1926 in Bremen geboren, wurde Eduard Bernhard gegen Kriegsende eingesetzt – als „zwangseingezogener Soldat“. Diese Feststellung war ihm offensichtlich wichtig; denn er wollte wohl nicht in den Geruch kommen, ein freiwilliger Überzeugungstäter gewesen zu sein. 1945, kurz vor Kriegsende, wurde er verwundet, verlor den linken Unterarm und musste eine Prothese tragen. An sich ist dies in Kriegszeiten nichts Ungewöhnliches. Wie wenige zog er aus seinen Kriegerlebnissen allerdings die Konsequenz, die zu einem Vorsatz wurde: „Anfängen rechtzeitig wehren!“

Nachdem er als stellvertretender Leiter eines Shell-Großtanklagers Anfang der sechziger Jahre nach Kleinostheim zog, begann damit auch seine eigentliche politische Tätigkeit. Als Neubayer zog es ihn in die CSU, die er nach wenigen Wochen wegen deren Atomwaffenpolitik wieder verließ. Es folgte das Engagement gegen den geplanten Bau der A45 in seiner Nachbarschaft und gegen eine vierspurige Umgehungsstraße. Erreichen konnte die von ihm organisierte Bürgerinitiative zumindest, dass der Lindigwald und das Mainufer vom Straßenbau verschont blieben.

Erfolge konnte er auch später noch erstreiten. Die Wideraufbereitungsanlage in Frankenberg verhalf er genauso zu verhindern wie den Block C im Atomkraftwerk Biblis. Ebenso die geplante Giftmülldeponie in Mainhausen. Auch der Kampf gegen die Hanauer Atomanlagen war erfolgreich. Dort engagierte er sich bei der IUH, der Initiativgruppe Umweltschutz Hanau. Darüber hinaus saß er im Vorstand des Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU), war Geschäftsführer der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald im Kreis Aschaffenburg und dort auch erster Vorsitzender de Bundes Naturschutz. Bei weiteren Bürgerinitiativen war Eduard Bernhard, der sich auch gegen Gentechnik, die Erweiterung des Frankfurter Flughafens, gegen Mobilfunkmaste und Chemieanlagen zur Wehr setzte und auch mal auf einem Ostermarsch gegen die Kriegspolitik sprach, federführend tätig. Sogar in die Störfallkommission für chemische Betriebe musste man den Unermüdlichen berufen.

Und: Er war ein sehr auffälliger kritischer Aktionär, gefürchteter Redner auf Hauptversammlungen in der ganzen Bundesrepublik. Dort stellte er dann auch Anträge auf Nichtentlastung von Vorstand und Aufsichtsrat wegen „gravierender Fehlentscheidungen“ und „mangelnder Information“. Der Kampf gegen die I.G.-Farben-Nachfahren brachte ihn dann auch mit Peter Gingold (1916 – 2006) zusammen, dem einstigen Widerstandkämpfer und großen Antifaschisten, der aus Aschaffenburg stammte und später in Frankfurt/Main lebte.

Zum 80. Geburtstag von Eduard Bernhard sah sich der ehemalige Bundesumweltminister Jürgen Trittin genötigt, ihm ein Glückwunschschreiben zu senden. Fünf Jahre zuvor hatte er demonstrativ – zusammen mit anderen Umweltschützern – das Gespräch mit eben diesem Jürgen Trittin über die Castor-Transporte verweigert, da die Atomtransporte feststanden und kein Verhandlungsspielraum mehr gegeben war, ein Gespräch also nur zur Beruhigung und als Augenwischerei hätte stattfinden können. „Dieser Müll“, so Eduard Bernhard zu den Castortransporten, „ist ein einziger Anschlag auf die kommenden Generationen.“

Am 3. Mai 2007 bei einer Eon-Hauptversammlung hätte er erneut seine Stimme erhoben, diesmal gegen das Kraftwerksprojekt in Großgrotzenburg (Hessen). Er starb am 26. April. Seinen Part werden künftig hoffentlich andere übernehmen. Denn – so das Motto von Eduard Bernhard – „the fight must go on“.

Eine persönliche Anmerkung sei noch erlaubt: Ich habe Eduard Bernhard einige Male getroffen, stets war er der unermüdliche Redner und ich bei den Zuhörenden. Ich bereue es, nicht das Gespräch mit ihm gesucht zu haben. Ich gebe zu: Der ältere Herr aus der Väter- oder Großvätergeneration wurde von mir und anderen auch schon mal belächelt ob seiner hohen moralischen Diktion. Schon wenige Tage nach seinem Tod wurde mir aber bereits klar, dass uns genau diese moralische Kompetenz fehlen wird. Auch hätte ich gerne mehr über Eduard Bernhard gewusst, über den Menschen, über sein Leben. Nun, eine Gesprächsmöglichkeit gibt es jetzt und hier nicht mehr. Dennoch: Eduard, wir sehen uns …

Martin Bayer

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Überarbeitete Fassung eines Beitrages, der am 1. Mai 2007 auf de.indymedia.org erschienen ist.

Quellen (auszugsweise):

http://www.rwe.com/generator.aspx/investor-relations/hauptversammlung-2005/informationen-zur-hv/gegenantraege/property=Data/id=195442/gegenantrag-bernhard.pdf
Antrag bei der Hauptversammlung von RWE

http://www.bbu-online.de/presseerklaerungen/prmitteilungen/PR%202006/23.06.htm
Gratulation d es BBU zum 80. Geb.

http://www.friedenskooperative.de/themen/om02-079.htm
Rede beim Ostermarsch 2002 in Aschaffenburg

http://www.bund.net/pressearchiv2000/msg00396.html
BUND: Umweltschützer lehnen Gespräch mit Trittin über Castor-Transporte ab – Protestaufruf: „Querstellen statt transportieren“

Foto: Frankfurt, 17.9.2001, Protestaktion anläßlich der Hauptversammlung der I.G. Farben http://www.critical-shareholders.net/Konzernkritik/Siemens/Siemens-2001/siemens-2001.html