KBF Revolte ist ein Zweimannprojekt aus dem Raum Miltenberg, das nicht nur ausgefallene Songtitel wie „Krätze für Deutschland“, sondern auch einen konsequent minimalistischen Stil aufweisen kann. Anlässlich der jetzt erschienenen Demo-CD Musikguerilla sprach kommunal.tk mit den beiden MCs MörderBeat und HeizKessel.

kommunal.tk: KBF Revolte – da fragt sich jede und jeder, was soll das sein: KBF?

KBF Revolte: Das ist ein Mysterium, das wohl niemals gelüftet werden wird. Hier einige Antworten, die schon vermutet wurden: Kommunistische Befreiungsfront, Kontrollbedürftiger Freundeskreis, Kein Bier-Ferkauf, Keine BockFürste.

Die Musik, die ihr macht, das ist für uns am ehesten mit Elektropunk zu bezeichnen: Punk von der Attitüde der Texte her, Punk auch wegen der einfachen Strukturen der Musik; Elektro weil die Beats am PC erstellt sind. Wie würdet ihr selbst euer musikalisches Tun bezeichnen?

Electropunk passt! Aber wir bezeichnen unsere Musikrichtung ja unter anderem auch als Trashrave und sind auch mit dem Begriff ziemlich glücklich! Trash muss ja nicht gut sein, und wir erfüllen diese Erwartung auch unseren zahlreichen Fans gegenüber mit der Ausdauer eines Ruderers! Bei der Gelegenheit: Gruß an Lenny!

Es ist augenscheinlich, dass ihr Euch als künstlerisches, aber auch als politisches Projekt versteht. Euer Anti-Nazi-Song zum Beispiel wurde bei Youtube schon über 11.700 mal angehört. Wie geht das für Euch zusammen: künstlerisches Tun mit politischer Aktivität?

Das mit den Klicks bei „Nazi sein heißt“ überrascht uns selbst, da das ein sehr alter Song ist, den selbst wir abgrundtief scheiße finden. Aber nun zu der Frage: Wir sehen unsere Kunst als Teil unserer politischen Aktivität, das Projekt wurde auch unter anderem deswegen gegründet, um durch das Medium Musik eine politische Aussage zu vermitteln. Schade finden wir es, wenn sich einfach keine Gedanken gemacht werden, und z.B. „Krätze für Deutschland“ einfach nur noch ein lustiger Satz ist.

Das Cover eurer Demo-CD könnte als problematisch, missverständlich oder gewaltverherrlichend angesehen werden. Es zeigt das Symbol der Roten Armee Fraktion; statt RAF steht aber KBF dort und die Maschinenpistole ist mit einer Synthesizer-Klaviatur versehen. Es gab darüber unseres Wissens auch Diskussionen im Vorfeld der Veröffentlichung. Warum habt ihr dieses Symbol beibehalten, das nun auch eure Homepage ziert?

Zum einen gehört das Symbol zum Gesamtkonzept Musikguerilla. Wir haben, als die musikalischen Grundideen standen, uns überlegt, wie denn der Rest aussehen soll und sind dann direkt auf die klischeehaften Guerillakämpferinnen gekommen, welche in Deutschland eben die RAF waren. Daran lehnten bzw. lehnen wir unsere Bühnenoutfits an – Tarnhosen, Parker, Fliegerbrillen und rote Sterne – und eben auch die Symbolik des dazugehörigen Demotapes. Zum anderen möchten wir mit der ganzen Aufmachung des Tapes provozieren.
Auf unsere Meinung zur RAF möchten wir hier nicht eingehen, da das vermutlich den Rahmen dieses Interviews sprengen würde.

Es gibt die alte Frage: Kann Kunst politisch wirksam sein? Organisiert sie Protest, macht sie Menschen zu politisch denkenden Subjekten? Oder ist sie nur Beiwerk? Kann sie gar nichts erreichen? Wie habt ihr diese Frage für euch beantwortet? Oder spielt das keine Rolle?

