Antworten auf die mit der Bitte um Reaktionen versandte Erstfassung des Beitrages Zum letzten Geleit – Versuch über das Ende der JUI – ein Beitrag zur Diskussion:

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Hallo Kommunalistas,
interessanter Artikel. Leider fällt stark auf, dass jedoch einfach in alle Richtungen geschossen wird, was als Außenstehender ziemlich einfach ist.
Auch ich bin seit einigen Jahren ein interessierter Außenstehender und fühle mich daher auch zu einem Kommentar aufgefordert. Weiterhin setze ich mal die Betreffenden (von denen ich eine mail-adresse habe) in „CC“ um evtl. den direkten Kontakt zu knüpfen…
Ich muss zustimmen, dass die JUI wie sie heute ist (bis vor ein paar Tagen war) eine andere ist wie in den vergangenen Jahren. Und erst recht nicht mehr viel damit zu tun hat, was Ihr vor fast 30 Jahren gegründet habt. Und das ist auch gut so. Es ergibt sich aus dem Wandel der Zeit, der Menschen, der Einstellungen, …
Auch Ihr seid folglich 29 Jahre älter geworden, so weh es tun mag. Die heutigen JUI-Kids und auch die Verantwortlichen jungen Erwachsenen sind in eine vollkommen andere Zeit geboren worden und somit mit ganz anderen Umständen konfrontiert. Verbunden ist das Ganze auch mit neuen Problemen und Herausforderungen.
Man wird die Räume der alten Volksschule leider nie wieder ausschließlich mit neuen engagierten, politisch motivierten, kreativen, verantwortungsbewußten, intelligenten,… jungen Erwachsenen füllen können. Schwierig genug scheint es ein paar wenige solcher zu finden und in die Verantwortung zu nehmen.
Ein ganz anderer Punkt der mir in solchen Situationen immer auffällt ist, dass ein Bote vom Untermain, ein Herr Bieber und offensichtlich auch ihr Kommunalisten sich immer mit ein paar wenigen Infos zufrieden geben und sich in den ohnehin bereits gefällten Urteilen bestätigt fühlen. Wie so oft sieht es keiner für notwendig die Verantwortlichen mal zu interviewen: Was genau ist vorgefallen? Wer hats verbockt? …
Ebenso wie ein Joachim Bieber sich kaum mit einem Ottonormaljuibesucher identifizieren kann, da er in seiner Jugend ganz andere Interessen, Ziele und Ansichten hatte geht es auch nun dem ein oder anderen Jui-Gründer.
Auch ich muss mich inzwischen jedes mal auf´ neue beherrschen mich mit Besserwisserei und Sätzen wie „Früher haben wir das so und so…und viel besser…gemacht… Macht doch das so.. Wir haben ja immer…“ zurück zu halten. Lasst die Jungen ihr Ding und Ihre Fehler machen. Die Jui gibt seit je her interessierten Jugendlichen die Chance sich zu engagieren. Wie dieses Engagement aussieht sollte man auch diesen überlassen, denn man kann es weder erzwingen noch in eine Richtung lenken.
Gerade in einer Situation wie dieser können und müssen sich die betreffenden Jugendlichen beweisen und zeigen wie viel ihnen an der Sache hängt. Falls nichts passieren sollte muss man der Jui auch nicht nach weinen, da es die Sache auch nicht mehr wert wäre. Ich gehe eher davon aus -und hoffe es natürlich auch ein wenig- dass die jenigen dafür kämpfen werden für die diese Jui steht.
Ob das Prinzip Jui wirklich Zukunft hat, weiß ich auch nicht. Ich habe mich auch schon gefragt ob ein Sozialarbeiter nicht besser wäre. Kommt natürlich immer darauf an wer das macht. Erlenbach erscheint mir hier als ein interessantes Vorbild auch wenn es in Miltenberg nie so aussehen würde….
Wir werden sehen, aber ich werde mich raushalten so lange mich keiner nach meiner Meinung fragt.
Thomas
06.11.08

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Hallo Kommunal-Team,
wir sind das momentan verantwortliche Leiter-Team der Jugendinitiative (JUI) Miltenberg.
Wir haben gerade den Bericht gelesen und Thomas Kommentar dazu.
Nun werden wir ebenfalls einigen Kommentare dazu abgeben.
Prizipiell gefällt uns der Artikel sehr gut, weil er einige bittere Wahrheiten enthält.
Speziell möchten wir „JUI 2.0″ kommentieren
Als wir unseren Dienst antraten und von der Stadt Miltenberg „In die Pflicht genommen“ wurden, waren wir uns durchaus der Verantwortung bewusst dass wir dringend etwas ändern müssen. So konnte es nicht weitergehen.
Das Image als „Drogenloch“, „Fixerstube“ und, und, und… – das musste dringend beseitigt werden.
Aufgrund der finanziellen Lage konnte dies natürlich nicht schlecht genug gehen. Hinzu kam das Rauchverbot was das Bestehen der JUI finanziell zusätzlich belastete.
Wir hätten die JUI SELBST noch viel früher geschlossen, hingen wir nicht mit Leib und Seele daran. So haben wir das komplette Frühjahr und den Sommer 2008 die JUI aus eigener Tasche finanziert (Einige Renovierungen, neue Sanitärobjekte, Anstrich, neue Theke, Getränke, etc.)
Wir haben versucht das kulturelle Niveau der JUI durch anspruchsvollere Musik zu heben. Durch Bands wie „crooked shoes“, „Hörspiel“, „Set Alight“, etc. haben wir es geschafft, dass sich einige subversive und destruktive Gestalten von der JUI fern gehalten haben. Auch die grundlegende Reinhaltung der Räumlichkeiten war uns ein großes Bedürfnis. Wir waren die Erste „JUI 2.0 Generation“ die TÄGLICH die Räumlichkeiten geputzt und DESINFIZIERT(!!) hat.
Dies gilt auch für das Treppenhaus und das nächtliche Aufsammeln von Müll und Flaschen im näheren Umfeld der alten Volksschule.
Ebenso wirkten wir als Streitschlichter und Teilweise auch als „Seelsorger“ für einige Gäste die es nicht uncool fanden mit Ihren Problemen zu uns zu kommen.
Wir hatten einen Plan aufgestellt wie und wie weit wir die JUI hinichtlich des früheren Chaos verändern.
So hatten wir beispielsweise die Diskussionsrunden wieder eingeführt mit Themen wie Jugendkriminalität, Nahostkonflikt, Tibet – China – Konflikt, etc.
Außerdem hatten wir überall Zeitschriften wie Stern, GEO, Bild der Wissenschaft, u.s.w. ausgelegt. Dies wurde besser als erwartet von den Besuchern angenommen.
Ein neuer und selbst gebauter Schaukasten – wie es ihn früher auch schon gab – informierte immer über aktuelle Geschehnisse für die es sich einzusetzen Lohnt (z.B. Tibet). Ausflüge und Arbeitsgruppen (AK Gitarre, Zeichenkurs, u.s.w.) waren in Planung.
Wir hatten die Leute bereits sogar soweit in den Griff bekommen dass sie ohne Aufforderung bei der Reinigung der Räume halfen.
Sicherlich haben Sie auch von den „Schmierereien“ gehört die sich in ganz Miltenberg verteilt an Herrn Bürgermeister Bibers Anwesen, am Landratsamt, am Kindergarten etc. befanden. Wir arbeiteten ständig eng mit der Stadtverwaltung und der Polizei zusammen und konnten somit MAßGEBLICH zur Klärung des Falles beitragen (Wir führten ein Gespräch mit den Betroffenen, die sich daraufhin bei der Polizei stellten).
Nun möchten wir zu dem eigentlichen Vorfall der zur einstweiligen Schließung der JUI führte Stellung nehmen.
Es ereignete sich folgendermaßen:
An besagtem Freitag fand eine kleine gemütliche Geburtstagsfeier in den Räumen der Jugendinitiative statt.
Leider befand sich auch ein solcher Besucher unter den Gästen der es nicht für nötig hielt mit Einrichtungsgegenständen pfleglich umzugehen.
Dieser junge Besucher trat während einer Raucher-Session auf der Damentoilette aus unerfindlichen Gründen auf den Spülkasten ein, der daraufhin einen Riss davon trug. Der Riss blieb unbemerkt da der Spülkasten scheinbar gerade leer war. Als der verantwortliche Leiter bei seinem halbstündlichen Rundgang die Damentoilette betrat, entdeckte er den Riss aus dem bereits Wasser herausspritzte. Geistesgegenwärtig drückte er die Spülung um den Kasten zu leeren und schloss anschließend das Ventil um die Wasserzufuhr zu stoppen (Auch der Boden wurde getrocknet).
Leider trat dennoch über Nacht Wasser aus und führte somit zu dem jetzigen beachtlichen Wasserschaden. Der Verursacher wurde von uns bereits der Stadtverwaltung gemeldet.
Zu dem unhaltbaren Artikel im „Bote vom Untermain“ muss ebenfalls Stellung genommen werden.
Es ist absolut nicht tolerierbar dass Herr Bürgermeister Joachim Biber ein Interview abgibt ohne im Vorfeld fakten vom Leiter-Team eingeholt zu haben.
Der „Bote vom Untermain“ sollte sich als seriöse Zeitung schämen einen solch beispiellos schlecht recherchierten Artikel zu veröffentlichen. Das ist BILD-Niveau.
Das Waschbecken wurde an diesem Abend nicht zertrümmert (es war ein Loch darin), sondern einige Wochen vorher. Allerdings konnten wir es uns nicht leisten ein neues Waschbecken anzubringen. Das zeigt ganz klar auf dass die Stadt Miltenberg in Sachen Jugendarbeit zu viel spart. Ein lächerlicher Zuschuss von 250€ pro Jahr konnten wir durch einen „Antrag auf Bedarf“ (der 2x gänzlich ignoriert wurde und erst beim dritten Anlauf durchkam) auf 500€ pro Jahr verdoppeln, was aber noch lange nicht genug ist. Der Heizkörper wurde vor x Jahren aus der Verankerung gerissen. Ein früherer Leiter (Thomas Wolz, der Ihnen ja auch schon einen Kommentar hat zukommen lassen) hat den Heizkörper vor (schätzungsweise) 8 Jahren neu befestigt, nachdem er weitere Jahre lose an der Wand hing.
JUGENDARBEIT IST PFLICHT!! Doch auf diesem Gebiet hat die Stadt Miltenberg gänzlich versagt.
Die JUI war so viele Jahre Treff- und Anziehungspunkt für Subkulturen. Doch die Einzige Subkultur für die in Miltenberg etwas getan wird, sind Rentner.
Bei einem Gespräch kam von Seiten der Stadtverwaltung die Idee auf die JUI mit professionellem Personal wieder zu eröffnen.
Dies lehnen wir selbstverständlich nicht grundlegend ab. Die 1974 gegründete „Aktion Jugendzentrum“ aus der 1979 die „Jugendinitiative Miltenberg“ hervorging hatte das ausdrückliche Ziel einer solchen Einrichtung mit professionellem Personal. Sie hatten sich sogar schon einen Wunsch-Sozialpädagogen herausgesucht.
Die Unterbringung in der alten Volksschule als „Übergangsquartier“ hat sich aufgrund des städtischen Geizes nun schon über 20 Jahre manifestiert.
Wir möchten hier eine Passage aus der Rede zum 25jährigen Bestehen der JUI zitieren:
„25 Jahre JUI heißt für Stadt und Landkreis Miltenberg: 25 Jahre sozialpädagogische Fachkräfte eingespart. Wenn wir lediglich von einer Fachkraft ausgehen, die für ein wirkliches JUZ kaum ausgereicht hätte, dann kommen wir nach heutigem Gehalt eines Sozialpädagogen leicht auf 1,25 Mio. Euro, die in 25 Jahren eingespart wurden. Zwar kostete eine Fachkraft früher nicht so viel wie heute, nur: Bei unserer Rechnung wurde lediglich eine EINZELNER Sozialarbeiter angenommen, OHNE Bürokosten, OHNE Fortbildung und Fachliteratur, OHNE Mittel für Aktionen mit den Jugendlichen, OHNE Kosten für mehr und bessere Räumlichkeiten (die ein JUZ benötigt hätte), OHNE Sachkosten für Funktionsräume (Foto, Siebdruck, Proberäume o. ä.).
Insgesamt darf eindeutig von einer MILLIONENSUMME ausgegangen werden, die die Kreisstadt oder den Landkreis ein JUZ gekostet hätte. Gemessen daran sind gelegentliche Renovierungskosten geradezu LÄCHERLICH. Selbst die nach dem Brand von 1985.
Die JUI ist die PREISWERTESTE Form offener Jugendarbeit, die sich eine Kreisstadt überhaupt vorstellen kann! Nicht einmal Kosten für Aufwandserstattungen ehrenamtlicher Helfer fallen an und DIE JUGENDLICHEN ZAHLEN SOGAR DIE RENOVIERUNGEN SELBST, schlagen sich mit Problemjugendlichen herum, fungieren also als Ersatz-Sozialarbeiter, sie tragen zur kulturellen Vielfalt in der Kreisstadt bei etc.
Und das jetzt schon seit 25 Jahren.“
Nun sind es schon 29 Jahre und die Kosten für Fachpersonal sind heute bedeutend höher als damals.
Wir glauben daher nicht dass die Stadt Miltenberg ihre „Idee“ umsetzen wird. Auch wenn sie es nicht wahrhaben wollen – die JUI gehört zu Miltenberg genauso wie die Kirche oder die Burg.
Mit freundlichen Grüßen
Jugendinitiative Miltenberg
Manuel
Daniel
Simon
Naomi
Constanze
24.11.08