Das erste Jahr nach Schließung der JUI


In der JUI (Januar 2009 bei YOUTUBE veröffentlicht)

2008 wurde der Miltenberger Jugendtreff – genannt JUI (da die Jugendinitiative ihn betrieb) – geschlossen. Bereits am 19.12.08 vermeldete der Bote vom Untermain, Miltenbergs Regionalausgabe des Main-Echo: „Der Miltenberger Jugendtreff soll eine hauptamtliche Leitung bekommen. Miltenbergs Bürgermeister Joachim Bieber (CSU) kündigte am Mittwoch in seiner Weihnachtsansprache einen `vernünftigen Neuanfang ohne die Zustände der Vergangenheit´ in der alten Volksschule an. Das Konzept der Selbstverantwortung für die Jugendinitiative Jui sei gescheitert.“ Wiederholt wurden dabei die bekannten Anschuldigungen: „Jugendliche hatten dort eine wilde Party gefeiert, einen Spülkasten zertreten und einen Wasserschaden verursacht. Außerdem zertrümmerten sie ein Waschbecken und rissen einen Heizkörper aus der Verankerung. Trotz Verbots tranken sie Alkohol und rauchten. Schon in den Jahren zuvor hatte Bieber den Treff zweimal wegen `unzumutbarer Zustände´ schließen lassen.“

Eine alte Forderung ist noch immer richtig: Unabhängiger Jugendtreff!

Ebenfalls zu dieser Zeit trat erstmals eine Gruppe von jungen Leuten in Erscheinung, die z.B. spontan in der Miltenberger Fußgängerzone mit Jongelage und Musik für ihre Idee eines neuen, unabhängigen Jugendtreffs warben und Geld sammelten. Sie gingen in den folgenden Wochen weiter an die Öffentlichkeit, schrieben verschiedene Betriebe an wegen leerstehender und kostengünstig zu nutzender Immobilien (was aber erwatungsgemäß erfolglos blieb) und probten trotz winterlicher Temperaturen mit Gartenstühlen, -tischen und politischen Transparenten in den Miltenberger Mainanlagen einen Open-Air-Jugendhausbetrieb.
Auf ihrer damaligen Internetseite berichteten sie zudem, wie die Situation für die unabhängige und wenig angepasste Jugend in der Kreisstadt heute aussieht. Mit Einrichtung dieser Seite traten sie als Autonome Gruppe Miltenberg in Erscheinung, später unter anderen Namen, bis sie schließlich im November 2009 als Jugendinitiative für ein unabhängiges Zentrum auftraten und eine entsprechende Webseite erstellten; nennen wir diese Gruppe daher im Folgenden JuZ.
Am 26. Februar 2009 konnten diese jungen Leute ihre Ziele auch im Radio Klangbrett (Aschaffenburg-Miltenberg) präsentieren. Fazit: Sie wollen einen von der Stadt unabhängigen Jugendtreff, der weder städtischer Gängelung unterliegt, noch über eine Leiterrunde oder ähnliche Stellvertreterstrukturen verwaltet wird; sie wollen zurück zur regelmäßigen Vollversammlung als Beschlussgremium. „Damit sind sie die einzigen wirklichen Nachfolger der ehemaligen JUI“, urteilte ein Mitglied der JUI-Gründungsgeneration von 1979.

„Unsere Straßen – Unsere Plätze – Wir sind gekommen, um zu bleiben!“ Unter diesem Motto lief am 28. Februar 2009 eine erneute Aktion: Auf dem Marktplatz in Miltenbergs historischer Altstadt wurde von zwei Dutzend jungen Leuten spontan wieder einmal Jugendtreff geprobt. Mit Getränken, Essen, Musik und Transparent führten sie eine bunte Kundgebung durch (siehe Fotos oben sowie unten und hier). Diese Aktion hatte ein Nachspiel: „Zu jeweils 15 und 30 Arbeitsstunden sind ein 16- und ein 19-Jähriger am Dienstag vom Jugendgericht Miltenberg verurteilt worden. Die beiden hatten bei einer Demonstration im Februar gegen das Vermummungsgesetz des bayerischen Versammlungsrechtes verstoßen.“ So schrieb am 8. Oktober 2009 der Bote vom Untermain. Die bei Gericht vorliegenden Fotos „hatten die Jugendlichen zum Teil selbst gemacht, um Bilder von ihrer Aktion ins Internet zu stellen. Andere hatte die Polizei bei einem Mitarbeiter der Stadt in Auftrag gegeben, damit spätere Anzeigen wegen Sachbeschädigung den jeweiligen Personen zugeordnet werden können.“ So die Zeitung. Und weiter: „Zur Verschleierung von möglichen Straftaten habe die Vermummung nicht gedient. Dass das kriminelle Potential der Demonstranten gegen Null tendierte, ergaben auch die Aussagen der Polizeibeamten. Die Anarchozeichen, die die Demonstranten mit Kreide an den Marktbrunnen gemalt hatten, wischten sie zum Ende ihrer Aktion am Marktplatz weg, bevor sie vor das Rathaus zogen. Auch ihren Müll hatten sie, wie versprochen, aufgeräumt. Dass sie während der Demonstration die Polizeiautos mit Luftballons schmückten, störte die Beamten vor Ort auch nicht sonderlich. … Dass die Vermummung nicht zur Verschleierung der eigenen Identität vor Ort gedient hatte, bestätigten die Aussagen der Polizeibeamten. Zum einen sind die Demonstranten den Beamten bekannt. Zum anderen waren die Jugendlichen der Aufforderung der Polizei gefolgt und hatten die Halstücher abgenommen.“ Die jungen Leute hatten sich schlicht deshalb „vermummt“, weil sie von Nazis nicht erkannt werden wollten, da sonst mit Übergriffen zu rechnen gewesen wäre.
Warum also eine Verurteilung, wo doch sogar die Polizei für die Jugendlichen aussagte? Der Bote vom Untermain: „Dass beide Angeklagte vom Gericht trotzdem mit gemeinnütziger Arbeit bestraft wurde, liegt am bayerische Versammlungsrecht. Das sieht eine Strafe auch dann vor, wenn Teilnehmer einer Demonstration sich nur kurz verschleiern oder auch nur auf dem Weg zur Demo nicht identifiziert werden können. Die beiden Gymnasiasten müssen nun jeweils 15 und 30 Arbeitsstunden ableisten.“
Damit haben die Schüler wohl etwas über die Realität in Bayern im 21. Jahrhundert gelernt, was ihnen jeder Gemeinschaftskunde- oder Sozialkundelehrer geflissentlich verschweigt.

„Miltenberg will JUI wieder öffnen“ …

… titelte dann am 6. März 2009 der Bote vom Untermain und bestätigte damit erstmal die Wirksamkeit der jugendlichen Proteste vom vorhergegangenen Samstag: „Bürgermeister Joachim Bieber hat in der Stadtratssitzung am Mittwoch auf den Pressebericht unserer Zeitung am 3. März über die Demonstration für einen autonomen Jugendtreff (JUI) reagiert. Die Stadt wolle den Treff wieder öffnen, sei aber für die meisten Demonstranten nicht zuständig, sagte er.“ Es seien nur zwei Teilnehmer aus Miltenberg gewesen, die anderen aus anderen Ortschaften, meist jedoch aus dem Landkreis Miltenberg. Woher der Bürgermeister das weiß? Nun, die Polizei wird es ihm verraten haben nach entsprechender Personalienfeststellung.
Bieber „erkenne deshalb keinerlei Zuständigkeit der Stadt Miltenberg für Jugendliche aus den genannten Orten außer Miltenberg“ schreibt der Bote weiter. Und diese seltsame Argumentation erinnert fatal an die entsprechenden Argumente von vor 30 Jahren, als zuletzt um einen selbstverwalteten Jugendtreff in Miltenberg gekämpft wurde. Schon damals war betont worden, die Stadt Miltenberg sei nur für Miltenberger/innen zuständig. Und schon damals hatte man geantwortet: Miltenberg ist Kreisstadt und damit ein Zentrum des Landkreises, woraus besondere Aufgaben resultieren; dort befinden sich zudem viele (gerade auch weiterführende) Schulen, in denen Schüler/innen aus den verschiedensten Gemeinden sitzen, die selbstverständlich auch ihre Freizeit zusammen verbringen wollen – und zwar an ihrem Schulort. Daher ist eine Abgrenzung gar nicht möglich. In Miltenbergs Geschäften sollen ja auch nicht nur Miltenberger/innen einkaufen!
Joachim Bieber wirkte vor 30 Jahren als hoher Beamter am Landratsamt und war schon damals an der Auseinandersetzung um Jugendtreffs beteiligt; er kann also nicht sagen, dass er diese richtige Argumentation nicht kennt.
Doch zurück zur JuZ. Eine weitere Aktion am 7. März brachte erstmals die Feuerwehr auf den Plan: Nach einer spontanen Demonstration von ca. 20 Personen, die mit mehreren Transparenten vom Bahnhof über die Brücke und durch die Innenstadt zum Markplatz führte, wurde dort kurz gehalten und dann zum Engelplatz vor das Rathaus marschiert, wo dasselbe mit Eiern beworfen wurde. Die Polizei kam, ließ aber der Feuerwehr den Vortritt, die das Rathaus und den Vorplatz abspritzte, um die Eierreste zu entfernen. Verschiedentlich sollen auch Demonstrierenden „zufällig“ vom Wasserstrahl getroffen worden sein. Zumindest eine Person sei offenbar als Rädelsführer erfasst worden.

Es tut sich was – aber was?

„Eine halbe Stelle für einen Jugendpfleger hat die Stadt Miltenberg in ihrem neuen Haushalt eingeplant. Damit reagiert sie auf Forderungen nach einen Jugendtreff, die autonome Jugendliche zum Teil mit Eierwürfen gegen das Rathaus bekräftigt hatten.“ So berichtete im März 2009 der Bote vom Untermain. Und weiter: „Schon jetzt betonte aber Bürgermeister Joachim Bieber (CSU), dass sich der Jugendpfleger nur um die örtliche Jugend kümmern solle. `Nicht unser Auftrag ist die Sorge um Jugendliche, die aus der gesamten Region nach Miltenberg kommen.´ Wie der Pfleger die einen von den anderen unterscheiden solle, sagte Bieber allerdings nicht.“ Das hat der Bote Recht.
Ansonsten erging man sich in Miltenberg weiter in den bekannten Argumentationen: „Einem Jugendzentrum in Eigenregie wie in den vergangenen Jahren erteilten die Politiker eine Absage. `Es ist leider nicht möglich, den Jugendlichen die Räume zu überlassen. Es ist zu viel Schaden entstanden´, sagte Elisabeth Büchler (CSU). Cornelius Faust (Liberale Miltenberger) legte noch eins drauf: `Die Probleme, die eine bestimmte Gruppe Jugendlicher der Stadt bereiten, macht den Einsatz professioneller Sozialarbeiter erforderlich.´“
Die JuZ machte aber davon völlig ungerührt weiter, hatte sie doch „in einem anonymen Schreiben an die Redaktion“ angekündigt, „ihre Aktionen fortsetzen zu wollen bis ihr Ziel, `die Errichtung eines autonomen (wirklich selbstverwalteten) Jugendzentrums´, erreicht ist.“ (Bote vom Untermain, 10.03.09)

Miltenberg geht baden

Ihre Aktion mit dem bis dahin wohl größten Freizeitwert führte die neue Jugendtreff-Bewegung in Miltenberg am 21. Mai durch. Unter dem Motto „Miltenberg geht baden – Sonnen für ein autonomes Zentrum“ taten knapp zehn junge Leute auch genau das: baden und sonnen. Und zwar abwechselnd am Marktplatz – einschließlich Badespaß im historischen Marktbrunnen – und am Engelplatz, wo der Fontänenbrunnen zum Plantschen einlud. In Badbekleidung, mit Frisbee-Scheibe, Wasserball und einem Transparent machten die Jugendtreff-Befürworter/innen auf ihr Anliegen aufmerksam. Die Reaktionen der zahlreichen Passanten waren durchgehend positiv.

Aus einer mitgebrachten Gießkanne wurde das Fahrzeug der vorbeischauenden Polizei mit Wasser begossen und gereinigt.
Am 23. Mai kam es zum zweiten Sonnenhappening der JuZ in Miltenberg. Ca. 15 junge Leute und zwei Transparente, dazu eine Unmenge von Badeschaum waren am Engelplatz in Miltenberg zu bewundern, direkt vor dem Rathaus. Die Forderung: Ein unabhängiger Jugendtreff in Miltenberg. Die Parolen diesmal: „Sun, Sea and Autonomie“ und wieder „Miltenberg geht baden – sonnen für ein autonomes Zentrum!“

Bei einer spontanen Aktion am Montag, 8. Juni 2009 trugen zehn junge Leute ein Transparent durch die Innenstadt und verteilen Flyer mit dem Hinweis, dass in Miltenberg nichts erlaubt ist.
Nachdem ganze zwei Böller gezündet wurden, tauchten acht Polizeibeamte auf, durchsuchten die jungen Leute auf offener Straße wie Schwerverbrecher, untersuchten die Inhalte von Handys und telefonierten mit Kollegen. Dabei wurde von diesen nachgefragt: „Wie steht es mit Eurer Randale?“ Wir merken: Zehn Leute, ein Transparent, 100 Flyer und zwei Böller sind eine Randale! Zumindest in Miltenberg.
Eine kleine Anmerkung am Rande: Am 25. Juni 2009 wurde bekannt, dass die Stadt Erlenbach/Main – von der Größe mit Miltenberg vergleichbar, im selben Landkreis gelegen und nicht einmal Kreisstadt – jährlich 115.000 Euro für ihr Jugendzentrum aufwendet. Es darf ausgerechnet werden, was die Stadt Miltenberg in den letzten 30 Jahren eingespart hat.