Für uns ist diese Frage doch ziemlich wichtig, da das Projekt eben auch gegründet wurde, um unsere politische Meinung zu vertreten. Wir selber sind durch Musik teilweise politisiert worden. Wie das für andere aussieht, kann von unserer Seite aus nicht gesagt werden. Aber fest steht, dass man aus Mucke Kraft schöpfen kann, um den Alltag zu überstehen und Aktionen auf die Reihe zu bekommen – wie zum Beispiel in unserem Song „Unsre Welt“.

Ihr seid nicht nur ein politisches Projekt, sondern auch eine Partycombo. Nicht umsonst spielt ihr vorzugsweise auf privaten Feten. Überwiegt das bei euch, Partyband zu sein – oder ist der politische Ansatz entscheidender?

Schwierig, schwierig! Es ist beides miteinander verbunden, aber der politische Ansatz ist uns doch wichtiger, was man schon auf unserer Homepage lesen kann, da wir Auftritte abbrechen, wenn wir bemerken, dass sich im Publikum Faschos, Sexisten usw. befinden. Wir nehmen auch kein Blatt vor den Mund oder zensieren unsere Texte, um beim Publikum besser anzukommen.

Grundsätzlich gibt es von euch keine Fotos, auf denen ihr wirklich erkennbar seid; und es gibt auch wenig persönliche Informationen. Aber vor allem die KBF-Fans wollen bei einem Interview selbstverständlich auch noch etwas an Personality-Infos haben. Was möchtet ihr da gerne über euch erzählen? Alter, Job, schlechte Angewohnheiten?

MC MoerderBeat: Joa, was soll ich sagen, ich fühl mich wie 15 und mach ganz eklige Beats. Viel mehr gibt’s nicht zu sagen. Wer etwas mehr über meinen langweiligen Alltag wissen will, kann mal auf meinem Blog spacestachel.blogsport.de vorbei schauen.
MC HeizKessel: Hm, mein Alter ist irgendwo zwischen Kindesalter und Scheintot, mein Traumjob wäre Superstar, was ich nie werden werde, an der Seite von MC MörderBeat. Und das bringt mich auch zu meinen schlechten Angewohnheiten: Ich mache beschissene Mucke!

Bei der Gelegenheit: Wie ist es eigentlich zur Zusammenarbeit von euch beiden gekommen?

Im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee. MörderBeat hatte schon ein bisschen mit elektrischer Musik herumexperimentiert und bei einer Jamsession mit Gitarre und Bongos in der prallen Sonne wurde dann die Idee geboren.

Und dann die am Ende eines Interviews schon obligatorische Frage: Wie wird es weitergehen? Was habt ihr in Planung?

Endlich mal `nen guten Song schreiben, was uns allerdings nicht recht gelingen will.
Im Moment arbeiten wir an unserem ersten Album, das unter dem schönen Namen „Prestigeobjekt“ vielleicht noch dieses Jahr veröffentlicht werden soll. Dazu natürlich eine neue Liveshow. Einen kleinen Einblick in die Arbeiten könnt ihr euch auf einem unserer Gigs holen oder im Song „Neuer Sound“.
Nebenbei werkeln wir auch noch an einer Idee, die uns nicht mehr recht loslässt. „Sonnenfinsternis“ soll eine Mini-CD mit vier bis fünf komplett politischen Songs werden und eventuell als Warm-Up für „Prestigeobjekt“ rauskommen.
Der Zenit unserer Karriere ist noch lange nicht erreicht! Minimum Platz eins in den Charts, sagen wir nur dazu.
Ach ja: Das ist Punk. Das raffen wir nie.

Wir bedanken uns für dieses Interview und wünschen uns noch viele erfrischende Auftritte der KBF Revolte!

[Weitere Informationen: trashrave.blogsport.de]

Interviewer für kommunal.tk: M. Bayer
16.08.11

Der Miltenberger Literat und Videokünstler Mapec hat in einem Rundbrief 2011 den Umstand, dass KBF Revolte maskiert auftritt, mit dem „offiziellen Bandfoto – unmaskiert“ ganz nett kommentiert: