend positiv. Sie kamen von Aktiven in der Flüchtlings- und Ausländer-Solidarität, von den Flüchtlingen selbst, von Politikern oder ganz einfach von Menschen, die ein Heft in die Hand bekommen und gelesen hatten.
Die wenigen negativen Reaktionen erreichten Asyl am Untermain aus drei sehr unterschiedlichen Ecken: Zum einen sahen sich Behörden durch einzelne Mitteilungen ab und an ungerechtfertigt ins schlechte Licht gerückt; doch die herausgebenden Verbände standen stets zu ihrem Informationsdienst, dem auch niemals sachliche Ungenauigkeiten vorgeworfen werden konnten, und wiesen diese Anfeindungen zurück. Besonders zu erwähnen ist hier der leider bereits verstorbene ehemalige Geschäftsführer der Aschaffenburger Caritas, Edgar Dirschedl, der sich mehrfach demonstrativ hinter seinen Flüchtlingsberater Peter Winkler stellte und so seine Dienstgeberpflicht umfassend und selbstverständlich erfüllte.
Anzumerken ist aber, dass von Seiten der Behörden in späterer Zeit kaum noch Angriffe kamen, obwohl kritische Bemerkungen zu behördlichen oder politischen Entscheidungen auch dann leider noch notwendig waren.
Die zweite Gruppe, die sich mit Kritik an den Informationsdienst gewandt hatte, waren die Aschaffenburger Autonomen, konkret die Gruppe Dammbruch, die zeitweise ein Flüchtlings-Cafe´ betrieb, wodurch es zwangsläufig Berührungspunkte zwischen ihnen und Asyl am Untermain gab. Nach einer Berichterstattung über einen Hungerstreik 1995 in der damaligen Erstaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende in Aschaffenburg reagierte Dammbruch mit einem wütenden Leserbrief über die angeblich unzutreffende Berichterstattung von Asyl am Untermain. In einer Klarstellung wurden die Behauptungen des Leserbriefs zurückgewiesen. Nachdem danach keine Flüchtlings-Solidaritätsarbeit von Seiten der Autonomen mehr zu verzeichnen war, blieb es bei dieser einmaligen Auseinandersetzung.
Anders war dies bei der dritten Gruppe von Kritikern des Informationsdienstes. Hier handelt es sich um rassistisch oder rechtsextrem eingestellte Personen, die sich schon sehr früh zu Wort meldeten. So drohten Einzelne bereits nach den ersten Ausgaben von Asyl am Untermain, sie würden der Caritas wegen deren Engagement für die Flüchtlinge nichts mehr spenden.
In einige Heften, die in Kirchenräumen auslagen, wurden rassistische Pamphlete eingeklebt.
Die Reaktionen der rechten Ecke gipfelte in einem mehrseitigen Leserbrief einer Funktionärin der selbsternannten „Republikaner“. Sie hatte nach eigenem Bekunden zwar nur eine Ausgabe des Informationsdienstes gelesen, von dieser aber auf alle Nummern geschlossen und die Kritik daran zu einem Rundumschlag gegen die katholische Kirche genutzt. Schließlich verstieg sie sich sogar zu der Behauptung, die Kirche würde zu wenig gegen Schwangerschaftsabbrüche unternehmen! (Zu den Reaktionen findet sich ein Anhang am Ende dieses Beitrages.)
Negative Reaktionen aus diesem politischen Spektrum waren für die Autorinnen und Autoren von Asyl am Untermain stets eine Bestätigung für die Richtigkeit der eigenen Arbeit. Solidarität mit Flüchtlingen bringt nun einmal – nicht nur als Nebeneffekt, sondern als Zwangsläufigkeit – Ausländerfeinde in Rage. Daran war nichts zu ändern; auch als Reaktion hierauf wurde allerdings die Beschäftigung mit dem Thema Rechtsextremismus, das bereits seit der vierten Ausgabe immer wieder behandelt worden war, intensiviert. So gab es mehrfach eine jeweils vierseitige Beilage, in der Behauptungen wie die von der angeblich so hohe Ausländerkriminalität oder Vorurteile über den Islam etc. zum Thema gemacht wurden.
Die Reaktionen auf Asyl am Untermain – negative wie auch viele positive – trafen Aussagen über die Wirkung dieses Informationsdienstes. Zwar waren deren Qualität und Quantität nicht bestimmbar, eine kurze thematische Zusammenfassung scheint dennoch möglich. Asyl am Untermain erreichte demnach
- eine Verbesserung der Vernetzung von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen in der Asylarbeit,
- eine Bestätigung der Wichtigkeit von Flüchtlingssolidarität bei den Ehrenamtlichen,
- eine inhaltliche Vertiefung asylrelevanter Themen bei Interessierten und Multiplikatoren (Lehrer/innen etc.),
- eine Aufklärung über Themen bzw. Argumente, die in der Tagespresse oder anderen Medien sonst weitestgehend untergehen,
- eine Förderung der Eigeninitiative bei Flüchtlingen (Schreiben von Artikeln),
- eine Unterstützung der Informationswirkung bei Veranstaltungen, da die Besucher etwas schwarz auf weiß mit nach Hause nehmen können,
- ein Zeigen von Präsenz der Flüchtlingsberatungen und der dahinter stehenden Verbände durch Auslage in bestimmten Einrichtungen,
- eine Dokumentation der Arbeit im Flüchtlingsbereich gegenüber den anderen Diensten der herausgebenden Verbände, aber auch gegenüber Behörden, anderen Wohlfahrtsorganisationen, der Politik etc.

Das Ende

Trotz nicht unerheblicher Verbesserungen blieben dennoch einige Probleme bestehen, die letztendlich das Weiterführen von Asyl am Untermian nicht mehr als sinnvoll erschienen ließ.
Eine Steigerung der journalistischen Qualität gerade bei Artikel von Flüchtlingen und damit die Steigerung der Lesbarkeit und der Wirkung konnte nicht erreicht werden. Der Flüchtlingsbonus (kein Beitrag von Asylbewerbern wird abgelehnt) hatte sich als nicht sinnvoll erwiesen, da z.B. eine übertrieben blumige Sprache bei deutschen Lesern eher auf Ablehnung stieß. Eine bessere redaktionelle Bearbeitung und Rücksprache mit den schreibenden Flüchtlingen und deren stärkere Einbindung in die Arbeit bei Asyl am Untermain wäre sehr sinnvoll gewesen, konnte aber nicht geleistet werden.
In diesem Zusammenhang wäre es auch hilfreich gewesen, auf grundsätzliche Fragen einzugehen. So reizten z.B. die Begriffe Heimat und Nation, sie einer tieferen inhaltlichen Auseinandersetzung zu unterziehen. Denn diese Begrifflichkeiten wurden von vielen Flüchtlingen immer wieder angeführt, sind aber gerade in Deutschland historisch extrem überfrachtet, ein Diskussionsbedarf war also offensichtlich.
Eine Erhöhung der Attraktivität des Heftes durch mehr gestalterische Mittel wie Fotos, Karikaturen, aber auch Gedichte und Prosatexte, Interviews mit engagierten Künstlern sowie vor allem ein Farbdruck zumindest des Titelblattes konnte aus zeitlichen und finanziellen Gründen nicht angegangen werden. Es gab daher immer mehr Rückläufer, das heißt: nicht verteilte Exemplare. Asyl am Untermain war offensichtlich mit den geänderten Lesegewohnheiten nicht mehr kompatibel; eine Szene, die einfache Gestaltung für ausreichend hält, wenn nur der Inhalt stimmt, war immer weniger gegeben.
Ideen von Social Sponsoring wurden daher gehegt, konnten aber keine Früchte mehr tragen. Im Jahr 2002 erschien die letzte Ausgabe.
In einem Infoblatt, das an allen Auslagestellen verteilt und den Interessierten zugesandt wurde, hieß es im Oktober 2002: „Im Juli 1987 erschien die erste Ausgabe des Informationsdienstes ASYL AM UNTERMAIN. Im März 2002 konnten wir die 27. Ausgabe vorlegen. Schon seit vielen Jahren erscheint regelmäßig im Frühjahr und Herbst je eine Ausgabe, zum Schluss mit dem Umfang von 24 Seiten A4 und einer Auflage von 1.150 Exemplaren. Für einen regionalen Informationsdienst mit einem doch sehr eingeschränkten Themenbereich ist dies eine beachtliche Auflagenhöhe und ein erstaunlicher Umfang. Und das alles wird neben unserer sonstigen Arbeit geleistet. So weit das Eigenlob, das an dieser Stelle nicht nur erlaubt, sondern vollkommen angebracht ist.
Doch die Zeiten ändern sich, bringen neue Herausforderungen, neue Lesegewohnheiten, neue Ansprüche an die Gestaltung von Printmedien, neue Technologien. Dies war uns von Anfang an bewusst; daher wurde die Aufmachung unseres Informationsdienstes stets verbessert, die Themenpalette erweitert, der Umfang ausgebaut und die Auflage erhöht.
Doch nun sehen sich die Redaktionsmitglieder an einem Punkt angelangt, an dem grundlegende Überlegungen nötig sind. Wie sind mit einem vertretbaren Aufwand die Druckqualität und das Erscheinungsbild zu verbessern? Wie können die Verbreitungswege optimaler gestaltet werden, um unsere Zielgruppe wirklich zu erreichen? Und vor allem: Können wir aktueller werden?
Um dies alles zu klären, hat sich die Redaktion eine schöpferische Pause von mindestens einem Jahr verordnet.“ Aus dieser Pause ist die Redaktion nicht mehr zurückgekehrt. Die Ergebnisse der Diskussion waren nicht danach.
Von Anfang 2002 bis Ende Mai 2003 erschienen Informationen, die sonst in Asyl am Untermain untergekommen wären, noch im Internet unter www.caritas-mil.de. Dann wurde das Projekt völlig eingestellt.

