MOVE YOUR TOWN (MYT) steht für eine erfolgreiche Veranstaltungsreihe, die im Frühjahr/Sommer 2008 in Aschaffenburg von AbaKuZ e.V. (Initiative für ein alternatives Kulturzentrum in Aschaffenburg) durchgeführt wurde. Inhaltliche Veranstaltungen standen neben Konzerten und Partys. Bevor hier eine Dokumentation dieser Ereignisse vorgenommen wird, soll eine Einschätzungen geben werden.

MOVE YOUR TOWN – ein voller Erfolg

MYT war eine große Leistung. In einer provinziellen Situation, ohne große politisch-kulturelle Szene, mit relativ wenig Aktiven wurde eine beachtliche Veranstaltungsreihe ermöglicht.

Dabei konnten die MYT-Macher/innen die dennoch möglichen Ressourcen offensichtlich gut ausschöpfen. Die Unterstützung durch die Medien, die offen und positiv berichteten, und durch andere Initiativen (z.B. die KOMMZ-Gruppe, Veranstalter des gleichnamigen traditionellen Aschaffenburger Open-Air-Festivals) oder von Bands war beachtlich und kaum vorhersehbar. Hier wurde eine Basis für eine künftige gute Zusammenarbeit geschaffen.

Das, was allgemein als linke oder alternative Szene wahrgenommen wird, konnte sich durch MYT gut präsentieren. MYT war für einige Zeit ein Bestandteil, um den hegemonialen Diskurs nach links zu verschieben, wenn auch nur geringfügig. Es ist fraglich, ob andere Akteure, die gesellschaftlich links verortet werden – Gewerkschaften, Grüne, Linke, andere Initiativen – in Aschaffenburg in dieser Zeit auch nur ähnlich effektiv waren.
Zumindest während der in diesen Zeitraum fallenden Aschaffenburger Kundgebung gegen das bayerische Versammlungsrecht war der Eindruck ernüchternd: Offensichtlich war nur das MYT-Spektrum wirklich kampagnenfähig, wenn auch nur auf personell niedrigem Niveau. Von den an der genannten Kundgebung sonst noch beteiligten und teils mitgliederstarken Gruppierungen (Gewerkschaften, Grüne, SPD, Die Linke) kamen nur erbärmlich wenige Teilnehmer.

MYT beschäftigte sich außerdem erfreulicherweise mit Themen, die im Raum Aschaffenburg – und weit darüber hinaus – schon seit Langem keine wirkliche Rolle mehr gespielt hatten, für ein linkes politisches und kulturelles Verständnis aber essentiell sind: Wie wollen wir leben (Vorstellung der Kommune Niederkaufungen)? Wie wollen wir agieren (kreative Formen von Protest und Widerstand)?

Die Beteiligten selbst resümieren auf ihrer Webseite: „Mit unserem gut besuchten Sommerfest am 15.08. endet vorerst unsere Kampagne `Move your Town´. Trotz kleinem Budget war sie mit über 800 BesucherInnen auf ca. 10 Veranstaltungen in den letzten drei Monaten ein voller Erfolg. Neben den Konzerten im Jugendkulturzentrum und Martinushaus sind vor allem die Vortragsveranstaltungen zu gesellschaftspolitischen Themen auf reges Interesse gestoßen. Auch wir, die OrganisatorInnen, hatten viel Spaß dabei und konnten neue Erfahrungen sammeln. Das spornt uns an, genau so weiterzumachen!“
Nach eigenen Aussagen wollten die MYT-Macher/innen vom Abakuz e.V. zweierlei erreichen: Erstens sollte für die Idee eines alternativen Kulturzentrums Werbung gemacht werden und dabei die Inhalte eines solchen Zentrums (Konzerte, Party, Politik) vorweggenommen werden. Zweitens wollten die Beteiligten weitere Erfahrungen sammeln, was die Planung und Durchführung verschiedenster Aktivitäten betrifft. Beides kann als gelungen bezeichnet werden.

Ebenso wichtig wie die gute Resonanz war bei MYT der Umstand, dass Politik und Kultur gleichwertig nebeneinander standen. Weder waren künstlerische Beiträge der Zierrat an den „ernsthaften“ politischen Veranstaltungen, noch wurde ein musikalischer Event mit einer Alibirede zum politischen Ereignis hochgekocht. Kultur (hier: Musikveranstaltungen) stand gleichberechtigt und gleichwertig neben politischen Vorträgen und Diskussionen sowie Partys. Und das ist das bisher (fast) Einmalige an dieser Aktion.
Interessant allerdings: Fast zeitgleich lief eine zwar deutlich kleinere Kampagne des Sozialcafés METROPOL in Aschaffenburg, bei der aber ebenfalls Kultur und Politik – hier: bildende Kunst und Vorträge zum kapitalistischen Alltag – ziemlich gleichwertig nebeneinander standen. Entstand hier ein neuer Trend?

MOVE YOUR TOWN im Einzelnen

12.04., Herstallstraße (Fußgängerzone): Info-Stand
zur Vorstellung von MYT und Werbung für die einzelnen Veranstaltungen

30.04., Kneipe Hannebambel: Soli-VOKÜ, anschließend Feierei in den Mai mit Protestsongs
Beste Stimmung, gute Musik, schöner Auftakt. Und: Selbst gebackene Nazischweine und ihr Gegner – das antifaschistische Anarcho-Schaf – werden zur Eröffnung der Kampagne von begeisterten AschaffenburgerInnen zugunsten von MOVE YOUR TOWN verkauft.

02.05., JUKUZ (städtisches Jugend-Kultur-Zentrum): Move your Town-Festival
mit Illectronic Rock, So far away, Enjoy Division und den Hesslers; 240 Besucher/innen

03.05., JUKUZ: Move your Town-Festival (Teil 2)
mit LAK, Surfits, Phlegmaix, Tequilla Terminators im Jukuz; 170 Besucher/innen
Die Konzerte ermöglichen es, die Kampagne zu finanzieren. Durch die Solidarität der Bands kann bei kleinem Eintritt dennoch Gewinn für MYT erwirtschaftet werden.

06.05., Café Schwarzer Riese: Infoabend zur Move-your-Town-Kampagne
Obwohl weder Musik noch Freibier vorhanden sind, kommen 30 Menschen, um sich zu informieren und Kontakte zu knüpfen.

31.05., Schiff Määkuh (ehem. Gaststätte): Antifa-Infotag und anschließend Party „love music – hate fascism“
Guter Vortrag, neue Leute interessieren sich für die Antifa-Arbeit am Untermain, 80 Menschen feiern zusammen trotz zahlreicher anderer Angebote an diesem Tag in Aschaffenburg.

07.06., Herstallstraße: Info-Stand
zur Information über und Werbung für MOVE YOUR TOWN

17.06., Schwarzer Riese: Vortrag “go.stop.act!” – Multimediale Geschichten des kreativen Straßenprotests
Im voll besetzten „Schwarzen Riesen“ spricht ein gut gelaunter Referent über verschiedene kreative Möglichkeiten des Protestes und gibt Anregungen für kommende Demonstrationen und andere Aktionen (siehe auch kreativerstrassenprotest.twoday.net). Der Abend ist nicht nur höchst informativ, sondern auch sehr unterhaltsam; gelacht wird viel.

21.06. Graffiti-Workshop
Fällt leider aus; ja, auch so etwas gibt es bei MOVE YOUR TOWN. Nichts ist perfekt.

25.06., Schwarzer Riese: Vortrag über Kommune-Leben und alternative Lebensformen
Über zwei Dutzend sehr interessierte Menschen verschiedenen Alters – und das trotz Fußball-Europameisterschaftsspiel der Männer mit den Bundeskickern! Die etwa 70köpfige Kommune Niederkaufungen (siehe auch: www.kommune-niederkaufungen.de) wird vorgestellt. Es entsteht jede Menge Lust auf anderes Leben.

27.06., Katakombe (Katholisches Jugendzentrum im Martinushaus): Konzert
mit T-Killas, Noteingang und den Kafkas; 100 Besucher/innen

01.07., Abakuz-Zentrum (kleiner Info-Laden): Filmabend
zum Thema “Hausbesetzung”

08.07., Schwarzer Riese: Vortrag zur Globalisierung
und den Protesten gegen den G8 Gipfel

12.07., Abakuz-Zentrum: Open-Air-Kino

15.08., Abakuz-Fest
für Mitglieder, Freunde und Förderer des AbaKuZ und seiner Ziele (siehe Flyer unten); 80 Besucher/innen, super Atmosphäre, sogar die Polizei will dabei sein und kommt zur Kontrolle vorbei.

mb/Originalbeitrag für KOMMUNAL
Dank für Informationen an Kali und S.

Eine Einschätzung der Veranstalter gibt es hier.