Nach der Sommerpause

Ab dem Juli 2009 kehrte etwas Ruhe ein bei der JuZ, allerdings stellte man bei verschiedenen Infoständen die eigenen Ziele vor. Erst im November kam wieder mehr Bewegung ins Spiel, als zwei Mitglieder des Stadtrates sich mit mehreren der JuZ-Mitgliedern trafen. Daraufhin beschäftigte sich das Ratsgremium wieder mit dem Thema Jugendtreff. „Es ist erfreulich, dass die Stadt Miltenberg über die Möglichkeiten einer sinnvollen Jugendarbeit nachdenkt. Lobenswert ist dabei auch, dass ein größeres Projekt ins Auge gefasst und daran gearbeitet wird. Doch sollte möglichst bald ein Provisorium geschaffen werden, da zu befürchten steht, dass eine perfekte Lösung noch mehrere Jahre in Anspruch nimmt. Was nützt es den heute 15-Jährigen, wenn die Verwirklichung noch zwei Jahre dauert?“ Da hatte sie Recht, die Leserbriefschreiberin aus Bürgstadt (Bote vom Untermain, 03.11.09). Sie nahm Bezug auf die in der Zeitung veröffentlichte Aussage der Stadt Miltenberg, die bereits vor einem vollen Jahr geschlossenen Räume der JUI an anderer Stelle mit anderem Konzept neu zu eröffnen.
Auch mit der nachfolgenden Feststellung lag die Leserbreifautorin richtig: „Dass Miltenberg als Kreisstadt dabei alle, also auch Jugendliche aus angrenzenden Gemeinden, willkommen heißt, ist für mich eine Selbstverständlichkeit.“ Das sieht Bürgermeister Bieber noch immer anders; nicht einmal mit der Sprecherin der JuZ wollte er sich an einen Tisch setzen – denn sie kommt aus Klingenberg (Bote vom Untermain, 11.12.09)! Auch beuge sich die Stadt nicht dem Druck der Straße; Politik würde ausschließlich im Rathaus gemacht. Das glaubt er vermutlich selbst nicht, ist doch der Stadtrat durchsetzt von Interessensvertretern aus Industrie und Gewerbe, die darauf hinweisen, dass da noch ganz andere Gruppen an der Stadtpolitik beteiligt sind. Aber eben keine demonstrierenden Jugendlichen.
Sein Stellvertreter Wolfgang Klietsch (auch CSU) sprang Bieber bei: „Es könne nicht sein, so Klietsch, dass die Stadt mit Steuergeld ihrer Bürger Räume für Jugendliche aus dem Landkreis für eine unabhängige, selbstbestimmte Gruppenarbeit ohne Überwachung und Kontrolle zur Verfügung stelle.“ (Bote vom Untermain, 18.12.09)
Aber zitieren wir noch einmal aus dem Leserinnenbrief: “Da ja nun eine halbe Stelle für einen Sozialpädagogen bereits im Haushalt eingestellt ist, wäre es doch möglich, mit Containern für vorübergehende Räumlichkeiten zu sorgen und sofort mit Angeboten für Jugendliche zu beginnen. Selbstverständlich auch für jene Jugendliche, die frustriert versucht haben, durch Eier werfen auf sich und ihre Probleme aufmerksam zu machen. Natürlich ist dies kein akzeptables politisches Mittel.“ Der Erfolg aber spricht für die JuZ-Leute und ihre nicht ganz gewöhnlichen Aktionen. Denn wäre das Thema Jugendtreff noch in der Diskussion, wenn es nicht so hartnäckige und andauernde Proteste gegeben hätte?
Weiter heißt es in dem Leserinnenbrief: „Es ist sehr bedauerlich, dass wegen des zerstörerischen Verhaltens einzelner Jugendlicher und dem damit verbundenen unschönen Ende der JUI völlig untergeht, dass diese Einrichtung über einen längeren Zeitraum von sehr engagierten und einfallsreichen jungen Menschen erfolgreich geführt wurde. Dadurch hatte Miltenberg doch wenigstens eine Zeit lang einen Treffpunkt für Jugendliche.“ Diese „eine Zeit lang“ betrug – von Unterbrechungen abgesehen – annähernd 30 Jahre! Und das „zerstörerische Verhalten“ muss auch noch einmal betrachtet werden: Ein Einzelner verursachte an jenem Abend, der zur Schließung des Miltenberger Jugendtreffs in der Alten Volksschule führte, einen Riss in einem Toiletten-Spülkasten. Der zuständige Verantwortliche der JUI bemerkte dies rechtzeitig und drehte das Wasser ab. Offenbar bedingt durch eine alte Rohrleitung half dies aber nicht viel und es entstand ein Wasserschaden.
Wasserschaden hin, Defekte an Einrichtungsgegenständen her – die JUI hat der Stadt durch die ehrenamtliche Arbeit im Jugendtreff in drei Jahrzehnten einen Millionenbetrag gespart. Sich über einen Riss im Spülkasten aufzuregen ist da mehr als seltsam. Es drängt sich der Verdacht auf: Die JUI sollte geschlossen werden und sie wurde geschlossen; denn Reste von Selbstverwaltungsideen passen nicht ins liberal-konservative Weltbild, das nicht erst mit dem Bündnis Merkel-Westerwelle auf Bundesebene und mit der Wiederwahl von CSU-Hardliner Norbert Geis am Untermain bestätigt wurde. Der Vorfall 2008, so vermuten Beobachter, war in Miltenberg ein guter Grund zur Beseitigung lästiger Restbestände aus der jugendbewegten Vergangenheit, nicht mehr.


KBF Revolte fordert en selbstverwaltetes Jugendzentrum in Miltenberg (Youtube-Video von 2009)

Und die Zukunft?

Eine sozialpädagogische Jugendtreff-Fachkraft, so sie wirklich einmal kommt und zudem nur als Halbtagskraft gedacht ist, wird weniger die Qualität heben, als vielmehr für Ordnung und Sauberkeit sorgen dürfen, es sollen ja keinerlei Unangepaßtheiten mehr vorkommen.
Das Engagement der Besucher/innen eines Jugendtreffs wird aber dennoch dringend benötigt. Denn sonst würde eine Halbtagsstelle niemals ausreichen. Die jungen Leute dürfen dann die Dreckarbeiten machen, putzen, einkaufen, auch Veranstaltungen organisieren, Verstärker und Kisten schleppen, Thekendienst schieben und vieles mehr. Sie haben aber nicht mehr die bisherigen Freiheiten, höchstens „Mitbestimmung“ auf SMV-Niveau: von der Rest-Selbstverwaltung zur überwachten Freizeitgestaltung. Die meisten Jugendlichen wird das aber überhaupt nicht stören. Und die anderen bleiben frustriert.

mb

Dez. 2009
Wie es weitergeht kann sicher künftig der neuen Internetseite der JuZ entnommen werden.