Fazit

Einen Stein der Weisen für eine optimale Öffentlichkeitsarbeit im Bereich der Asylberatung gibt es nicht. Neben Vorträgen, Arbeit mit regionalen und überregionalen Medien, Info-Ständen, Plakatausstellungen etc. bietet sich aber mit einer eigenen kleinen Zeitschrift wie Asyl am Untermain die Möglichkeit einer gezielten und selbstgestalteten Publikationstätigkeit. Ohne dass damit andere Formen der Präsentation von asylrelevanten Themen ersetzt werden können, ist ein derartiges Periodikum – wie wir oben gesehen haben – geeignet, verschiedenste Ziele zu erreichen, die über die eigentliche Öffentlichkeitsarbeit bereits hinausgehen. Dabei liegt ein nicht zu unterschätzender Vorteil in der Selbstgestaltung, das heißt: Keine Medienvertreter bearbeiten die Beiträge nach Kriterien der Verwertbarkeit auf dem Medienmarkt. Wichtige Inhalte können ungefiltert verbreitet werden.
Zu untersuchen wäre zudem, ob das Modell Asyl am Untermain auch für andere Bereiche sozialer Arbeit tauglich ist. Vorstellbar wäre dies z.B. für regionale Suchtberatungen im Bereich Prävention bzw. Präsentation der Beratungsangebote oder für Ausländerberatungen bzw. Migrationsdienste. Gegebenenfalls wäre auch eine gemeinsame Publikation verschiedener Beratungsdienste und sozial engagierter Gruppen möglich, z.B. einer Obdachlosenberatung in Zusammenarbeit mit Schuldner- und Allgemeiner Sozialberatung sowie einer Erwerbsloseninitiative. Sinnvoll wird auch in solchen Fällen immer die Zusammenarbeit von regional benachbarten gleichartigen bzw. ähnlichen Einrichtungen und Gruppen sein. So verteilt sich die Arbeit besser und die Finanzierung ist leichter zu sichern.
Asyl am Untermain hat in den Augen der Macher/innen und Leser/innen stetig an Qualität gewonnen, konnte die Auflage steigern und vermehrt Beachtung finden – und das Herstellen dieses Informationsdienstes hat schließlich auch immer Spaß gemacht und somit zur Aufwertung der Arbeit der daran beteiligten Hauptamtlichen beigetragen. Letztendlich scheiterten die Macherinnen und Macher an zeitlichen Problemen und an den massiv geänderten Konsumgewohnheiten, das heißt: Eine Professionalisierung in Richtung der Lesegewohnheiten des 21. Jahrhunderts war nicht machbar. Die durchgehende ohne Farbdruck gestaltete Publikation konnte nicht mehr umfangreich verteilt werden, war nur noch für (zu) wenige Interessierte von Bedeutung. Dafür aber wollte man die ganze Zeit und Energie nicht aufwenden.

Mapec
Oktober 2010

Anhang

Einige Reaktionen auf Asyl am Untermain

1
„… dem Stürmer wohl zur Ehre gereichen …“

Mit Datum 12.03.99 ging beim Diözesan-Caritasverband in Würzburg ein Brief der Parteifunktionärin Monika Ewert ein, die mit Briefkopf des Kreisverbandes Aschaffenburg der rechtsextremen Republikaner einige Beschwerden los werden wollte. Da sie sich vor allem auf Asyl am Untermain bezieht, sehen wir dieses Schreiben als Leserbrief an und drucken es auszugsweise ab; den ganzen vierseitigen Brief möchten wir allerdings der Leserschaft ersparen.
Da dieser Brief nicht unkommentiert bleiben kann, werden wir unsere redaktionellen Anmerkungen jeweils in kursiver Schrift anfügen. Wir bitten um Verständnis für diese journalistisch nicht übliche Methode. Aber Asyl am Untermain erscheint nur zweimal im Jahr; eine Reaktion in der nächsten Ausgabe wäre sicherlich unaktuell.
Red.

Monika Ewert, Die Republikaner, Kreisverband Aschaffenburg: Blättert man im „Informationsdienst der Flüchtlingsberatungsstelle – Asyl am Untermain“, erlebt man eine Volksverhetzung nie gekannten Ausmaßes. Und dies bei angeblich „christlichen“ Organisationen. Der Jargon dieses „Pamphlets“ würde dem seinerzeitigen Stürmer der NSDAP (obwohl ich diesen nur vom Hörensagen kenne) wohl zur Ehre gereichen! Zwar liegt mit nur die Ausgabe Nr. 18 vom September 1997 vor, doch ist anzunehmen, daß dieser Stil gängige Methode ist.

Redaktion: Frau Ewert vergleicht also eine Zeitung, von der ihr nur eine Ausgabe vorliegt, mit einem Blatt, das sie „nur vom Hörensagen“ kennt. Dies ist eine kaum steigerbare Lächerlichkeit, die nur noch durch die Unverschämtheit überboten wird, eine demokratische und christliche Publikation in die Nähe eines üblen Nazi-Hetzblattes zu bringen. Hier wird bereits die rechtsextreme Perfidie sichtbar, die von der eigenen Nähe zu Nazi-Positionen ablenken will, indem diese anderen angedichtet wird.

Ewert: Wenn Christen vor dem weiteren Zuzug von Fremden – vor allem mit anderer Konfession (speziell dem Islam) – warnen, stimmen auch Kirchenvertreter in das allgemeine Sprachrohr ein und beschimpfen sie als „Nazis“ usw. Die Kirchen beteiligen sich an der Hetzjagd gegen Christen, säen Hass und Unfrieden.

Redaktion: Sehen wir einmal ab von der mangelnden Beherrschung der deutschen Sprache, die wir beständig bei den Superdeutschen finden (z.B. kann man zwar in einen Chor einstimmen, niemals aber in ein Sprachrohr); stellen wir hier lieber fest, dass wiederum eine Umkehrung der Tatsachen stattfindet. Die Kirchenvertreter, die gegen den Hass auftreten, sollen die Verkünder des Hasses sein. Republikanische Parteilogik muss mit dem, was wir gesunden Menschenverstand nennen, nichts zu tun haben, wie wir hier sehen!

Ewert: Als der Schöpfer auf dieser Erde Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Rasse und Kultur in unterschiedlichen Regionen und Kontinenten schuf, hat er sich wohl sicher etwas dabei gedacht! Jedenfalls sollte man das als Christ eigentlich glauben. Wenn die Kirchen heute eine Vermischung dieser Völker befürworten, ist dies ein Eingriff in die Schöpfung auf sträflichste Weise. Schon aus diesem Aspekt heraus sind die Forderungen der Kirchen zum weiteren Zuzug von Millionen Menschen in dieses dicht besiedelte Land höchst unchristlich!
Bedeutet die Völkervermischung, wie sie uns allenthalben durch die Schaffung einer sog. „multikulturellen Gesellschaft“ auf deutschen Boden eingeredet wird, nicht ein Vergehen gegen die Schöpfung, dem sich eigentlich gerade die christliche Kirche entgegensetzen süßte?

Redaktion: Diese rechtsextreme Vulgärtheologie ist nicht besonders originell und wird auch durch gebetsmühlenhafte Wiederholung nicht haltbarer. In den christlichen Kirchen kennen wir kein Gebot „Du sollst nicht Völker vermischen“ oder ähnlichen Unsinn. Frau Ewert, Sie scheinen eine völlig andere Bibelfassung zu besitzen als wir.
Ansonsten haben wir in diesem Informationsdienst in mehreren Beiträgen festgestellt:
1. Gerade die Deutschen sind eine Population, die unzählige Male „vermischt“ wurde, was uns nicht geschadet, sondern genutzt hat.
2. Die Unterschiede zwischen sogenannten „Rassen“ sind geringer als die genetischen Differenzen innerhalb einer sogenannten „Rasse“.
Und überhaupt: Vor Gott sind alle Menschen definitiv gleich.
Kirchenvertreter verlangen auch nicht den Zuzug von Millionen Menschen. Sie verlangen lediglich, was uns der Anstand gebietet: Verfolgte aufzunehmen!
Die restlichen Ausführungen des Briefes von Frau Ewert können wir uns hier sparen; hingewiesen sei nur noch darauf, dass sie in einem thematischen Rundumschlag gegen die Kirche sogar behauptet, diese würde nicht gegen Abtreibungen protestieren! Irgendwie sollen die Kirchen dann auch noch daran schuld sein, dass Kinder misshandelt werden und Frauen ihre schlagenden Männer verlassen müssen.
Ein tolldreistes Sammelsurium an Unterstellungen!
Wir betonen allerdings, dass uns auch dieser Leserbrief – wie alle Lesermeldungen – sehr wichtig war, zeigt er uns doch, daß wir richtig liegen mit dem, was wir tun. Denn den REPs nach dem Munde zu reden, – das ist das Letzte, was die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Asyl am Untermain wollten.
Die Redaktion

aus: Asyl am Untermain Nr. 22, Oktober 1999

2
„Sintis, Bimbos, Bullshit“

Leserbrief können wir das eigentlich nicht nennen, was da am 29. Februar 2000 im Postfach der Miltenberger Caritas lag. Vielmehr ist diese Postkarte der Beweis, dass der durchschnittliche Rassist auch mit rund 80 Worten kein einziges Argument bringen mag, dafür Unterstellungen und vor allem hasserfüllte Beleidigungen.
Als Dokument von entlarvender Art soll diese Postkarte hier komplett abgedruckt werden. Da wir den angeblichen Verfasser „R. Müller“ aus Aschaffenburg (es dürfte sich um einen willkürlich gewählten Tarnnamen handeln) nicht erreichen können, müssen wir ihm (oder ihr) auf diesem Weg antworten (was wir mit den kursiv gesetzten Anmerkungen auch tun).
Die Redaktion

Betreff: Asyl am Untermain Extra
Kriech den Kanaken in den H… dann wirst (darfst) Du ruhig überwintern. Kanaken raus – überall! Wir wollen keinen Schweinestall!

Nun, diese Blüte deutscher Hochlyrik spricht für sich und braucht hier nicht kommentiert zu werden. Daher weiter im Text:

Falls Ihr Himmelskomiker für Eueren „bullshit“ nicht gut bezahlt würdet, würdet Ihr die Leute nicht mit solchem Mist ärgern.

Diese Annahme ist grundfalsch. Wir ärgern Rassisten sogar dann, wenn wir nichts dafür bezahlt bekommen, denn dies ist keine Frage der Bezahlung, sondern des Anstandes.
Herr/Frau „R. Müller“ schreibt weiter:

Wenn ich so herumludern würde, wie die „armen“ Sintis, Bimbos, und das ganze andere Gesocks, dann  wäre ich auch „arm“.

Den Begriff „herumludern“ gibt es zwar nicht, wir haben aber dennoch begriffen: Der Autor der obigen Zeilen unterstellt wieder einmal den „Sintis, Bimbos“, sie würden nicht arbeiten und dennoch gut leben. Ein bekannter rassistischer Reflex: Den anderen wird angedichtet, sie hätten das, was man selbst sich versagen muß (Zeit zum Leben statt zum Schuften, wirkliche Ausgelassenheit, Lebensfreude …); statt am eigenen Leben etwas zu ändern, wird Haß auf diejenigen geschürt, die an das eigene unbefriedigende Leben erinnern.- Doch kommen wir zum Schluß:

Sie glauben wohl, es ist ein gottgefälliges Verhalten ein faules „Schw…“ zu sein. Der Herr wird Euch Heuchler strafen!

Dieser Meilenstein an theologischer Tiefsinnigkeit bleibt hier unkommentiert. Allerdings bestätigen wir, dass dieser Leserbrief nicht rein zufällig unter dem Bericht über Ida Schmitt steht; wird dort doch Wilhelm Erhard zitiert, der in Bezug auf die Ereignisse währen des Nazi-Terrors fragt: „Ob sich bei ähnlichen Fällen, etwa im Umfeld von Aussiedlern und Asylanten, heute ähnliche Verhaltensmuster einschleichen könnten?“
Die Redaktion

3
„…gut gemachten Infodienst“

Vielen Dank für das überlassene Belegexemplar und die zusätzlichen Ansichtsexemplare Ihres Informationsdienstes. Wir haben uns sehr gefreut, dass Sie in Ihrem Informationsdienst auf die Aktivitäten des Komitees hingewiesen haben.
Gern nehmen wir Ihr Angebot an, Ihren gut gemachten und informativen Infodienst regelmäßig zu beziehen.
Dirk Vogelskam, Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V., Köln

4
Dankeschön für Engagement und Mut

Ich habe vor kurzem Eure Ausgabe Nr. 23 in die Hände bekommen – und möchte Euch für Euer Engagement und Euren Mut, eine solche Zeitung herauszugeben, ein ganz dickes Dankeschön sagen! Menschen, die bei uns in Deutschland Zuflucht und Schutz suchen, werden leider immer wieder als lästig, Schmarotzer und Faulenzer bezeichnet. Es ist wichtig und gut, dass durch Eure Zeitschrift ein Organ geschaffen wurde, mit diesen Vorurteilen aufzuräumen, Aufklärung zu betreiben und diesen Menschen eine Stimme zu verleihen.
Es tut weh mitzubekommen, wie schutzsuchende Menschen bei uns in Deutschland immer wieder behandelt werden. Selbst das Bundesamt und die Verwaltungsgerichte stellen sich immer öfter in diesen Trend und gewähren keinen Schutz auf Asyl – und verweigern selbst Abschiebeschutz (und dies sogar ohne sorgfältige Prüfung der Sachverhalte, ohne Einholung notwendiger ärztlicher Gutachten und ohne Rücksichtnahme auf die Schwierigkeiten traumatisierter Menschen…), wie verschiedene Menschenrechtsorganisationen in unserem Land immer wieder berichten. Mann kann es kaum glauben, aber betroffen sind vor allem Flüchtlinge aus vielen Ländern, in denen nach Feststellung internationaler Menschenrechtsorganisationen Folter in großem Umfang stattfindet (z.B. Sudan, Nigeria, Indien, Algerien und die Türkei…).
Auf die Justiz können wir uns nicht mehr verlassen. Allzu oft bestätigen Richterinnen und Richter negative Verwaltungsentscheidungen ohne ihrem verfassungsgemäßen Auftrag, die Exekutive zu kontrollieren, ausreichend nachzukommen.
Wenn die juristische Kontrolle in einer Demokratie versagt, ist die Öffentlichkeit und sind wir gefordert – um den bedrohten Menschen zu ihrem Recht zu verhelfen, unsere Demokratie zu verteidigen und um den Menschen, die Deutschland flüchtlingsfrei haben wollen, etwas entgegenzusetzen. Erfolge im Kampf um Menschenrechte stellen sich niemals von selbst ein! Deshalb also noch einmal ein ganz großes Dankeschön für Euch und Eure Zeitung!
R. Sauer, Würzburg

2 – 4 aus: Asyl am Untermain Nr. 24, Sept. 2000

5
Wie eine interne Dokumentation ganz öffentlich wurde

Liebe Leserinnen und Leser,
eine in kleiner Auflage verbreitete Sonderausgabe von ASYL AM UNTERMAIN macht derzeit von sich reden. Und das, obwohl dieses schmale Heft eigentlich den gut sichtbaren Vermerk „intern“ trägt (der sogar in der Unterzeile jeder Seite wiederholt wird). Doch es kam alles anders. – Aber der Reihe nach.
Die Sondernummer (EXRA intern) unseres Informationsdienstes mit dem Titel „Rechtsextremismus am bayerischen Untermain – Kommentierte Chronik der Ereignisse 1999″ wurde im Juni in einer Auflage von lediglich 120 Exemplaren herausgegeben. Gedacht war, damit „den Aktiven in den Bereichen Flüchtlings- und Menschenrechtsarbeit etc. eine Informationsmöglichkeit“ zu bieten (S. 3).
Nun war es die Deutsch-Ausländische Gesellschaft Alzenau, über die diese Dokumentation zu den Grünen gelangte. Diese zitierten unser EXTRA intern in einem Pressebeitrag: „In der Dokumentation der Caritas heißt es zusammenfassend zur Virulenz rechtsradikaler Gesinnung: `Bestimmte Themen liefern uns immer wieder den Beweis, dass die Ideen aus der Gruselkammer der Geschichte in weiten Bevölkerungsteilen noch lange nicht erledigt sind. Insgesamt ist dieser autoritäre, asoziale und menschenverachtende Anteil an der Bevölkerung – dem sich auch Politiker aller etablierten Parteien in populistischer Absicht bedienen – erheblich gefährlicher als alle organisierten Neo-Nazis zusammen.“ (Main-Echo, 07.08.2000)
Dass im gleichen Beitrag der Alzenauer Grünen auch Innenminister Beckstein negativ erwähnt wird, brachte den CSU-Landtagsabgeordneten Henning Kaul dazu, einen Leserbrief zu schreiben (ME, 09.08.2000), in dem er das Zitat aus unserem EXTRA intern allerdings den Grünen anlastete und diesen unterstellt, sie würden hetzen.
Die Reaktion der so angegriffenen ließ nicht auf sich warten: „Wer aus einer Publikation, die von einer kirchlichen Organisation herausgegeben wird … zitiert, der hetzt nicht, sondern gibt Fakten wieder, die unschön und alarmierend sind und deshalb vielen Politikern missfallen.“ (ME, 11.08.2000) Wir können nicht verhehlen, dass auch wir in unserem Zitat keine Hetze sehen.
Nach der CSU meldeten sich allerdings auch die Republikaner in Person der Aschaffenburger Hauptaktivistin Monika Ewert zu Wort. Wir zitieren: „Die Caritas wäre sicher gut beraten, sich nicht von Herrn Schauer und den Grünen vereinnahmen zu lassen.“ Nun, diese Gefahr besteht nicht, was Frau Ewert wohl auch weiß. Weiter droht sie: „Die Caritas lebt in erster Linie von Spenden und Steuergelder. Unter den – nach dem Verständnis von Herrn Schauer – `so genannten Rechten´ gibt es aber nachweislich mehr Steuerzahler und Spendengeber als unter der Klientel, die Herr Schauer vertritt.“ (ME/Der Heimatbote, 14.08.2000) Das mit den Spenden bleibt wohl unbeweisbar; ansonsten ersparen wir uns einen Kommentar.
Eher positive Erwähnung fand das EXTRA intern von ASYL AM UNTERMAIN allerdings wieder im Main-Echo vom 22.08.2000, wo Stefan Reis u.a. feststellte: „Gerade aber der Umgang mit dieser Dokumentation zeigt, wie schnell eine Antwort auf dumpfe Deutschtümelei in blanker Parteipolitik mündet.“
Bis nach Frankfurt reichte daraufhin der Ruf unseres Extrablattes und führte zu einer Erwähnung in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.
Zwischenzeitlich erreichten den Miltenberger Sozialdienst für ausländische Flüchtlinge – er zeichnete für die Sondernummer verantwortlich – mehrere Anfragen nach dem EXTRA intern, die allerdings nicht mehr befriedigt werden können, da das dünne Heft restlos vergriffen ist. Eine Neuauflage ist nicht vorgesehen, da es nie das Ziel war, diese interne Publikation in größerem Stil zu verbreiten.

aus dem Editorial von Asyl am Untermain Nr. 24 – September 2000